Googles Baukausten-Smartphone Project Ara

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Project Ara
02/27/2014

Googles Baukasten-Smartphone soll 2015 erscheinen

Aus einzelnen Modulen kann das Wunsch-Smartphone zusammengestellt und verändert werden.Die Gehäuse für die Module sollen aus dem 3D-Drucker kommen.

Als Dave Hakkens im Vorjahr seine Designstudie Phonebloks vorstellte, sagte er von dem Baukasten-Smartphone: „Vielleicht dauert es zehn bis 20 Jahre, aber es ist nicht unmöglich, so ein Gerät zu bauen“. Geht es nach Google, könnte solch ein modulares Smartphone bereits Anfang 2015 in den Handel kommen.

Zwar hat Google Motorola an Lenovo verkauft, sich aber die ATAP-Abteilung (Advanced Technology and Projects) behalten. Diese Forschungsgruppe wird von Regina Duran, der ehemaligen Chefin der US-Armee Forschungsabteilung DARPA, geleitet. Eines der Projekte ist Tango, ein Smartphone mit 3D-Scanner, das erst kürzlich vorgestellt wurde. Mit Ara ist ein Projekt für ein Smartphone in Arbeit, bei dem Module, und damit auch Funktionen, wie Legosteine auf einer Platine platziert werden können.

Der Projektleiter Paul Eremenko, ebenfalls ein ehemaliger DARPA-Mitarbeiter, sagt im Gespräch mit dem Time Magazine, dass das Projekt mehr als nur eine Designstudie ist. In wenigen Wochen soll es bereits funktionsfähige Prototypen geben. Läuft alles nach Plan, könnten die Smartphones und Module ab Anfang 2015 verkauft werden.

Drei Größen

Der derzeitige Plan ist, die Platinen, die das Grundgerüst der modularen Smartphones sind, in drei Größen anzubieten. Je größer die Platine, desto größer das Display und desto mehr Steckplätze für Module sind vorhanden. Fixelemente auf der Platine sind lediglich ein kleiner Notfallakku und ein WLAN-Modul. Der kleine Akku ist nötig, da das Konzept ein Austauschen der Module im laufenden Betrieb vorsieht.

Kamera, Speicher, Prozessor, GPS, Anschlüsse, Slots, normaler Akku, sowie Telefonie- und 4G-Schnittstellen sollen als Module angeboten werden und vom User beliebig auf der Platine platziert werden können.

Das modulare System hat mehrere Vorteile. Ist etwa die Prozessor-Generation überholt, könnte man einfach ein neues CPU-Modul einsetzen. Ist eine Komponente defekt, tauscht man nur das Modul statt das ganze Handy aus. Benötigt man für eine bestimmte Tätigkeit eine möglichst lange Laufzeit, verzichtet man auf das Kameramodul und bringt stattdessen ein größeres Akkumodul an.

Wenn es nach Eremenko geht, sollen die Module nicht nur von ein paar wenigen Herstellern kommen, sondern von zahlreichen kleinen Anbietern. Er könnte sich vorstellen, dass Google tausende Module verschiedenster Hersteller anbieten wird. Mitte April will Google das Konzept interessierten Entwicklern auf einer eigens dafür eingerichteten Konferenz vorstellen und schmackhaft machen.

Kosten

Das Ziel ist, die günstigste Grundplatine für 50 US-Dollar oder weniger verkaufen zu können. Wie viel die Module kosten sollen, hat Eremenko nicht gesagt. Eine weitere Herausforderung sind die Dimensionen des Geräts. Durch die modulare Bauweise wird es dicker als andere Smartphones sein. Der Prototyp wird 9,7 mm dick sein. Das finale Produkt könnte laut Eremenko 10 mm dick sein, um größere Akkumodule unterzubringen.

3D-Druck

Ein Partner des Projekts ist 3D Systems. Mit einem neuen Hochgeschwindigkeits-3D-Drucker sollen individuelle Gehäuse für die Module in Massenproduktion hergestellt werden können. Der Kunde wählt beim Kauf also nicht nur das Modul des jeweiligen Herstellers aus, sondern auch Farbe und Struktur des Gehäuses. So kann jedes Modul von einem anderen Hersteller kommen und das Smartphone sieht trotzdem wie aus einem Guss aus. Oder man wählt ganz verschiedene Designs und lässt die Rückseite des modularen Handys wie einen Fleckerlteppich aussehen.