Netzpolitik
26.08.2012

Web-Erfinder sorgt sich um freies Internet

Zum Abschluss einer sechstägigen Technik-Konferenz in Berlin hat der Web-Pionier Tim Berners-Lee alle Internet-Nutzer dazu aufgerufen, sich für Freiheit und Offenheit des weltweiten Computernetzes einzusetzen. Insbesondere bei mobilen Geräten gebe es die Tendenz einzelner Hersteller, geschlossene Systeme zu errichten, kritisierte der britische Informatiker.

Berners-Lee hat 1989 am europäischen Kernforschungszentrum CERN die grundlegenden Web-Standards HTML und HTTP entwickelt und gilt deswegen als „Vater des World Wide Webs“.

Plädoyer für HTML5
Die jüngste Version des Hypertext-Standards für Web-Seiten, HTML5, sei ein mächtiges Werkzeug für die Entwicklung von Web-Inhalten aller Art, auch für mobile Apps, sagte Berners-Lee. „HTML 5 ist der eine Standard, den alle Browser auf der Welt verstehen können.“ Und HTML5 mache die Entwicklung von Multimedia-Anwendungen möglich, für die früher die Software einzelner Firmen wie Adobe (mit der Technik Flash) oder Microsoft (Silverlight) erforderlich gewesen sei.

„Jede Webseite kann ein kleiner Computer sein“, sagte der 57-Jährige, der als Direktor des World-Wide-Web-Konsortiums (W3C) maßgeblich an der Entwicklung von Internet-Standards beteiligt ist.

"Monopole nie von Dauer"
Berners-Lee zeigte sich zuversichtlich, dass sich die offene Web-Plattform als letztlich attraktiver erweisen werde als alle Versuche einzelner Firmen, sich mit geschlossenen Systemen abzuschotten und so eine große Zahl von Kunden an sich zu binden.

Die Entwicklung der IT-Branche habe gezeigt, dass innovationsfeindliche Monopole einzelner Firmen nie von Dauer gewesen seien, sagte Berners-Lee. Den Software-Entwicklern rief er zu: „Habt eine großartige Zeit beim Programmieren, lasst euch weiter davon begeistern, bringt eure Sachen ins Web, teilt es mit allen und haltet euren Code offen!“

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