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07.01.2017

Helfende Roboter als süße Stolperfallen

Die auf der CES vorgestellten mechanischen Helfer patrouillieren die Wohnung, erinnern an das Nehmen von Medikamenten und sind zu gefährlich für die Hauptmesse.

Die Technikmesse CES in Las Vegas kann ziemlich chaotisch wirken. Unmengen von Menschen drängen sich durch die schmalen Gänge der Hallen.Flankiert werden sie von Ausstellerständen, die vom 1050PS-starken, selbstfahrenden Auto über Anti-Schnarch-Betten bis zur smarten Muttermilchpumpe so ziemlich alles anpreisen, was mit Strom funktioniert.

Trotzdem gibt es eine strikte Ordnung. Die Nordhalle gehört fast ausschließlich den Fahrzeugherstellern, das Erdgeschoß der Halle Süd ist dieses Jahr für Drohnen und Virtual Reality reserviert. Doch ein Trendthema fehlt: Roboter. Diese wurden in einen Nebenveranstaltungsort verbannt, etwa 30 Gehminuten von der Hauptmesse entfernt. Auf die Frage warum das so ist, antwortet ein Mitarbeiter des CES-Teams: „Hast du nicht Terminator gesehen? Roboter sind gefährlich.“

Auch wenn das als Scherz gemeint war, steckt ein wenig Wahrheit darin. Die Roboterentwicklung der vergangenen Jahre war von menschenähnlichen, großen, industriellen Designs geprägt, die eher einschüchternd als hilfsbereit wirkten. Und selbst auf freundlich getrimmte Roboter lösten bei manchen Menschen Unbehagen aus. Der etwa ein Meter großePepper, der ua. In Krankenhäusern erprobt wird, mutet durch seine gestreckte Form und den großen Kulleraugen wie ein hinterlistiger Alien an.

Niedliche Roboter

Damit Roboter von den Kunden angenommen werden, müssen sie aber nett aussehen – oder zumindest so, dass sie keine Angstgefühle auslösen, wenn sie langsam aber stetig durch das Haus rollen. Das haben jetzt mehrere Hersteller erkannt und setzen auf abstraktes statt humanoides Design und kleinere Größen. Das Ergebnis: Niedlich und gar nicht mehr bedrohlich.

Einer dieser auf der CES gezeigten Roboter ist Kuri (etwa 700 Euro, noch nicht erhältlich). Er ist etwa 50 cm groß und kann selbstständig durch das Haus rollen. Per Kamera und Gesichtserkennung begrüßt er bekannte Personen freundlich und kann Alarm schlagen oder den Besitzer per App benachrichtigen, wenn er Fremde im Haus sieht. Hört Kuri laute, ungewöhnliche Geräusche, fährt er nachschauen, was los ist. Kuri reagiert auf Sprachbefehle und Berührungen. Seine Emotionen werden durch Kopfbewegungen, Licht und Augenlider ausgedrückt. Damit das lebensecht, freundlich aber eben nicht gruselig pseudo-menschlich wirkt, haben die Entwickler mit früheren Mitarbeitern des Animationfilmstudios Pixar zusammengearbeitet.

Hub Robot

DerHub Robotvon LG drückt seine Emotionen anhand von Augen aus, die auf seinem Display angezeigt werden. Er ist stationär, kann sich aber zu der Person drehen, die mit ihm spricht. Für die Erkennung von Befehlen wird Amazons Sprachassistent Alexa genutzt. Der Hub Robot kann so etwa Musik abspielen und Befehle ans smarte Zuhause weitergeben, um das Licht aus- oder die Klimaanlage einzuschalten.
DerAsus Zenboist eine Mischung auf Kuri und Hub Robot. Er kann rollen, Smart-Home-Geräte steuern und wird von Asus als für ältere Menschen geeignetbeworben. So kann er auf Sprachbefehl Notfallkontakte anrufen und an das Nehmen von Medikamenten erinnern. Wie auch Kuri soll Zenbo vom Verhalten der Bewohner im Haus lernen und so auf deren Vorlieben eingehen können.
Der immobile TischroboterOlly, der wie ein schwarzer Ring aussieht, soll laut seinen Entwicklern sogar einen Schritt weiter gehen. Sein Verhalten soll sich an dem der Nutzer anpassen. Spricht man viel und gerne mit Olly, wird Olly ausführlich und fröhlich antworten. Ist der Nutzer ein Smalltalk-Muffel, wird sich auch Olly auf das Wesentliche beschränken.

Keine Killer-Roboter

Gefahr scheint von diesen mechanischen Helfern nicht auszugehen, da ihnen wichtige Merkmale von typischen Film-Killer-Robotern fehlen: Arme und Beine. Vorsichtig sollten künftige Roboter-Besitzer trotzdem sein: Aufgrund ihrer geringen Größe können Kuri und Zenbo schon Mal übersehen und so zu rollenden Stolperfallen werden.