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Graph Search
01/17/2013

Facebook-Suche: Mit Microsoft gegen Google

Mark Zuckerberg steigt mit der neuen Suchfunktion "Graph Search" ins Suchmaschinen-Business ein und macht die Daten seiner Nutzer transparenter denn je. Vorerst ist die Betaversion auf einen kleinen Nutzerkreis beschränkt und nicht mit umsatzsteigernder Werbung bestückt, doch schon beflügelt "Graph Search" die Visionen der Branche und weckt neue Ängste der Datenschützer.

von Jakob Steinschaden

„Meine Freunde aus Wien, die Falco mögen“, „Freunde von Freunden, die bereits in Paris waren“, „Menschen, die die Dinge mögen die ich mag“: Solche und viele andere Suchanfragen über seine Mitglieder will das Online-Netzwerk Facebook künftig mit der neuen „Graph Search“ beantworten. Vorerst ist die Suchfunktion, die Facebook-Gründer Mark Zuckerberg am Dienstag Abend vorstellte, nur in Englisch für eine ausgewählte Gruppe an Testern verfügbar, alle anderen sollen sie in den kommenden „Wochen und Monaten“ bekommen (Voranmeldung hier).

Gegen Google
Anders als bei Google wird für die Suchergebnisse nicht das gesamte Netz, sondern vorrangig die Facebook-Datenbank durchsucht. Das bedeutet, dass sich nur Informationen zu Menschen finden, die bei Facebook angemeldet sind. Betrifft die Suchanfrage Personen oder Dinge, die nicht bei Facebook sind, hilft die Suchmaschine Bing von Microsoft (ein Facebook-Investor) aus und liefert entsprechende Links zu externen Webseiten zu.

Damit sind Facebook/Microsoft und Google ein weiteres Mal auf Kollisionskurs: Denn per Daten aus Google+ soll die Google-Suche stärker personalisiert werden und für den User relevantere Treffer bringen. Kritik an dieser Praxis kommt nicht nur von Datenschützern, sondern auch von auf Privatsphäre bedachte Suchmaschinen wie DuckDuckGo oder Startpage (die futurezone berichtete).

Sehr persönlich
Suchen kann nur, wer eingeloggt ist, und die Treffer sollen laut Zuckerberg die Privatsphäreeinstellungen berücksichtigen. Zehn Prozent der Rechenkapazität der Facebook-Server würden allein für diese Berechnungen benötigt werden, verriet der Facebook-Chef. Ist man mit einem Facebook-Nutzer nicht befreundet, findet man nur Daten von ihm, die „öffentlich“, also für alle sichtbar sind. Einblicke Fremder in private Fotoalben sollen etwa nicht möglich sein.

Zwar ist „Graph Search“ eine Verbesserung zur bisherigen, mickrigen Suchfunktion von Facebook, die bis dato pro Tag eine Milliarde Mal verwendet wurde (Google: mindestens 3,3 Mrd./Tag). Fertig ist sie aber noch nicht. Aktuell werden nur Personen, Fotos,  Interessen („Likes“) und Orte durchsucht.

Später sollen Nutzerkommentare und der so genannte „Open Graph“ dazukommen, der in Form von „Gefällt mir“-Knöpfen, Facebook-Logins oder Kommentarsystemen in Millionen anderer Webseiten verbaut ist. Dann wird Facebook Googles Suche ernsthafte Konkurrenz machen können. Zudem zeigt Facebook noch keine bezahlten Anzeigen in den Treffern, was Branchenexperten zufolge aber fix kommen wird. Google verdient damit viele Milliarden Dollar pro Jahr.

Tiefe Einsichten
Auch Partnerbörsen, Job-Plattformen oder Restaurant-Portale wie Yelp könnten unter der neuen Facebook-Suche leiden – überraschend kommt sie aber nicht. „Social Search ist der nächste logische Schritt“, so Alexandra Senoner, Sprecherin der Personensuchmaschine www.123people.at. „Empfehlungen von Freunden vertraut man mehr als irgendeiner Seite im Web.“

Der deutsche Datenschützer Thilo Weichert warnt bereits vor „Graph Search“. Es sei ein „nicht akzeptabler Eingriff“ in den Datenschutz, weil  „hochsensible Informationen auch Dritten zur Kenntnis gelangen könnten“, so Weichert. Auch Senoner sagt: „Leute, die auf Datenschutz achten, werden dem sehr skeptisch gegenüberstehen.“

Es gäbe aber sicher viele Nutzer, die die Suchfunktion praktisch finden würden. „Wir sind soziale Wesen und interessieren uns grundlegend für andere Leute“, so Senoner. „Mehr über jemanden zu erfahren, seien es Geschäftspartner oder Bekannte, ist ein Grundbedürfnis, das damit befriedigt wird.“

Per EdgeRank in die Filter-Blase
Bei einer Suchanfrage auf Facebook werden Treffer nach dem „EdgeRank“-Algorithmus gereiht. Dieser bewertet, wie wichtig der Treffer (z.B. Person, Marke, Ort) für den suchenden Nutzer ist. Schreibt man etwa oft mit einem anderen Mitglied, wird dieses als wichtig eingestuft.

Dass Suchergebnisse auf Basis von Interessen und Verhalten von Nutzern personalisiert werden, bezeichnet der US-Autor Eli Pariser als Gefahr. Internetnutzern würden durch die Filter nur mehr ihnen gefällige Inhalte angezeigt, andere Meinungen würden ausgeblendet werden.

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