Produkte
01.03.2017

Connected Car: Kurzen Motor-Boost per App kaufen

BMW will seine Fahrzeuge künftig stärker vernetzen © Bild: BMW

Immer mehr Autos werden mit SIM-Karten ausgestattet und mit dem Internet verbunden. Das beflügelt auch die Kreativität der Auto-Hersteller.

Nach der CES, der weltgrößten Messe für Unterhaltungselektronik, nehmen die Autohersteller nun auch den Mobile World Congress in Barcelona, Treffpunkt der Smartphone- und Mobilfunk-Branche, in Beschlag. Doch während sich auf der CES alles um das Thema Elektromobilität drehte, geht es am größten Handy-Kongress der Welt darum, dass Autos künftig zu persönlichen Assistenten werden sollen - ähnlich wie es Smartphones dank Diensten wie Siri (Apple) oder Alexa (Amazon) bereits sind.

So stellte Peugeot mit dem „Instinct“ eine gewagte Konzeptstudie vor. Das Fahrzeug, das sowohl autonomes als auch manuelles Fahren beherrscht, kann Daten von vernetzten Geräten und Diensten auslesen und sich so dem Nutzer anpassen.

War der Besitzer beispielsweise vorher mit seiner Smartwatch Laufen, schaltet das Fahrzeug automatisch in einen besonders sanften, selbstfahrenden Modus. Dabei hilft auch der Sitz, dessen flexibles Material sich an den Passagier anpasst. Ein serienreifes Modell soll es aber frühestens 2025 geben.

Zu Google und Co aufholen

„Der große Wandel für uns ist, dass es künftig wie beim Handy ist: Sie nehmen ihr Profil überall hin mit“, erklärt Dieter May, verantwortlich für digitale Geschäftsmodelle bei BMW, gegenüber der futurezone. BMW bietet mit „Connected“ bereits seit Anfang 2016 einen Dienst an, der intelligent Daten verknüpfen und dem Nutzer unter die Arme greifen kann.

Der Hersteller setzt dazu auf eine selbst entwickelte Cloud-Infrastruktur, die auf den Azure-Servern von Microsoft läuft. Der Fahrer wird am Gerät, wie Smartphone, Tablet oder Smartwatch, erkannt. „Es fließen einerseits fahrzeugrelevante, aber auch ihre persönlichen Daten ein. Sie geben mir ihren Kalender und Adressen der Termine frei und das Navi gibt ihnen automatisch die Routen vor“, erklärt May.

FILE - In this Tuesday, Oct. 4, 2016, file photo, Google CEO Sundar Pichai talks about the new Google Assistant during a product… © Bild: AP/Eric Risberg
Ähnliche Dienste bieten intelligente Assistenten von Apple, Google und anderen Technologiekonzernen bereits seit längerer Zeit. „ Google kann zwar ihre Mails nach Terminen scannen und Ihnen sagen, wann sie losfahren müssen, im Auto ist es aber vorbei“, so May.

Diesen Vorteil wolle man nutzen, beispielsweise um das Auto im Winter vor Beginn der Fahrt automatisch zu klimatisieren, die Scheiben aufzutauen und das Navi zu programmieren. Und auch ein Film, der am Tablet begonnen wurde, kann so problemlos im Entertainment-System des Autos fortgesetzt werden.

Österreich "fortschrittlich" bei Personalisierung

BMW will damit das Fahrerlebnis „vollständig personalisieren“, unabhängig davon, in welches Fahrzeug man einsteigt. Vorerst ist die Plattform allerdings noch auf BMW-Modelle beschränkt, der Konzern weitet es allerdings auch auf seinen Carsharing-Dienst DriveNow aus. May räumt aber ein, dass man künftig wohl über mögliche Partnerschaften mit anderen Autoherstellern nachdenken müsse, um den Technologiekonzernen etwas entgegen zu halten.

Ähnlich ging man bereits beim Kartendienst Here vor: Zahlreiche US-Technologiekonzerne waren interessiert, doch ein Konsortium bestehend aus Audi, BMW und Daimler erhielt den Zuschlag.

BMW will seine Fahrzeuge künftig stärker vernetzen © Bild: BMW
Großbritannien ist in diesem Bereich sehr fortschrittlich, Österreich auch. China ist wohl am Weitesten, dort ist der typische BMW-Fahrer aber 20 Jahre jünger und sehr Technologie-affin“, so May gegenüber der futurezone.

Auch „fahrzeugnahe Dienste“ seien künftig denkbar: „Da können Sie über den In-Car-Store Fahrzeugfunktionen kurzzeitig freischalten lassen. Wenn ich zum Beispiel für eine Reise nach Österreich mehr Leistung auf der Autobahn brauche, kann ich kurzzeitig 50 PS mehr Leistung aktivieren.“ So könnte der Autohersteller auch später Funktionen verkaufen, die zwar im Auto verbaut, aber nicht ab Werk aktiviert wurden.

​Mobilfunker hoffen auf Automarkt

Dazu müssen die Fahrzeuge aber auch ständig mit dem Internet verbunden sein. Ein großer Wachstumsmarkt für die Mobilfunker, die mit einem gesättigten Smartphone-Markt zu kämpfen haben. Anfang 2016 wurden in den USA erstmals mehr SIM-Karten für Autos als für Smartphones freigeschaltet. Doch dass ihr Auto über eine SIM-Karte verfügt, ist vielen Menschen gar nicht bewusst. Laut einer Umfrage (3700 Teilnehmer) des Marktforschungsinstitutes TNS war vier von zehn Befragten nicht bewusst, dass ihr Auto mit dem Internet verbunden ist.

Die zunehmende Vernetzung soll auch selbstfahrenden Autos das Leben erleichtern. Denn während sich aktuelle vernetzte Autos nur mit dem Internet verbinden können, sollen selbstfahrende Autos miteinander kommunizieren und Daten über die Umgebung austauschen.

© Bild: Uber
„Eine der grundlegenden Technologien wird sein, dass die Autos in der Lage sind, sich miteinander zu unterhalten“, so Anthony Levandowski, Chef-Entwickler von Ubers selbstfahrenden Fahrzeugen. So könnten sich die Fahrzeuge gegenseitig vor Hindernissen warnen und Aufnahmen der Umgebung austauschen. Dabei soll vor allem der kommende Mobilfunkstandard 5G helfen, der die direkte Kommunikation zwischen vernetzten Geräten erlaubt.

Über die Details des Standards wird derzeit noch debattiert, ein erster Entwurf sieht aber Grundgeschwindigkeiten von 100 Mbps im Download und 50 Mbps im Upload vor. Zudem soll die Übertragung auch bei hohen Geschwindigkeiten (bis zu 500 km/h) und vielen Geräten (eine Million Geräte pro Quadratkilometer) möglich sein. BMW und der südkoreanische Mobilfunker SK Telecom haben bereits im Vorjahr ein erstes mit 5G-Technologien ausgestattetes Fahrzeug getestet.

Unfälle bauen für sichere Autos

Während Uber, Google und Co ihre selbstfahrenden Autos auf der Straße testen, will „Roborace“ die Technologie auf der Rennstrecke verbessern. Das Unternehmen stellte auf dem MWC das erste selbstfahrende Rennauto vor. Der flache Bolide ohne Cockpit kann bis zu 320 km/h schnell fahren und setzt auf vier Elektromotoren und eine Vielzahl an Sensoren. „Roborace soll dabei helfen, dass die Technologie von der Masse akzeptiert wird“, so Denis Sverdlov, Erfinder und CEO des Roborace.

(L-R) Alejandro Agag, CEO of Formula E Holding, Denis Sverdlov, CEO of Roborace and Charge, and Daniel Simon, Chief Design Offic… © Bild: REUTERS/PAUL HANNA
Außerdem sollen die Technologien der Hersteller so unter extremen Bedingungen getestet werden. Bis zum ersten richtigen Rennen dauert es aber noch ein wenig: Die Fahrzeuge werden dieses Jahr auf der Elektro-Rennserie Formula E zu bewundern sein und einfache Fahrten absolvieren. Zum Abschluss der Saison gibt es ein kleines Rennen zwischen zwei Fahrzeugen. Ein erster interner Test Anfang Februar endete noch mit einem Unfall.