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Interview
10/13/2010

"Android ist wichtiger als das iPhone"

Mit etwa 250.000 Apps ist Apples App Store der größte Marktplatz in der mobilen Welt, obwohl weit mehr Handys mit Android-Betriebssystem am Markt sind als iPhones. Samsungs Handy-Chef Martin Wallner fordert Entwickler dazu auf, sich nicht nur auf Apples iPhone zu konzentrieren, sondern sich mehr um Android zu kümmern.

//FUTUREZONE: Im App-Store von Apple gibt es etwa 250.000 Apps, im Android Marketplace sind es um 130.000 Apps weniger, zudem ist das Angebot mangels Kontrolle schlechter. Wird Android vernachlässigt?//

MARTIN WALLNER: Das ist mir schon bei den Medientagen vor zwei Wochen aufgefallen. Alle reden nur von iPhone und iPad und vergessen ganz, dass es Android auch noch gibt. Analysten sagen, dass Android stärker wächst als iPhone. Für mich ist es unbegreiflich, warum App-Entwickler den Android-Markt vergessen. Android ist wichtiger als das iPhone.

//FUTUREZONE: iPhone und iPad sind in aller Munde, auch jene, die es nicht haben wollen, reden drüber.//

MARTIN WALLNER. iPhone und iPad sind gelungene Produkte, aber man sollte sich nicht auf einen Hersteller konzentrieren. Ob Sony Ericsson, LG, Motorola oder eben Samsung - alle setzen auch auf Android, weil es ein offenes System ist.

//FUTUREZONE: In den USA hat Android bereits das iPhone OS überholt.//

MARTIN WALLNER: Das wird bald auch in einigen europäischen Ländern der Fall sein, das Android-Pendel wird bald auch nach Europa ausschlagen.

//FUTUREZONE: Warum gibt es weniger Android- als iPhone-Apps?//

MARTIN WALLNER: Der Nachteil sind die Entwicklungskosten. Es gibt viele Apps, die ein Hersteller, ein Betreiber gerne hätte. Aber wenn man die Entwicklung der App finanziert, laufen sie auf allen Android-Phones, auch auf den Geräten der Konkurrenz bzw. des anderen Betreibers. Das hält viele davon ab. Wo ist da der Business-Case? Ich bekomme das Geld nie wieder herein.

//FUTUREZONE: Was kostet eine Android-App?//

MARTIN WALLNER: Genauso viel wie eine iPhone-App, zwischen 2000 und 30.000 Euro-

//FUTUREZONE: Samsung hat eine spezielle Strategie. Sie haben das eigene Betriebssystem Bada, haben Android-Handys im Programm und auch die neuen Windows Phone 7-Geräte. Macht es Sinn, alle Märkte zu bedienen?//

MARTIN WALLNER: Linux nicht zu vergessen, das nutzen wir auch. Wir sind der einzige, der auf alles setzt, weil es verschiedene Kundengruppen und Kundenbedürfnisse gibt. Zudem wollen wir uns nicht von einem Betriebssystem abhängig machen, wir wollen uns alle Optionen offen lassen.

//FUTUREZONE: Und warum setzt Samsung noch auf das eigene Betriebssystem Bada?//

MARTIN WALLNER: Das ist Teil unserer Strategie. Bada ist ein gutes Betriebssystem, für Bada lassen wir sogar eigene Apps entwickeln.

//FUTUREZONE: Samsung hatte auch einmal Geräte mit dem Symbian-Betriebssystem.//

SAMSUNG: Das haben wir beendet, das ist das Nokia-eigene Betriebssystem und unserer Meinung nach keine Zukunftsplattform.

//FUTUREZONE: Nokia denkt anders darüber nach und argumentiert immer, dass sie Weltmarktführer bei den Smartphones sind.//

MARTIN WALLNER: Es ist eine Frage, wie man Smartphone definiert. Für mich ist ein iPhone ein Smartphone, ein Samsung Wave oder Samsung Omnia 7 - Nokia bezeichnet selbst das Modell 5630 als Smartphone, und das ist für mich keines.

//FUTUREZONE: Samsung zählt neben HTC und LG zu den ersten Herstellern, die ein Windows 7-Phone im Portfolio haben. Was halten Sie von W7?//

MARTIN WALLNER: Microsoft darf man nie unterschätzen, sie haben ihr mobiles Betriebssystem völlig revolutioniert und einen Neustart gewagt. Ich glaube, dass W7 ein Erfolg werden wird, werden muss, da sonst ihr angestammtes Geschäft bedroht ist. Ich finde, dass Microsoft auf dem richtigen Weg ist.

(Gerald Reischl)