Netzpolitik
03.10.2017

UK-Politiker: WhatsApp-Verschlüsselung hilft Pädophilen

Mehrere britische Spitzenpolitiker machen gegen WhatsApps Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mobil. Kryptografie helfe Pädophilen und Gangstern, so das Argument.

Die Verschlüsselung des Messaging-Dienstes schütze Kriminelle vor dem Zugriff der Behörden. WhatsApp müsse Schritte unternehmen, um Regierungen zu helfen, Verbrecher zu fassen. Das sind die Forderungen, die mehrere britische Minister stellen. Nachdem im verrgangenen Jahr 36 Menschen bei vier Anschlägen ums Leben gekommen sind, häufen sich jetzt die Angriffe auf WhatsApp. Premierministerin Theresa May hat schon nach einem Anschlag im Juni gefordert, das Internet müsse stärker reguliert werden.

Der Sicherheitsminister Ben Wallace, der für Überwachungsgesetze zuständig ist, sagte zuletzt: "Wir sehen täglich, dass Ende-zu-Ende-Verschlüsselung Pädophile schützt und sie hilft auch dem organisierten Verbrechen. Es frustriert mich sehr, wenn ich weiß, dass zwei Pädophile kommunizieren und wir denken, dass sie an einer Kindesentführung arbeiten, wir aber nicht auf diese Gespräche zugreifen können. Es gibt auch abseits von Hintertüren in der Verschlüsselung Möglichkeiten für Anbieter, uns zu unterstützen. Ich kann hier keine Details nennen, aber sie könnten definitiv mehr tun"

Kein Plan

Innenministerin Amber Rudd sagte bei einer Parteiveranstaltung in Machester: "Wir wissen auch, dass verschlüsselte Dienste wie WhatsApp von Pädophilen genutzt werden. Ich akzeptiere nicht, dass es richtig sein soll, dass Firmen Kriminellen erlauben, außerhalb der Gesetze zu operieren." WhatsApp hat sich zu den Vorwürfen aus dem Vereinigten Königreich bisher nicht geäußert. Auch Facebook, Google, Microsoft und Twitter werden in Großbritannien kritisiert. Hier fordert Rudd, dass schneller und aggressiver gegen extremistische Inhalte vorgegangen werden müsse.

Der britische Geheimdienst MI5 verlangt ebenfalls Zugriff auf verschlüsselte Nachrichten und teilt sich diese Position mit dem FBI in den USA. Das Problem ist, dass ein solcher Zugriff nur über Methoden realisiert werden könnte, die entweder die Verschlüsselung komplett aushebeln, weil eventuelle Hintertüren auch von Angreifern genutzt werden könnten, oder sehr tief in die Privatsphäre der Nutzer eingreifen, etwa indem Spionagesoftware Inhalte vor oder nach dem Ver- beziehungsweise Entschlüsseln abgreif. Auf diesem Standpunkt stehen auch die kritisierten Tech-Konzuerne, die sagen, dass die Begehrlichkeiten der Nachrichtendienste gegen die Privatsphäre der Nutzer abgewogen werden müsse.