Netzpolitik
31.03.2015

Studie: Facebook-Nutzertracking verstößt gegen EU-Gesetze

Facebook verfolgt auch das Surfverhalten von Nutzern, die über gar keinen Facebook-Account verfügen oder sich explizit gegen Tracking ausgesprochen haben, so eine Studie.

Facebook verfolgt das Surfverhalten von Internetnutzern auch ohne deren Einwilligung und bricht damit EU-Gesetze. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Studie, die von der belgischen Datenschutzbehörde in Auftrag gegeben und am Dienstag veröffentlicht wurde. Dabei kommen auch Nutzer ins Visier des Online-Netzwerkes, die gar nicht bei Facebook Mitglied sind, sich aus ausgeloggt haben oder die sich explizit gegen Tracking-Methoden ausgesprochen haben. Zentral dabei sind die Social-Plug-ins von Facebook, wie etwa der „Like“-Button, der auf rund 13 Millionen Webseiten zu finden ist.

Laut den Autoren der Untersuchung platziert Facebook zu Werbezwecken sogenannte Tracking-Cookies auf allen Computern, über die Seiten der Facebook.com-Domain besucht werden, darunter Fan-Pages und Seiten, die auch ohne Facebook-Log-in angesehen werden können. Werden Seiten besucht, auf denen sich Social-Plug-ins von Facebook, wie etwa der „Like“-Button, befinden, wird Facebook über das Tracking-Cookie benachrichtigt. Das geschehe auch dann, wenn mit dem „Like“-Button nicht interagiert werde oder Nutzer bei Facebook gar nicht eingeloggt seien, so die Studienautoren.

Verstoß gegen EU-Gesetze

Damit verstoße Facebook gegen EU-Gesetze. Denn diese sehen vor, dass die Nutzung von Tracking-Cookies nur mit der expliziten Zustimmung der Nutzer erlaubt ist, es sei denn spezifische Dienste wurden von den Nutzern angefordert. Bei Nutzern, die bei Facebook nicht Mitglied sind oder sich aus dem Online-Netzwerk ausgeloggt haben, ist dies nach Ansicht der Studienautoren nicht der Fall.

Die europäische Gesetzgebung sei diesbezüglich unmissverständlich, sagte Brendan Van Alsenoy, einer der Autoren der Studie vom belgischen Centre of Interdisciplinary Law and ICT (ICRI) gegenüber dem „Guardian“. Um rechtlich gültig zu sein, müsse die Zustimmung von Nutzern zu verhaltensorientierter Werbung explizit erfolgen. Es gebe in der EU keine rechtliche Grundlage, die Facebooks Tracking-Praxis rechtfertigen würde.

Die belgische Datenschutzbehörde hatte bereits Ende Februar eine Studie veröffentlicht, bei der Facebook in Bezug auf seine neuen Datenschutzregeln attestiert wurde, in mehreren Punkten gegen EU-Verbraucherrechte zu verstoßen.

Statement von Facebook

Facebook sagt in einem Statement, dass Cookies seit mehr als 15 Jahren Industrie-Standard seien und Menschen sehr wohl eine echte Opt-Out-Möglichkeit von website-basierter Werbung hätten. "Wir sind außerdem enttäuscht, dass die Studienautoren und die belgische Datenschutzbehörde nicht mit uns in Kontakt getreten ist und mit uns diese unzutreffende Information aufgeklärt hat", sagt ein Facebook-Sprecher dazu.