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TV 2.0
11/24/2010

Boxee Box: D-Link will nicht Polizei spielen

Nicht legal erworbene Videos und Community-Plug-ins zum Umgehen vom Kopierschutz sind "nicht kontrollierbar", meint D-Link-Manager Ersin Akar gegenüber der FUTUREZONE. Für den vorweihnachtlichen Starttermin wurde die deutsche Benutzeroberfläche geopfert.

von Martin Stepanek

Mit einer auffallend designten Set-Top-Box auf Basis der Medienplattform Boxee sagt D-Link dem kürzlich erschienenen AppleTV den Kampf an. Im Gegensatz zu Apple baut man auf eine Open-Source-basierte Infrastruktur und erhofft sich dadurch eine starke Involvierung der Community. Dass diese das Rechtsverständnis der Musik- und Filmindustrie mitunter freizügiger interpretiert, muss dabei wohl oder übel in Kauf genommen werden.

"Ob die über Boxee gestreamten Videos wirklich legal erworben wurden oder etwa über theoretisch verfügbare Softwarelösungen aus der Community der DRM-Schutz von iTunes-Videos umgangen wird, entzieht sich unserer Kontrolle", meint D-Link-Produktmanager Akar im Gespräch mit der FUTUREZONE. Dieses Problem hätten aber alle Hersteller. Alle offiziellen Boxee-Apps würden vor der Freischaltung jedenfalls geprüft, so Akar. Das Abspielen von DRM-geschützten Videodateien werde im Auslieferungszustand nicht unterstützt.

Community bastelt sich eigene Apps
Eine Hintertür, um von Boxee nicht offiziell abgesegnete Services und Apps auf dem Boxee-Betriebssystem laufen zu lassen, bieten sogenannte Repositories. Über das Aufrufen dieser im Web kursierenden Verzeichnisse lassen sich ähnlich einem iPhone mit Jailbreak auch alternative Programme installieren. Eine kurze Google-Suche offenbart, dass die Community schon längst auf den Zug aufgesprungen ist und etwa frei verfügbare Medieninhalte aus dem Web in die Boxee-Oberfläche einbaut. Die Boxee-Software ist auch für herkömmliche Computer frei verfügbar.

Die Bedienung und grafische Gestaltung der Oberfläche war in der Community zuletzt heftig kritisiert worden. Denn das Entwicklerteam hatte beim Sprung von der letzten Betaversion 0.9 auf Version 1.0 noch einmal kräftig herumgebastelt. Die Icons und die Menüführung wurden stark verändert, was etwa im offiziellen Boxee-Blog zu heftigen Userprotesten führte.


D-Link verteidigt Interface
"Wir haben das User Interface hinsichtlich der Boxee Fernbedienung noch einmal optimiert", verteidigt D-Link-Manager Akar gegenüber der FUTUREZONE den Schritt. Die Beta sei zwar am Computer mit Mauseingabe gut bedienbar gewesen. Um auch auf der Boxee Box in Verbindung mit dem Fernsehbildschirm eine optimale User Experience zu garantieren, sei das Interface noch einmal überarbeitet worden, so Akar.

Neben der Boxee-Box, deren abgeschnittene Kubus-Form ebenfalls für Diskussionen sorgte, hat D-Link eine eigene Fernbedienung entwickelt, die auf der Rückseite mit einer vollständigen Tastatur ausgestattet ist. Diese soll textbasierte Sucheingaben und Postings - etwa auf Facebook und Twitter - vereinfachen.

Deutsche Menüführung ab Jänner
Für den vorweihnachtlichen Starttermin wurde zudem die deutsche Oberfläche geopfert. Die Menüführung ist folglich komplett in Englisch, soll aber bereits im Jänner mit einem Firmware-Update auf Deutsch umgestellt werden. In den nächsten Wochen und Monaten wird Boxee auch eine Reihe von Services, die bisher nur für US-Kunden verfügbar sind in einer lokalisierten Form anbieten. Derzeit greift die Plattform für Zusatzinformationen und Filmcover eigener Filme auf die englische Internet Movie Data Base (IMDB) zu.

Die Boxee Box ist ab heute offiziell über Amazon und andere Online-Anbieter bestellbar und kostet 229 Euro.

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(Martin Stepanek)