JoWooD im freien Fall

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JoWooD im freien Fall
11/10/2010

JoWooD im freien Fall

Verlorene Millionen, verlorene Entwickler, verlorene Fans und vergebene Chancen: Die Verluste von JoWooD kommen nicht aus heiterem Himmel. Technisch lassen die Titel des österreichischen Spiele-Vertreibers schon länger zu wünschen übrig.

Über 20 Millionen Euro Verlust, Wechsel in der Führungsebene und mäßigen Erfolg beim Spiele-Absatz: Der österreichische Publisher JoWooD scheint wieder einmal kurz vor dem Ende zu stehen. Wenn auch die aktuellen Berichte der Führungsriege noch immer Hoffnung auf mehr machen sollen, sieht man weder durch Ergebnisse noch durch die aktuellen Spiele-Titel Licht am Ende des Tunnels.

Der Beginn: Vielversprechend und wechselhaft.

Aller Anfang war natürlich auch für JoWooD schwer. Anfangs programmierte das Unternehmen noch sehr erfolgreich die //Giganten//-Reihe selbst. Dazu gehörten Spiele wie //Der Industriegigant// und //Der Hotelgigant//. Robuste Wirtschafssimulationen mit gewissem Süchtigkeitswert. Danach verlegte JoWooD seine Interessen eher in die Veröffentlichung von Spiele-Titeln. Zu Beginn des Jahrzehnts brachte das Unternehmen Spiele wie //Cultures// (eine mittelalterliches Aufbaustrategiespiel in Stil der Siedler-Reihe), //Aquanox// (ein Tiefsee-Shooter mit inhaltlichem Tiefgang) und die ersten beiden Teile der //Gothic//-Reihe heraus. Auch //Arx Fatalis//, ein Rollenspiel in Ego-Shooter-Manier veröffentlichte das Unternehmen.

Nach //Gothic 2// folgte die //Spellforce//-Reihe, die sich auch einiger Beliebtheit erfreute. Besonders der zweite Teil der Reihe konnte Spieler und Kritiker begeistern. Nicht so //die Gilde//-Serie. Zwar bediente auch diese ein treues Publikum an Aufbaustrategen, die Titel gerieten aufgrund ihrer schlechten Fertigstellung scharf in die Kritik. In den letzten Jahren folgte dann der letzte Teil der //Gothic//-Reihe, der den Namen ohne weiteren Titel tragen durfte. //Gothic 3// war zwar inhaltlich ein großartiges Spiel, technisch hatte es allerdings einige Mängel vorzuweisen.

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Gute Spiele-Titel, schlechte Umsetzung

An sich brachte der Spiele-Publisher JoWooD in den letzten Jahren weder schlechte noch unbekannte Spiele-Titel auf den Markt. Eine der wichtigsten Produktionen war die //Gothic//-Reihe. Der letzte Teil , //Gothic 3//, verkaufte sich laut der Spiele-Zeitschrift //PCGames// bis zu 350.000 Mal weltweit. Ein Rekord, den JoWooD mit dem im Oktober erschienenen aktuellen Nachfolger, //Arcania-Gothic 4//, übertreffen möchte. In einem Interview mit //Boerseexpress.com// gab Franz Rossler, Geschäftsführer von JoWooD, bekannt, dass 28.000 Aktivierungen für den Kopierschutz des Spiels eingegangen sind. Er verbuche das als Erfolg. Fans schienen den vierten Teil der Reihe aber nicht unbedingt aufzunehmen. Ein Grund dafür ist, dass manche Fans der Serie diesen vierten Teil gar nicht als wirklichen //Gothic//-Nachfolger anerkennen.

Der Fall Gothic

Hier tut sich auch schon eines der größten Probleme auf, die JoWooD in den letzten Jahren hatte. Mitten im Release-Prozess des 2006 erschienen //Gothic 3//-Spiels, kamen Gerüchte über interne Probleme zwischen dem Entwicklungsstudio // Piranha Bytes // und dem Vertreiber JoWooD auf. Der Zeitpunkt hätte nicht schlechter gewählt sein können. Das gerade erschienene Spiel wies eklatante Mängel auf, die bis zur Unspielbarkeit bei manchen Systemen führten.

[[349:body /Das Entwicklerstudio von //Gothic 1-3// //Piranha Bytes// trennte sich von JoWooD]]

Der Support lief nur schleppend. Die ersten Patches kamen zwar noch aus dem Entwicklerstudio, dann aber unterbrach Entwickler Piranha Bytes den Support. Die internen Querelen mit dem Publisher nahmen überhand. Die Community musste sich selbst helfen und entwickelte einen eigenen Patch, der das Spiel nicht nur endgültig stabilisierte, sonder auch noch Schnitzer aus dem Hauptprogramm entfernte. Auch bei anderen Spielen versagte die Qualitätskontrolle von JoWood kläglich. Die Spielereihe //Die Gilde// wies ebenfalls extreme Mängel auf. Der zweite Teil der Reihe war in der Erscheinungsversion praktisch nicht spielbar. Auch hier wurde der Support von JoWood von Kritikern und Spielern bemängelt.

Der endgültige Bruch mit Piranha Bytes kam 2007. Drei Jahre nach //Gothic 3// brachte //Piranha Bytes// unter dem Schirm der Entwicklungsfirma //Deep Silver// das Spiel //Risen// heraus, das in vielerlei Hinsicht den Gothic-Spielen ähnelte. Auch andere Entwickler verließen JoWood und brachten sehr erfolgreiche Spiele für konkurrierende Publisher heraus. Der Entwickler von //Spellforce// programmierte für //EA-Games// den Titel //Battleforge//, //Arkane Studios// produzierten einen Nachfolger von //Arx Fatalis// für den französischen Publisher //Ubisoft//. Andere Entwicklerstudios, die für JoWood arbeiteten, mussten trotz erfolgreicher Titel die Pforten schließen.

[[348:body /Hoffunungsträger für JoWooD: //Arcania: Gothic4//]]

Titel ohne Entwickler

Somit hat JoWood mehr Probleme als die schlechte Marktlage, die auch bei anderen Unternehmen in der Branche für schlechte Absätze sorgt. Die Fan-Basis hat der österreichische Publisher durch unzureichenden Support zum großen Teil verloren und die erfolgreichsten Entwicklungsstudios wechselten zu anderen Publishern oder mussten aufgelöst werden.

In seinem letzten Bericht wollte JoWood die Aktionäre damit beruhigen, dass die Qualität der Spiele sich eindeutig verbessern sollte. Die Hoffnung wurde auf den offiziellen Nachfolger von //Gothic//, //Arcania:Gothic4//, gesetzt. //Arcania// kam dann auch quasi fehlerfrei auf den Markt, inhaltlich konnte das Spiel aber nicht an die Gothic-Reihe anknüpfen. Ob das Spiel sich so auf dem Markt durchsetzen kann, wird der nächste Quartalsbericht zeigen.

Mehr zum Thema: JoWooD erleidet Millionenverlust

(Nardo Vogt)

!Links:

Boerseexpress.comJoWooD Aktionärsbericht Q1 2010Service-Stop bei JoWooDTrennung von Piranha Bytes und JoWooD

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