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Consumer Electronics Show

Hands-On: Die wichtigsten Tablets der CES

Die Consumer Electronics Show stand dieses Jahr ganz im Zeichen der Flachbauweise. Flat-TVs werden smart, Microsofts Touchscreen-Tisch Surface hat eine Schlankheitskur unternommen und Tablets waren allgegenwertig. Neben offensichtlichen Nieten, wie die zahlreichen Tablet-PCs diverser, chinesischer Hersteller, sind auch die Produkte namhafter Elektronik-Produzenten nicht wirklich optimal. Um zu sehen, welche Tablets Chancen auf dem Markt haben könnten und welche höchstwahrscheinlich Ladenhüter werden, hat die FUTUREZONE die Geräte vor Ort ausprobiert.

Asus Eee Tab MeMO


Mit dem EeePC hat Asus das Netbook salonfähig gemacht. Um den Tablet-Markt zu beherrschen, ist es etwas zu spät, was der taiwanesische Hersteller versucht mit Masse wegzumachen. Das erste von den vier vorgestellten Geräten ist das MeMO. Das Display misst 7 Zoll, wie beim Samsung Galaxy Tab, und hat eine Auflösung von 1024 x 600 Pixel. Trotz derselben Displaygröße wiegt das MeMO deutlich weniger und liegt dadurch auch besser in der Hand. Als Betriebssystem wird in der finalen Variante Android 3.0 eingesetzt - das Vorführmodell nutzte noch Android 2.2.


Unter den Softouch-Tasten ist eine silberne Leiste eingezogen, weshalb das MeMO, zumindest wenn es im Hochformat hält, entfernt an einen Notizblock erinnert. In der silbernen Leiste ist der Stylus untergebracht, der druckempfindlich ist. Wird fester aufgedrückt, entsteht im Malprogramm eine dickere Linie. Für handschriftliche Notizen und Skizzen ist der Stylus durchaus brauchbar, die Präzision eines Grafiktabletts kann aber nicht erreicht werden. Das liegt unter anderem daran, dass die Spitze des Stylus recht dick ist und aus weichem Gummi besteht, der beim Bewegen über das Display leicht nachzieht. Zum Start wir das MeMO zwei Apps enthalten, ein Mal- und ein Notizprogramm, die speziell für die Bedienung mit dem Stylus gedacht sind. Für die asiatischen Märkte sind zudem Apps zur Schriftzeichen-Erkennung angedacht. Das soll auch für den wirtschaftlichen Erfolg sorgen: Asus möchte es mobilen Nutzern in Asien leichter machen, per Schriftzeichen zu kommunizieren.

Asus Eee Tab Slider


Das Slider wird ebenfalls Android 3.0 nutzen. Das 10-Zoll-Display hat eine Auflösung von 1280 x 800 Pixel. Unter dem Bildschirm kann eine Tastatur hervorgeschoben werden. Der Mechanismus funktionierte noch recht streng beim gezeigten Vorserien-Modell und erforderte Einiges an Kraft. Durch die Tastatur ist das Slider unverhältnismäßig dick und schwer für ein Tablet. Im Hochformat ist es nicht bequem zu halten und auch im Querformat ist ein längeres Halten nur schwer möglich.

Die Tastatur ist gestaucht, das Tippen funktioniert dennoch einigermaßen gut, da Abstände zwischen den Tasten sind. Ein Touch-Panel, wie man es von Notebooks kennt, gibt es nicht. Als echtes Tablet macht das Slider aufgrund von Größe und Gewicht keinen Sinn - es ist vielmehr ein "Netbook with Benefits", also ein Netbook mit Touchscreen-Bonus.

Asus Eee Tab Transformer


Das Transformer besteht aus zwei Komponenten: einem 10-Zoll-Tablet und einer optionalen Tastatur-Docking-Station. Das Tablet ist trotz des größeren Displays genauso schwer (680 Gramm) und dünn (13mm) wie das Apple iPad. Es liegt gut in der Hand, wenn auch das matte Plastik-Gehäuse rund um den schwarz-glänzenden Display-Rand optisch etwas eigenwillig ist. Der Grund hierfür: Die ansteckbare Tastatur-Docking-Station nutzt dasselbe matte Plastik. Steckt das Tablet an der Station, sieht es wie aus einem Guss aus. Die Tastatur ist großzügiger dimensioniert als beim Slider, zudem ist ein Touchpad vorhanden. Die Station enthält einen zusätzlichen Akku, der das Tablet auflädt. Sind die Akkus beider Geräte voll, soll die Laufzeit bis zu 16 Stunden betragen.

Das Transformer macht deutlich mehr Sinn als das Slider. Will man unterhalten werden, reicht das Tablet, hat man vor mobil zu arbeiten, wird die Station angesteckt und das Transformer so zu einem fast vollwertigen Netbook. Fast, weil als Betriebssystem Android 3.0 eingesetzt wird, während die meisten, echten Netbooks auf Windows 7 setzen.

Asus Eee Slate


Das Slate nutzt als einziges der vier von Asus angekündigten Tablets Windows 7. Dementsprechend wenig geeignet ist es für die Bedienung mit den Fingern auf dem Touchscreen. Das Display reagiert schlechter auf Touch-Eingaben und die Bedienflächen sind zu klein, um sie problemlos mit den Fingern auszuwählen. Da es sich bei dem Slate im Grunde um ein 12-Zoll-Touchscreen-Notebook ohne Tastatur handelt, ist es dementsprechend schwer (1,16 kg) und unhandlich. Kunden, die ein überdimensioniertes Tablet oder halbes Notebook benötigen, können das Slate noch diesen Monat für einen Preis ab 1000 US-Dollar erwerben.

BlackBerry Playbook
Das Playbook hat nur wenig gemein mit anderen BlackBerry-Geräten: es sieht gut aus, ist schnell und löst nach dem ersten Benutzen einen Kaufwunsch aus. Das 7-Zoll-Tablet basiert auf einem eigenen Betriebssystem namens QNX und unterstützt echtes Multitasking. Während ein MP3-Song abgespielt und eine App heruntergeladen wird, spielt man den First-Person-Shooter Quake III in Echtzeit, um sich die Zeit zu vertreiben, bis eine aufwendige HTML5-Webseite vollständig geladen ist. Das alles passiert ohne Verzögerung und auch das Wechseln zwischen den Anwendungen funktioniert blitzschnell.


An der schwarzen Gehäusefront befindet sich keine einzige Taste, was dem Playbook eine gewisse Eleganz verleiht. Um das Hauptmenü aufzurufen, wird mit dem Finger einfach eine Wischbewegung vom unteren Rand nach oben gemacht. Die virtuelle Tastatur wird aufgerufen, wenn vom links unteren Eck Richtung rechts oben gewischt wird. Auch die laufenden Anwendungen, die in Echtzeit-Vorschaufenstern gezeigt werden, lassen sich durch eine Wischbewegung von unten nach oben schließen.

Das BlackBerry Playbook ist eines der wenigen Tablets auf der CES, die diese Bezeichnung auch verdienen. Gewicht und Handhabung der Hardware sind gut, die Menüführung ist simpel und verständlich, und das Gerät ist so schnell, dass das Wechseln zwischen den Anwendungen eine wahre Freude ist. Allerdings hat auch das Playbook zwei Nachteile: Erstens, 7 Zoll sind für manche Nutzer zu wenig - speziell wenn man HD-Videos wiedergibt oder Games spielt. Zweitens ist die QNX-Plattform derzeit kaum vertreten. Zwar laufen darauf Adobe-Air-Anwendungen, von einer App-Vielfalt wie bei iPad oder Android ist man aber sehr weit entfernt.

Illuminus T9


Ein Beispiel für die etwa 50 Tablets diverser asiatischer Hersteller, die es hierzulande wahrscheinlich nicht einmal in die Läden schaffen werden, ist das Illuminus T9. Das Design ist ganz offensichtlich dem iPad nachempfunden, auch die Aluminium-Rückseite erinnert an das Apple-Tablet. Dementsprechend vertraut liegt das 8,9-Zoll-Tablet (1280×768 Pixel) in Händen. Zum Verkaufsstart im Sommer (ab 500 US-Dollar) soll das T9 noch eine Rück- und Frontkamera bekommen. Als Betriebssystem dient Android 2.2, ein Update auf 2.3 wird laut dem koreanischen Hersteller möglich sein. Die Geschwindigkeit beim Surfen durch die Menüs war ungenügend, was daran liegen könnte, dass das T9 im Vergleich zu vielen anderen Tablet-Neuankündigungen keinen Dual-Core-Prozessor hat.

Panasonic Viera Tablet


Ebenfalls schlechte Chancen sich gegen iPad und Co zu behaupten hat das Viera Tablet von Panasonic. Vorab zur Verteidigung: Die Tablets sind laut des Herstellers eher als Fernbedienung und um Zusatz-Informationen zum Fernsehprogramm anzuzeigen, anstatt als Multimedia-Unterhaltungsmaschine gedacht.

Die Tablets gibt es in den Größen vier, sieben und zehn Zoll, wobei nur die 7-Zoll-Variante einigermaßen gut in der Hand liegt. Die 4-Zoll-Version macht kaum Sinn, da diese kaum größer als ein durchschnittliches Smartphone ist. Die Auflösungen der Displays waren bei der Vier- und Sieben-Zoll-Variante ungenügend, Videos und Bilder sahen verpixelt aus. Der Start eines Videos oder das Wechseln einer Anwendung dauerten auch länger, als man es von iPad oder Galaxy Tab gewohnt ist.


Die Verknüpfung mit dem Flat-TV konnte noch nicht getestet werden. Zukünftig soll es möglich sein, sendebegleitende Inhalte oder das Programm eines anderen Senders als Vorschau anzeigen zu lassen. Die Zusatzinhalte werden wohl auch abhängig von den Kooperationen sein, die Panasonic mit den TV-Sendern schließt - ob es solche auch im deutschsprachigen Raum geben wird, ist noch nicht bekannt.

Als Betriebssystem wird Android 2.2 verwendet, eine Anbindung zum Android Market gibt es nicht. Stattdessen wird Panasonic einen eigenen Market anbieten, der speziell für das Tablet zugeschnittene Apps enthält. Eine weite Verbreitung werden die Viera Tablets wohl nur dann finden, wenn Panasonic diese kostenlos den Flat-TVs beilegt.

Sharp Galapagos


Auch Sharps Strategie mit dem Galapagos scheint nicht ganz klar zu sein. Die Tablets wurden in den Größen 5,5 und 10,8 Zoll vorgestellt und sollen eher als Farb-eReader, anstatt Multimedia-Tablet dienen. Den Eindruck vermittelt zumindest der starke Fokus auf eBooks und eComics der Geräte, die auf der CES gezeigt wurden. Das 10,8-Zoll-Tablet ist durch das 16:9-Format allerdings extrem unhandlich. Im Hochformat ist es kaum möglich, es bequem zu halten. Das 5,5-Zoll-Galapagos macht als eBook-Reader im Taschenbuch-Format etwas mehr Sinn.

Derzeit läuft Galapagos auf einem Linux-System, bei dem Erscheinen im zweiten Quartal in den USA sollen die Tablets auf Android laufen. Ähnlich wie Panasonic hat auch Sharp eine Verknüpfung zum Flat-TV angedacht. Per WLAN ist es möglich, Videos oder Musik die man auf dem Tablet gestartet hat, auf einem Sharp Flat-TV fortzusetzen.

Samsung 7 Series Laptop


Wie auch beim Asus Eee Tab Slider ist Samsungs Gerät eine Mischung aus Netbook und Tablet. Die Tastatur ist unter dem 10-Zoll-Touchscreen hervorschiebbar. Im Gegensatz zum Asus Slider ist diese größer ausgefallen und hat auch ein Touchpad als Maus-Ersatz. Durch die größere Tastatur wirkt der Slider-Mechanismus aber auch deutlich fragiler. Laut dem Samsung-Promoter am Messe-Stand musste deshalb schon eines der Vorführ-Geräte entfernt werden, da ein Besucher den Schiebe-Mechanismus kaputt gemacht hat. Die Hardware ist allerdings noch nicht die des Serien-Produkts - bis zum Marktstart soll der Mechanismus noch verbessert werden. Ebenfalls verbesserungswürdig sind die Tasten des Keyboards: Diese sind noch etwas schwammig.


Der 7-Series-Laptop ist ähnlich dick wie der Asus Slider, liegt aber eine Spur besser in der Hand. Obwohl das Display eine theoretisch höhere Auflösung von 1366x768 Pixel hat, wirkte das Bild leicht griselig - auch das kann am Vorserienmodell liegen. Als Betriebssystem ist Windows 7 installiert. Dadurch kommt zwar kein echtes Tablet-Feeling auf (was auch an dem Gewicht von fast einem Kilogramm liegt), macht das Netbook aber auch als solches wirklich nutzbar.

Motorola & Qualcomm


Zwei interessante Tablets, die aber noch nicht bedienbar waren, sondern nur im Demo-Betrieb liefen, kommen von Qualcomm und Motorola. Das Qualcomm Mirasol setzt auf eine neue eInk-Technik, die ohne Probleme im Sonnenlicht lesbar sein und Farbe sowie Videos mit 30 Bildern pro Sekunde darstellen lassen soll. Und das Ganze noch mit relativ wenig Energieverbrauch. Anhand des Videos, das auf dem ausgestellten Prototypen lief, war der größte Nachteil zu sehen: Die Farben sind sehr blass und das Bild kontrastarm. Das ist zwar gut für E-Books, ein Film wird so aber nur wenig Freude bereiten. Zumindest der Formfaktor konnte überzeugen: Das 5,7-Zoll-Tablet ist sehr leicht und hat eine angenehme Taschenbuch-Größe. Sollte das Gerät wirklich im Laufe des Jahres erscheinen (es wurde bereits auf der vergangenen CES gezeigt und hätte 2010 erscheinen sollen), wäre es ein Konkurrent für Amazons Kindle.


Das Xoom von Motorola war das einzige Tablet auf der CES, das bereits eine Vorversion von Android 3.0 installiert hatte. Wahrscheinlich wollten die Motorola-Mitarbeiter das 10-Zoll-Tablet deshalb nicht aus der Hand geben und zeigten nur ein selbstlaufendes Demo. Viel gibt es deshalb leider noch nicht dazu zu sagen: Es hat eine 5-Megapixel-Kamera mit Dual-LED Blitz, eine Front-Kamera und einen MicroUSB und Micro-HDMI-Anschluss an der Unterseite. Ähnlich wie beim BlackBerry Playbook gibt es keine Tasten an der Gehäuse-Front. Das Xoom soll im ersten Quartal in den USA exklusiv beim US-Mobilfunker Verizon escheinen - im zweiten Quartal soll es ein Update für 4G-Netze (HSPA+) erhalten. Wann und ob es das Xoom überhaupt nach Österreich schafft, ist noch nicht bekannt.

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