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12.12.2015

Flatrate-Tarife für Strom, Licht und Heizung

Verbund-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Anzengruber kündigt Energie-Tarife nach dem Fair-Use-Prinzip an und will ein „Lifestyle-Provider“ werden.

„Es stimmt, es wird in unserem Sektor kein Stein auf dem anderen bleiben und wir werden mit Mitbewerbern konkurrieren müssen, die wir vorher noch nicht hatten“, sagt Verbund-Generaldirektor Wolfgang Anzengruber im futurezone-Interview. „Aber zwei Vorteile liegen auf unserer Seite – die Kunden haben ein großes Vertrauen zu uns, und wir kennen uns besser aus als der Kunde.“ Zudem hätten die Energieversorger eine große Verantwortung – sie müssten eine sichere Infrastruktur bauen

"Wir müssen ein Lifestyle-Provider werden, freilich nicht für den Industrie-, sondern für den Privatkunden“, sagt Anzengruber. "Die wenigsten Kunden können sich etwas unter Kilowattstunde vorstellen, also müssen wir unsere Produkte mit Services aufladen, nur so kann der Kunde die Wirkung einer Kilowattstunde erleben. So wie in der Mobilfunkbranche nicht technische Standards wie UMTS oder LTE verkauft werden, werden auch die Energieversorgungsunternehmen nicht Kilowattstunden verkaufen. Wir werden künftig Flat-Produkte anbieten", so Anzengruber. Denkbar sei ein Produkt Licht, in dem die Beleuchtung in einer Wohnung oder in einem Haus integriert ist oder ein Flat-Produkt Wärme oder ein Produkt Flat-Sicherheit. Hier nehme man sich die Telekom-Branche als Vorbild, die vorgezeigt hat, wie man aus anfänglichen Freiminuten, Bandbreiten dann Download-Volumina verkauft habe. Da wie dort gelte auch im Energiebereich das Fair-Use-Prinzip.

Photovoltaik-Trend

Dass sich die Energieversorger durch Photovoltaik-Anlagen, die man Kunden empfiehlt, selbst das Geschäft abgraben, glaubt Anzengruber nicht. „Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach zu haben, ist ein Statement und ein Trend, der sich nicht aufhalten lässt.“ Im ländlichen Bereich sei es durchaus möglich, dass 50 Prozent der Häuser energieautark werden könnten, in Ballungszentren eher weniger, weil etwa der Denkmalschutz Anlagen verbieten würde. Aber zum einen bleibe nach wie vor die Industrie, die auf eine stabile Versorgung angewiesen ist, zum anderen ist die Wettersituation in Österreich so, dass man sein Haus nie wird gänzlich selbst mit Energie versorgen können. „Aber es stimmt, dass wir neue Zugänge, neue Produkte und neue Ideen brauchen.“ Eine sei etwa das Eco-Home, eine Lösung, mit der man sein Heim smart machen und Energie sparen könne. Eine andere sei, künftig das Elektro-Auto, bzw. die Batterie im Auto, als dezentralen Speicher zu nutzen.

eMobility

In der eMobilität sieht der Verbund-Chef ein Riesen-Potenzial, denn derzeit gibt es – eCar-Trend und Tesla-Hype hin und her – erst etwa 7500 eCars und Hybrid-Fahrzeuge. Die müssen geladen werden. Das ist einer der Gründe, warum der Verbund gemeinsam mit Siemens das Joint Venture Smatrics gegründet hat, das österreichweit Schnelladestationen errichtet. „Wir wollen aber kein Schnellade-Errichter sein, sondern künftig Speicherungs-Services anbieten, das ist unser Geschäft.“ Anzengruber: „Heute dauert es im Idealfall noch 20 Minuten, bis man wieder 80 Prozent der Batterie geladen hat, aber bald wird das Laden so schnell gehen wie ein Tankvorgang.“ Wichtig seien aber einheitliche Standards. „Wir haben es bis heute noch nicht zusammen gebracht, dass sich bei einem Auto der Tankstutzen auf der gleichen Seite befindet.“ Ich bin überzeugt, dass es in Richtung induktive Ladung gehen wird.

Anzengruber wird künftig auch stärker mit Start-ups zusammenarbeiten, „auf Augenhöhe“, so der Verbund-Chef. Den ersten Startup-Wettbewerb, an dem sich 60 internationale Jungunternehmer beteiligt haben, hat man heuer im Frühjahr durchgeführt, fünf Start-ups wurden prämiert. Es gäbe spannende Energie-Start-ups, von Tado, die ein smartes Thermostat entwickelt haben bis zu eologix, die intelligente Sensoren für Enteisungsanlagen bei Windrädern gebaut haben. Derzeit steht aber noch nicht fest, wie man künftig mit dem Thema Start-up umgehen will – sich an einem Campus/Accelerator zu beteiligen, sei genauso eine Möglichkeit wie mit Investoren zusammen zu arbeiten. Dass es einmal so etwas wie einem „Energie-Uber“ geben könnte, kann sich Anzengruber vorstellen, aber: „Der Strom wird erzeugt und wird transportiert werden müssen. Und daher werden nur die Energieversorger eine Stromgarantie abgeben können.“