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07.10.2010

Neuer Anlauf für Webzugang per Satellit

Ein neuer Satellit soll den Internetzugang aus dem All salonfähig machen. Wenn alles so läuft wie geplant, könnten die Daten über Satellit bald ähnlich schnell und günstig fließen wie über einen DSL-Anschluss.

Wer abgeschieden auf dem Land wohnt, bemühte sich bislang selbst in Österreich oft vergeblich um eine schnelle und gleichzeitig erschwingliche Internetverbindung. In wenigen Monaten könnte ein neuer Satellit Abhilfe schaffen. Das Hightech-Gerät mit dem schlichten Namen Ka-Sat gilt als weltweit leistungsstärkstes seiner Bauart. Mit einer Kapazität von bis zu 40 herkömmlichen TV-Satelliten kann es in Europa zwei Millionen Menschen ein schnellen Zugang zum Datennetz bieten. Allein in Deutschland hofft der Satellitenbetreiber Eutelsat auf 200 000 Kunden. In Österreich und Deutschland gibt es immer noch zahlreiche Haushalte im ländlichen Raum, die keinen schnellen Zugang zum Internet bekommen. Eutelsat tritt mit dem Angebot in direkte Konkurrenz zu Telekom-Konzernen, die die Lücken auf der DSL-Landkarte mit dem nächsten Mobilfunk-Standard LTE füllen wollen.

Startvorbereitungen
Im französischen Toulouse laufen derzeit die letzten Vorbereitungen für den Weltraumstart des 350 Millionen Euro teuren Projekts. Auf dem Gelände des Weltraumkonzerns EADS Astrium machen die Ingenieure die letzten Tests, bevor der 5,8 Tonnen schwere Satellit Ende November zum Weltraumbahnhof Baikonur nach Kasachstan geschickt wird. "Es ist einer der komplexesten und größten Satelliten, die wir je gebaut haben", sagt der zuständige Astrium- Manager Aziz Bouhia. Rund 30 Prozent des Satelliten ist "Made in Germany". Unter anderem Astrium-Ableger in Ottobrunn bei München, Lampoldshausen und Bremen haben zugeliefert.

Den Quantensprung im Vergleich zum derzeitigen Internet per Satellit soll vor allem eine bessere Verteilung der Datenströme ermöglichen. Statt wie bisher auch die von einem einzigen Internetnutzer angeforderten Informationen über ganz Europa abzustrahlen, wird sich Ka-Sat auf kreisrunde Gebiete mit einem Durchmesser von 250 Kilometern beschränken. Von diesen gibt es jedoch 82, so dass trotzdem ganz Europa und sogar Teile Nordafrikas abgedeckt werden. Die Multispot-Technik ist auch für regionale TV- Sender interessant, für die es bislang Kapazitätsverschwendung war, über Satellit ausgestrahlt zu werden.

Unterversorgung
Hauptzielgruppe sind allerdings mit Breitbandverbindungen unter- oder sogar unversorgten Gebiete. "Rund 13 Millionen Haushalte in Europa bekommen über herkömmliche terrestrische Technik derzeit keinen schnellen Zugang zum Internet", verdeutlicht der für das Projekt zuständige Eutelsat-Direktor Jean-François Fremaux.
Das deutsche Bundeswirtschaftsministerium schätzt, dass Anfang kommenden Jahres noch 1,5 Prozent der deutschen Haushalte eine nur schlechte Internetverbindung haben werden. Als ausreichend schnell gilt allerdings bereits eine Verbindung mit einer Datenübertragungsrate von einem Megabit pro Sekunde. Ka-Sat soll dem Internetnutzer Download-Raten von 10 Megabit pro Sekunde und Upload- Geschwindigkeiten bis vier Megabit pro Sekunde ermöglichen.

Konkurrenz
Eutelsat-Konkurrent Astra verfolgt das Projekt gespannt, plant aber vorerst keinen reinen Ka-Band-Satelliten. "Wir wollen flexibel bleiben und gehen schrittweise vor", heißt es von dem Unternehmen mit Sitz in Luxemburg. Experten weisen darauf hin, dass niemand weiß, ob es nicht bald schon noch günstigere Möglichkeiten geben wird, auch in abgelegenen Gebieten schnelles Internet anzubieten.
Die Kosten für das neue Satelliten-Internet werden nach Angaben von Eutelsat in etwa denen eines normalen DSL-Anschlusses entsprechen. Hinzu kommen der Anschaffungspreis für die Schüssel und die Technik, der ohne Fördermittel vermutlich zwischen 300 und 400 Euro liegen wird.

(dpa)