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15 Jahre iPhone: Wie das Smartphone alles veränderte

Karl-Heinz Grasser tritt zurück. George W. Bush schickt 20.000 Soldaten in den Irak. Microsoft launcht Windows Vista. Sunrise Avenue singt „Fairytale Gone Bad“. Und Steve Jobs hält einen Vortrag. 

Am 9. Jänner 2007 auf der Macworld-Messe in San Francisco kündigt der Apple-Gründer ein Smartphone an, das ein Telefon, ein iPod und ein Computer zugleich sein sollte. „And we are calling it iPhone“ – „Und wir nennen es iPhone“, sagte Jobs damals, begleitet von tosendem Applaus der Anwesenden. Das iPhone war geboren.

Vor 15 Jahren war das erste Apple-Smartphone gerade einmal 11,4 cm x 6,1 cm groß, verfügte über einen Speicherplatz von 4 GB und kostete 499 US-Dollar. Nach damaligen Standards ein stolzer Preis. Zum Vergleich: Das Blackberry Pearl, ein seinerzeit besonders beliebtes Smartphone, kostete 350 US-Dollar und galt als Statussymbol.

Trotz des Preises schossen die Verkaufszahlen in den folgenden Jahren in die Höhe. Das Zeitalter des Smartphones war eingeläutet. Wir zeigen, wie das iPhone die Tech-Welt umgekrempelt hat.

Multitouch: Zuerst Spott, dann Standard

Der Smartphone-Markt war im Jahr 2007 noch winzig. Blackberry und Motorola hatten, als Jobs das iPhone ankündigte, bereits das ein oder andere Smartphone am Markt. Gängig war damals allerdings die Bedienung per Hardwaretastatur und/oder Stylus. Apple brachte mit dem iPhone ein Smartphone heraus, das den Grundstein für Fingerbedienung legte. Es konnte mit mehreren Fingern gleichzeitig getippt werden und machte so die Hardwaretastatur überflüssig.

Die Konkurrenz belächelte Apples Ambitionen. So witzelte der damalige Microsoft-CEO Steve Ballmer in einem Interview nicht nur über den hohen Preis des iPhones, sondern bekrittelte auch seine Touch-Funktion: „Es spricht Geschäftskunden nicht an, weil es keine Tastatur hat. Das macht es zu keinem guten E-Mail-Gerät.“

Google erkannte hingegen schnell das Potenzial des Touchscreens. Der Tech-Gigant stellte sein Betriebssystem Android, das damals auf Geräte mit Hardware-Tastatur zugeschnitten war, rasch auf Fingerbedienung um. Der Siegeszug des Touchscreens war nicht mehr aufzuhalten.

iPhone revolutionierte das Fotografieren

Das erste iPhone verfügte über eine 2 Megapixel-Kamera. Obwohl die iPhone-Kamera daher zu Beginn eine wesentlich geringere Auflösung als Digitalkameras versprach, überholte die Smartphone-Fotografie rasch die herkömmliche. Der Verkauf von Kameras, insbesondere von Point-and-Shoot-Modellen, ist seit 2011 dramatisch zurückgegangen. Gleichzeitig steigt die Zahl der von Menschen geschossenen Bilder jährlich an.

Zum Siegeszug der Handyfotografie hat maßgeblich die Verknüpfung der Kamera mit dem Internet, die bereits das erste iPhone beherrschte, beigetragen. Zugegeben, die 2 Megapixel-Kamera konnte kaum den Ansprüchen von Profi-Fotograf*innen gerecht werden. Aber die Tatsache, dass Bilder geschossen und nahezu zeitgleich bei sozialen Netzwerken geteilt werden konnten, verhalf dem Smartphone-Foto dennoch zu seinem Durchbruch. 

Auch mit der einfachen Handhabung revolutionierte das iPhone das Fotografieren. Nach den Erfolgen der ersten iPhone-Generation begann Apple seine Kamera-App mit neuen Features zu bestücken: Bilder konnten direkt in der App bearbeitet werden – mit Filtern oder Korrekturen. Man musste kein/e Fotograf*in mehr sein, um passable Fotos zu schießen – das Smartphone übernahm die Arbeit. Dieser Gedanke hat sich bis heute in der Kameraentwicklung von Apple gehalten. Heute zaubert KI für Nutzer*innen das optimale Bild.

Das erste iPhone besaß noch keine Frontkamera, dafür eine 2 Megapixel-Kamera auf der Rückseite

Mit dem iPhone kam der App Store

Kaum zu glauben, aber mit dem ersten iPhone konnten Nutzer*innen keine Apps von Drittanbietern herunterladen. Es waren ausschließlich Anwendungen erhältlich, die Apple vorinstalliert hatte. Erst im Juli 2008, ein Jahr nach dem Rollout des iPhone, folgte der damals einzigartige App Store. Zu Beginn beherbergte er etwa 500 Apps. Laut Statista sind im App Store heute über 2,2 Millionen Anwendungen erhältlich. Übertroffen wird Apple aktuell nur von dem Google Play Store. Dieser bietet sogar um ein Drittel mehr Apps an.

Durch Apps haben unsere Telefone aber nicht nur Landkarten, Taschenlampen, Kamera, Uhren, Scanner, Kalender, Taschenrechner, oder MP3-Player weitgehend ersetzt. Sie haben auch einen gänzlich neuen Markt in der Tech-Branche geschaffen. Der Umsatz, der durch App-Käufe generiert wird, belief sich gemäß App Annie auf 97 Milliarden Dollar. 65 Prozent davon entfallen auf den App Store.

3-Billionen-Dollar-Unternehmen dank iPhone

Apple stellte nicht nur den Handy-Markt mit dem iPhone auf den Kopf, sondern katapultierte sich mit seinem ersten breitenwirksamen Smartphone auch an die Spitze der gesamten Tech-Branche. Apples Jahresumsatz hat sich nach der Einführung des iPhones mehr als verzehnfacht. Laut Statista wurden vergangenes Jahr etwa 240 Millionen iPhones verkauft. Sie sind für den Löwenanteil von Apples Umsatzerlös verantwortlich, wodurch das Unternehmen Konkurrenten wie Nokia oder Blackberry rasch überholen konnte.

Durch den iPhone-Hype konnte Apple aber nicht nur Tech-Unternehmen hinter sich lassen. Im Jahr 2007 betrug die Marktkapitalisierung von Apple (der Gesamtwert aller Aktien eines Unternehmens, an dem für gewöhnlich der Firmen-Wert gemessen wird) 174 Milliarden Dollar (154 Milliarden Euro). Am 3. Januar 2022 war Apple schließlich 3 Billionen Dollar (2,6 Billionen Euro) wert. Damit ist es nun das wertvollste Unternehmen der Welt.

Im Vergleich zu anderen Tech-Konzernen ist der Wert der Apple-Aktien in den vergangenen Monaten und Jahren rasant gestiegen

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Lisa Pinggera

LPinggera

Neu bei futurezone. Erzählt am liebsten Geschichten über Kryptowährungen, FinTechs und Klimawandel. Schreibt aber über alles, was erzählenswert ist.

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