Netzpolitik
08.06.2011

Wiener Budgetdaten: Sichtbare Offenheit

Mit der Verfügbarkeit offener Regierungsdaten tauchen auch neue Methoden zur visuellen Aufbereitung von Datenzusammenhängen auf. Dass mit den offenen Regierungsdaten auch hierzulande Visualisierungsexperten neuen Rohstoff finden, zeigen erste Beispiele die auf Wiener Open Data basieren. Der Open Data Blog der futurezone hat mit dem Datengrafiker Andreas Koller gesprochen, der die Wiener Budgetabschlüsse visuell aufbereitete.

International spricht man schon von einer neuen Blüte der Informationsgrafik, die durch Initativen des die Open Government Data hervorgerufen wird. Die Visualisierung der Afganisthan War Logs des britischen "Guardian" sind inzwischen ebenso Legende, wie Lisa Evans Aufbereitung des britischen Haushalts in WhereDoesMyMoneyGo, die Datenanimationen von Amanda Cox in der "New York Times" sowie die bewegten Grafiken Hans Roslings für die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der Datengrafiker Andreas Koller zählte zu den ersten Österreichern, die nach dem Start der Open-Data-Initiative der Stadt Wien, Mitte Mai, eine Visualisierung entwickelte: Eine auf openprocessing basierende Aufbereitung der Wiener Budgetabschlüsse. Der Open Data Blog hat ihn dazu befragt.

Open Data Blog: Drei Tage nach Verfügbarkeit der ersten freien Regierungsdaten in Österreich haben Sie schon eine erste Visualisierung der Wiener Budgetabschlüsse online gestellt. Welche Motivation gibt es von Visualisierungsexperten mit Offenen Daten umzugehen?
Andreas Koller: Für mich als Gestalter ist es interessant, reale und aktuelle Daten als Grundlage für Visualisierungen zur Verfügung zu haben, da man auf diesem Weg auch komplexe und umfangreiche Datensätze auf einen Blick verständlich machen kann. Vor allem die Beziehungen zwischen verschiedenen Parametern aufzuzeigen und in eine visuell ansprechende und klare Form zu bringen ist eine Herausforderung. Ich werde mich nach der Budgetvisualisierung, die auch noch erweitert werden sollte, auf die Darstellung der demografischen Daten Wiens konzentrieren, die nun ebenfalls als Open Data veröffentlicht wurden. Mich motiviert, dass man auf diesem Weg einen gesellschaftlich relevanten, sinnvollen visuellen Kommentar abgeben kann, wobei man immer objektiv bleibt, da ja alles auf realen Daten beruht und somit Aussagekraft hat.

Die ersten Daten sind nun frei verfügbar, weitere werden folgen. Welche Art von Daten und in welcher Güte, sind für Sie wichtig zu bekommen, damit der weitere Weg von offenen Regierungsdaten und Datenvisualisierungen in Österreich erfolgreich wird?
Aktualität und Detailgrad der Daten sind ausschlaggebend, genauso wie die Möglichkeit, die Daten von verschiedenen Themen untereinander in Beziehung setzen zu können. Eine einheitliche  Kennzeichnung der Daten ermöglicht das Verknüpfen mehrerer Datensets und somit das Aufzeigen interessanter Zusammenhänge. Dazu müssten die Beschreibungen der Daten ebenfalls maschinenlesbar zur Verfügung gestellt werden. Am besten wäre eine XML-Schnittstelle zur Kommunikation mit einer zentralen Datenbank aller offenen Daten in Österreich, an den man  Abfragen schicken kann und immer aktuelle Werte bekommt, aber vielleicht gibt es hier sogar eine noch bessere Lösung. Es ist natürlich wünschenswert, möglichst detaillierte Daten aus einem möglichst langem Zeitraum zur Verfügung zu haben, wie sie beispielsweise im Statistischen Jahrbuch der Stadt Wien veröffentlicht werden. Die kompromisslose Genauigkeit der Daten sowie Wahrung des Datenschutzes sind ohnehin Grundvoraussetzung.

Sie haben den Code Ihrer Visualierung frei unter Creative-Commons-Lizenzen zur Verfügung gestellt, um Anderen das Experimentieren und aufbauende Entwickeln zu ermöglichen. Inwieweit werden selbstgestaltete Visualisierungen von Regierungsdaten an Bedeutung gewinnen? Einerseits bei den Medien, andererseits bei Bloggern?
Vermutlich werden sich nicht viele Personen mit den Daten direkt auseinandersetzen, aber durch die Veröffentlichung unter Creative Commons können diese zusammenarbeiten und auf der Arbeit der anderen aufbauen. Obwohl sich nicht die breite Masse für die rohen Daten selbst interessieren wird, ist aber zu erwarten, dass die Ergebnisse umso spannender werden und auf großes Interesse seitens der Medien stoßen werden, sollten die Visualisierungen gelingen. Eine noch größere Reichweite hätte man, wenn die Daten der Stadt Wien für den Google Public Data Explorer aufbereitet werden würden. Dadurch könnte jeder auch ohne Programmierkenntnisse die Datensätze selbst in Beziehung zueinander setzen und Zusammenhänge veranschaulichen.

Mehr zum Thema

Themenabend in Wien
Nächste Woche findet in Wien ein Themenabend zu Visualisierungen aus Open Government Data statt. Auf Initative von Keith Andrews vom Institute for Information Systems and Computer Media an der TU Graz treffen sich am Mittwoch, den 15.6. um 19.00 Uhr, im Hub Vienna Experten und Interessierte zum Meetup: Portals, Apps and Visualizations for Open Government Data (Eintritt frei, Anmeldung erbeten)