Produkte 11.11.2012

Forza Horizon: Rennspaß auf neuem Terrain

Bis dato war die Rennspiel-Serie Forza lediglich das Xbox-Gegenstück zu Gran Turismo auf der PlayStation. Nach vier Teilen wagt Microsoft nun erstmals den Blick über den Tellerrand und spendiert dem Franchise einen Ableger, der ein anderes Publikum erreichen soll.

Fifa gegen Pro Evolution Soccer, Mario gegen Sonic und Dead or Alive gegen Tekken. Seit Jahren gibt es Konkurrenzprodukte bei Games, die von den Fans des jeweiligen Lagers dogmatisch verteidigt werden. Bei Rennspiel-Simulationen wird dieses Duell zwischen Gran Turismo auf der PlayStation und Forza auf der Xbox ausgetragen. Bei beiden handelt es sich um Titel, die viel Wert auf realistische Fahrphysik legen. Wer Rennspaß und einen etwas entspannten Zugang zu Raserei wollte, mied diese Titel jedoch – was Microsoft bei Forza nun umzukehren versucht.

Mit Forza Horizon (Xbox360, USK: 6, PEGI:12, 59 Euro), wurde ein Ableger entwickelt, der eine größere Zielgruppe zufrieden stellen soll. Grundsätzlich sind Vorhaben, die das beste aus mehreren Subgenres zusammenfassen, zum Scheitern verurteilt. Im Fall von Forza Horizon ist das Experiment jedoch geglückt. Die Entwickler haben von überall zusammengeklaut und daraus ein abwechslungsreiches und durchaus anspruchsvolles Rennspiel gemacht.

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©Microsoft

Forza Horizon

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Forza Horizon

Gutes Fahrgefühl
Die Fahrphysik, das Kernstück der Forza-Reihe, wurde zum Großteil beibehalten und nur dezent zurückgeschraubt. Wer die vier vorangegangen Teile kennt, wird sich sofort zu Recht finden. Die Autos verhalten sich korrekt und je nach Bau- und Antriebsart unterschiedlich, es gibt nichts auszusetzen. Die Auswahl an Karossen ist gewohnt riesig (127, exklusive Zusatzpacks), deren optische Umsetzung exzellent. Die Liste der vertretenen Hersteller ist nahezu komplett, bei den großen Namen fehlen nur Porsche, Tesla, Chrysler, Renault oder etwa Volvo. Wobei diese durch Add-Ons nachgereicht werden könnten.

Neu ist, dass man in Horizon nicht mehr auf Rennstrecken Runden dreht, sondern ein US-Bundesstaat als Schauplatz dient. Im grafisch eindrucksvoll gestalteten Colorado findet das Horizon Festival statt, ein Wettbewerb der besten Fahrer der Welt. Dieses Setting ist Geschmacksache, denn das Spiel versucht fast schon zu krampfhaft hip zu sein. Den coolen Slang, den FM4-Soundtrack sowie die Rahmenhandlung kann man aber problemlos ignorieren und einfach nur die Rennen abspulen. Das Straßennetz des landschaftlich sehr abwechslungsreichen Landstrichs dient dabei als Grundlage für diverse Rennmodi und Herausforderungen. Da es sich um eine offene Landschaft handelt, gibt es entsprechend auch zivilen Gegenverkehr.

Erfahrung, Geld und Ruhm
Wie bei Need for Speed nimmt man an Rennen teil, sammelt Erfahrungspunkte und Geld. Mit Ersteren schaltet man nach und nach neue Events frei, mit Letzterem tunt und kauft man Autos. Zusätzlich gibt es noch ein Element, das man von Project Gotham Racing und BurnOut kennt: Für riskante Manöver, Sprünge, Drifts und ähnliches gibt es Punkte, die das Ansehen und den Bekanntheitsgrad steigern.

Die Rennen selbst sind nach Performance-Klasse, Hersteller oder etwa Antriebsart gefiltert. Innerhalb jeder Erfahrungsstufe gibt es immer ein „Feindbild", einen konkurrierenden Fahrer, den es zu schlagen gilt. Spezialereignisse wie etwa ein Rennen mit einem Ford Mustang gegen ein Mustang-Jagdflugzeug oder „illegale" Straßenrennen für Geld runden das Programm ab. Kurz gesagt: Es gibt immer ausreichend neue Veranstaltungen, man fühlt sich jedoch nie überwältigt.

Cruising Colorado
Wie schon bei Test Drive Unlimited kann man die Rennen auch links liegen lassen und einfach durch die Landschaft fahren. Alle Straßen sind von Beginn an offen, es gibt keine Einschränkungen. Allerdings ist das Gelände bei weitem nicht so weitläufig wie in Test Drive, wo eine Inselumrundung schon mal eine Stunde dauern konnte und das Gelände fast maßstabsgetreu nachgebildet waren. Das Durchqueren der Forza-Welt dauert keine halbe Stunde - was einerseits schade ist, andererseits eintöniges Rasen unterbindet. Die Erkundung wird durch Elemente wie versteckte Autos bestärkt. An entlegenen Orten sind so genannte Scheunenfunde, also vergessene Automobiljuwele, geparkt. Weiters gibt es noch etliche Radarkameras, die einladen, persönliche Bestwerte aufzustellen sowie Werbeschilder, deren Zerstörung Rabatte beim Tuning mit sich ziehen.

Schließlich wurde in das Spiel noch eine starke soziale Komponente eingebaut. Bei Radarkameras wird eingeblendet, wie etwa Freunde abgeschnitten haben. Nach jedem Rennen wird angeboten, gegen den Geist eines anderen Xbox-Nutzers anzutreten. Dazu kann man stehen, wie man will. Die Umsetzung selbst ist jedoch recht dezent.

Geld regiert die Straße
Wenn es etwas zu kritisieren gibt, sind es die Hinweise, reales Geld für Spielinhalte auszugeben. Obwohl es sich um ein Vollpreis-Spiel handelt, wird man aufgefordert eine Schatzkarte zu kaufen, die auf Goodies hinweist. Auch beim Autokauf wird permanent eingeblendet, dass man alternativ zu den virtuell erfahrenen Credits auch reales Geld ausgeben kann. Das erinnert an Micro-Payments aus Facebook-Spielen und Smartphone-Apps und hinterlässt einen bitteren Beigeschmack.

Warum zudem für das Springen zwischen Standorten auf der Karte virtuelle Credits verlangt werden, verwundert ebenfalls. Eine gewisse Penetranz haben auch die gesponsorten Events. Diverse Konzerne haben die Patronanz von Herausforderungen übernommen, weshalb das Spiel nicht gerade arm an Firmenlogos, etwa von Oakley oder Bose, ist.

Kurz und knackig
Was ebenfalls auf Kritik stoßen könnte, ist die Kürze der einzelnen Rennen. Es gibt kaum Herausforderungen, die länger als fünf bis zehn Minuten dauern. Zudem sind die Gegner und deren Künstliche Intelligenz etwas zu vorhersehbar. In den Kurven bremsen sie immer viel zu früh und kräftig, liegt man hinten ist ein dezenter „Gummiband"-Effekt nicht zu leugnen. Zudem ist die interne Ökonomie etwas aus dem Lot: Wenn man die diversen Rennhilfen abstellt, sammelt man deutlich zu schnell Geld und Erfahrung, weshalb die Herausforderung insgesamt sinkt.

Wirklich enttäuscht nur der Multiplayer-Modus. Erstens können nur acht Spieler zeitgleich antreten – was dem Open-World-Konzept zuwider läuft. Zudem wären noch weitere Multiplayer-Modi wie etwa Drift-Herausforderungen oder Polizei-Verfolgungsjadgen fein gewesen. Ingesamt wirkt der Mehrspieler-Modus etwas lieblos und läuft Gefahr, monoton zu werden.

Abgesehen davon ist Forza Horizon aber ein exzellentes Rennspiel, das mit prächtiger Grafik und viel Fahrspaß im Einzelspieler-Modus  punktet.

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( futurezone ) Erstellt am 11.11.2012