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Produkte
03/13/2012

Energieverbrauch: Problemzone Produktzyklen

Lutz Stobbe von der Umweltabteilung des deutschen Fraunhofer Instituts warnt vor dem wachsenden Ressourcenverbrauch bei der Herstellung neuer Hightech-Produkte. Während man den Energieverbrauch in den Haushalten in den Griff bekommen hätte, würden externe Faktoren den "Carbon Footprint" jedes Konsumenten tiefer machen.

"Elektronikprodukte werden energieeffizienter, aber auch ressourcenintensiver.” So fasst Lutz Stobbe von der Umweltabteilung des Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration die aktuellen Trends bei Haushalts-Hightech zusammen. Er führt Studien für die EU-Kommission durch, ist in Deutschland für das Programm Programm "IT2Green - Energieeffiziente IKT für Mittelstand, Verwaltung und Wohnen” verantwortlich und wird am Mittwoch in Wien auf der Veranstaltung "Broadband access 2020” der Austrian Energy Agency zum Thema sprechen.

Laut Stobbe würde der heutige Preisverfall zwar für mehr Elektronikgeräte im Haushalt sorgen, doch dem würden zwei Trends entgegenwirken: Zum einen sei eine erhöhte Konvergenz bei Produkten bemerkbar - so würden etwa Smartphones die Funktion einer kleinen Digital-Kamera übernehmen oder Laptops nicht mehr zusätzlich, sondern anstatt von PCs gekauft werden. Und zum anderen würde sich die Technik selbst hinsichtlich Stromverbrauch immer weiter verbessern. "Der Energieverbrauch von großen Flat-TVs ist heute wieder auf dem Niveau eines alten Röhren-Fernsehers”, so der Experte.

Neue Belastungen
Allerdings gibt es auch Faktoren in der heutigen IKT-Landschaft, die insgesamt für einen Zuwachs des Energieverbrauchs sorgen. "Die Rechenlast verlagert sich in die Cloud”, sagt Stobbe. Deswegen sei es sehr schwer, den Energieverbrauch auf einzelne Haushalte herunterzubrechen. Um Transparenz in diesen Bereich zu bringen, müsste die Zusammenarbeit mit den Betreiber-Firmen (v.a. Telcos) intensiviert werden - etwa um einen gemeinsamen Mess-Standard zu entwickeln.

Ein zweites, in Zukunft immer größeres Problem neben dem rasanten Ausbau großer Rechenzentren ist die Herstellung von Hightech-Geräten - und damit ebenfalls ein Bereich, auf den der Konsument nur indirekt Einfluss hat. "Die Fertigungs-Phase macht oft mehr als 50 Prozent des Energie-Impacts aus”, sagt Stobbe. Aufwendige Chips, aber auch ressourcenintensive Materialien wie Gold, Palladium, Silber oder Kupfer würden die Produktion immer audwendiger gestalten. "Das wirkt sich negativ auf die Energiebilanz aus”, sagt der Experte.

Problem Produktzyklen
Stobbes Forderung: "Produkte müssen langlebiger werden, damit sich die Herstellung bezahlt macht.” Angesichts sehr kurzer Produktzyklen (z.B. ein Jahr bei iPad oder iPhone) sei das aber unrealistisch. "Die schnellen Produktzyklen sind durch die hohe Entwicklung bedingt”, so Stobbe, Firmen seien gezwungen, immer mehr Produkte abzusetzen, um die Forschung gegenfinanzieren zu können. In den kommenden zehn Jahren erwartet der Experte aber eine Verlangsamung. "Die Miniaturisierung hört auf, es wird immer weniger Firmen geben, die in Konkurrenz stehen”, sagt Stobbe. Bis dahin könne man aber eigentlich nur eins machen: "Man kann nur auf gutes Recycling hoffen.”

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"Broadband access 2020: always connected, continuous using" ist das Thema einer von der Energieagentur organisierten Veranstaltung, die morgen, 14. März 2012, im Boecklsaal der TU Wien stattfindet. Lutz Stobbe ist einer der Vortragenden und Diskutanten zum Thema "Die private IKT-Nutzung der Zukunft – Auswirkungen auf den Energieverbrauch?"