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08.10.2010

Galileo kommt später und wird teurer als erwartet

Das europäische Satetelliten-Navigationssystem Galileo wird laut einem deutschen Regierungsbericht weit teurer als erwartet und verspätet sich massiv.

Wie die Financial Times Deutschland berichtet wird das europäische Navigationssatellitensystem Galileo zusätzliche finanzielle Mittel von 1,5 - 1,7 Milliarden Euro benötigen und darüber hinaus auch auf längere Sicht Verluste machen. Begründet wird die Kostensteigerungen unter anderem durch enorm gestiegenen Preise der Trägerraketen. Daneben ist das Galileo-Team von 2009 bis 2010 abermals angewachsen: Über 1.600 Personen sind derzeit in dem Programm beschäftigt.

Auch zeitlich wird das ehrgeizige Projekt vermutlich weit später erwartet, als zuerst angenommen. Der Bau der Startrampen für die russischen Sojus-Raketen in Kourou, Französisch-Guyana, dauert länger als vermutet. So werden die ersten Satelliten nicht vor dem dritten Quartal 2011 in die Umlaufbahn geschickt.

10 Jahre Verspätung

Die Fertigstellung wird erst in den Jahren 2017 und 2018 erwartet, d.h. 10 Jahre später als ursprünglich angekündigt. Auch darüber hinaus könnte Galileo "ein dauerhafter Zuschussbetrieb" (SPD-Budget-Politiker Klaus Hagemann) werden. Bei jährlichen Einnahmen von 100 Millionen Euro werden derzeit jährliche Zuschuss-Kosten von 750 Millionen Euro prognostiziert. Die Installation und der Betrieb von Galileo könnten in den kommenden 20 Jahren Gesamtkosten von rund 20 Milliarden Euro verursachen.

Zumindest einen Teilerfolg konnte die Europäische Raumfahrt-Behörde ( ESA) unlängst verbuchen. Am 30. September wurde eine Bodenstation auf der zu Frankreich gehörenden Pazifik-Inselgruppe Neukaledonien eingeweiht.

Alternative zu GPS

Galileo wurde als neues, eigenständiges Navigationssystem neben dem heute gängigen GPS konzipiert, das unter der Federführung des US-Verteidigungsministerium Pentagon steht und zu einem großen Teil auch militärischen Zwecken dient. Das neue System soll eine eigenständige Alternative unter europäischer Hand darstellen, aber dennoch mit GPS verbunden werden können. Galileo soll mit herkömmlichen GPS-Empfängern benutzt werden können. Der erste Satellit des Galileo-Systems, GIOVE-A wurde zu Testzwecken bereits 2005 im Orbit platziert.

Der nächste Satellit, GIOVE-B, folgte 2008. Laut Errichtungs-Plan sollten 2011 vier weitere Satelliten in Position gebracht werde. Damit wäre das Minimum für ein funktionierendes Satelliten-Navigationssystem erreicht. Die vier Satelliten sollten die In-Orbit Validation (IOV) durchführen, eine Art Generalprobe für das engültige System, das aus 30 Satelliten bestehen und ein starkes Empfangs-Signal bis über 75 Grad nördlicher und südlicher Breite liefern sollte. Zum Vergleich: Das Nordkap liegt auf 71 Grad nördlicher Breite.

(Thomas Prenner, David Kotrba)

[[110:side/Galileo: Im vollständigen Ausbauplan besteht das Navigations-System aus 30 Satelliten (GPS verwendet 24 Satelliten), die auf drei Umlaufbahnen in 23.222 Kilometer Höhe gestaffelt angeordnet sind. Sie sollen mit ihren Signalen die gesamte Erde abdecken. Für eine volle Umrundung des Planeten benötigt jeder Satellit 14 Stunden. Ein Satellit pro Umlaufbahn-Staffel soll als Ersatz dienen, sollte einer der arbeitenden Satelliten ausfallen.]]