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29.12.2013

Nikon Df im Test: Retro-Charme im Vollformat

Nikons neue Spiegelreflexkamera Df hat den Vollformat-Sensor des Profimodells D4, den Sucher der D800, den Autofokus der D600 und das Design der analogen SLR-Kamera FM2.

Der Vollformat-Wahn treibt seltsame Blüten. Nicht, dass Kameras mit größeren Sensoren nicht zu begrüßen wären, aber in den vergangenen Jahren ist ein regelrechter Hype entstanden. Canon hat mit der 1 D C ein Modell, das speziell zum Aufnehmen von 4K-Videos gedacht ist. Leica hat seine Digital Rangefinder Kameras der M-Serie mit zwei Geräten aufgefrischt und Sony hat die erste System- und kompakte Digitalkamera mit Vollformat-Sensor veröffentlicht.

Nikon Df Bilderstrecke

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Auch Nikon war nicht untätig: Seit dem Jahr 2012 hat das japanische Unternehmen sechs DSLRs mit Vollformat-Sensor veröffentlicht. Die jüngste davon ist die, die am ältesten aussieht: die Nikon Df. Die futurezone hat die Vollformat-DSLR getestet.

Design

Der Retro-Look der Df ist auf dem ersten Blick gut gelungen. Kunstleder ziert das Gehäuse und schwarzer Glanz die silberne Knöpfe an der Front. Sogar der Nikon-Schriftzug entspricht dem, der auf den 30 Jahre alten Analog-Kameras zu finden ist.

Dennoch ist es nicht ganz stimmig. Das Design orientiert sich an den analogen SLRs von Nikons FM- und FE-Reihe. Die Df ist aber höher und dicker als die klassischen Vorbilder und wirkt dadurch verformt. Die dichte Belegung mit Bedienelementen lässt die Df wiederum zusammengestaucht wirken – das kleinere Original musste weniger Räder, Hebel und Displays unterbringen.

Handhabung

Für den kompakten Retro-Look muss man auf etwas Komfort verzichten. Den hervorragenden, gummierten Nikon-Griff der D600 und D800 gibt es nicht. Zwar ist die Df nicht unangenehm zu halten, durch ihren kleinen Griff rutscht aber der kleine Finger der rechten Hand gerne mal unter die Kamera.

Auch fühlt sich die Df ungewöhnlich schwer an, obwohl sie mit 765 Gramm die leichteste Nikon-Vollformat-DSLR ist.

Bedienelemente

Ein Highlight der Df sind die vielen Bedienelemente. Alleine an der Front gibt es die Bracketing-Taste, den Schalter samt Knopf für den Autofokus, zwei belegbare Tasten, wovon eine üblicherweise die Abblendtaste ist, und ein Drehrad. Das Drehrad ist, im Gegensatz zu anderen Nikon-DSLRs, nicht horizontal aus dem Gehäuse ragend, sondern vertikal außen am Gehäuse angebracht. Das ist ungewohnt und auch nicht optimal positioniert: Wenn man eine Kameraschlaufe verwendet, ist diese etwas im Weg.

An der Oberseite ist ein wahre Räder-Orgie. Links sind die Belichtungskorrektur und der ISO-Wert, rechts ist das Rad für die Verschlusszeit, den Auslöse-Modus, der Ein/Ausschalter, der Auslöser mit Gewinde für einen Drahtauslöser und das Moduswahlrad, das zum Verstellen hochgezogen und dann gedreht wird.

Damit das obere Display den Retro-Look nicht gänzlich stört, wurde es verkleinert. Es bietet aber noch genug Platz um Akkuladung, verfügbare Aufnahmen, Blende und Verschluss anzuzeigen.

An der Rückseite befinden sich die üblichen DSLR-Bedienelemente. Die AE- und AF-On-Tasten ragen erhoben aus dem Gehäuse-Oberteil. Die rückseitigen Tasten und das Einstellrad sind gut zu erreichen.

Ausstattung

Die Df borgt sich die Einzelteile von anderen Nikon-DSLRs. Der 16-Megapixel-Vollformatsensor stammt von der D4, der sehr gute Sucher von der D800. Das Autofokus-System wiederrum von der günstigeren Vollformat-DSLR D600. Der Autofokus ist schnell und präzise, es sind aber nur 39 Messpunkte statt 51 wie bei der D800.

Die Df verzichtet auf einen internen Blitz, ebenso wie auf einen Dual-SD-Slot und ein Autofokus-Hilfslicht. Ein Live-View-Modus ist vorhanden, aber kein Videomodus. Auf die Nachfrage, warum das so ist, vermutete ein Nikon-Mitarbeiter, dass die Designer keine Mikrofon-Löcher in das Retro-Gehäuse bohren wollten. Dafür gibt es aber einen HDMI-Anschluss und Nikons eigenen USB-Anschluss, den man sonst nur bei kompakten Digitalkameras und günstigen DSLRs des japanischen Herstellers findet.

Um die Df noch ein bißchen mehr Retro zu machen, können analoge Nikon-Objektive mit F-Bajonett montiert werden. Ein zusätzlicher Adapter ist nicht nötig – am Bajonett-Verschluss der Df wird lediglich ein Schnapperl hochgeklappt. Die Blende muss manuell in der Kamera mit der am Objektiv gewählten Blende abgestimmt werden.

Entgegen dem derzeitigen Trend verzichtet die Df nicht auf einen optischen Tiefpassfilter, was für einige sicher ein Kaufgrund gewesen wäre – vor allem, da Nikons günstigste DSLR ohne Tiefpassfilter, die D800E, derzeit noch über 3.100 Euro kostet.

Preis

Mit einem empfohlenen Verkaufspreis von 3.000 Euro ist die Nikon Df kein Schnäppchen. Die Vollformatkameras Nikon D610 gibt es bereits ab 1.650 Euro, die D800 ab 2.100 Euro. Im Preis enthalten ist ein 50mm 1.8G Objektiv in einer Sonderausführung mit silbernem Ring. Ansonsten ist das Objektiv baugleich mit der normalen Version, die ab 165 Euro erhältlich ist. Das Objektiv hat zwar ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis, aber als Kit-Objektiv für eine 3.000 Euro Luxus-Kamera wirkt das „Made in China“-Produkt unpassend.

Nikon hat zudem verpasst, den Retro-Look zu vervollständigen. Die Kameraschlaufe ist aus demselben Material wie die der D610 und D800 – Kunstleder hätte besser gepasst. Zudem ist der aktuelle Nikon-Schriftzug auf der Schlaufe, anstatt des alten Schriftzugs, der auf der Df zu finden ist.

Bildqualität

Der 16 Megapixel Sensor überzeugt vor allem durch sein gutes Rauschverhalten. Erst ab ISO 6.400 wird Bildrauschen bemerkbar. Mit etwas Nachbearbeiten oder der automatischen Rauschunterdrückung ist es bis zu ISO 25.600 akzeptabel, danach werden die Farben zunehmend verfälscht.

Die Detailzeichnung der Fotos ist sehr gut, die Schärfe befriedigend bis gut. Das könnte an einem Produktionsfehler beim Kit-Objektiv oder an dem nicht optimal werkseitig konfigurierten Testgerät der Df liegen. Weit entfernte Motive im unendlich-Fokus-Bereich waren im Test häufig leicht unscharf.

Die Df nutzt den 2.016 Pixel RGB Sensor der D610 statt dem besseren 91.000 Pixel 3D Matrix III Sensor der D4 und D800. Die Farbdarstellung ist dennoch angenehm neutral, der automatische Weißabgleich liegt fast immer richtig. Für Kunstlichtaufnahmen kann ein alternativer automatischer Weißabgleich gewählt werden, der die wärmere Lichtstimmung einfängt. Die Belichtungsmessung bei nahen Motiven passte fast immer, bei weit entfernten Motiven im Freien musste häufig nachjustiert werden.

Fazit

Die Df zelebriert das Erlebnis Fotografieren. Erst wird an zahlreichen Rädern gedreht und Hebel bewegt, um danach das satte Verschlussgeräusch zu genießen. Da ist es fast schon ein Frevel, den Leise-Modus zu nutzen, um das Geräusch beim Fotografieren zu dämpfen.

Die Fotoresultate und die Ausstattung der Kamera sind nicht so gut, dass sie den fast doppelten Preis einer Nikon D610 rechtfertigen. Die Df wird dennoch ihren Platz in den Herzen von Foto-Fans finden, die bereit sind für Nostalgie gepaart mit guter Fotoqualität etwas mehr zu bezahlen.

Technische Daten

Modell:
Nikon Df
Bildsensor:
16,2 Megapixel Nikon FX Vollformat-Sensor
ISO:
100-12.800, 50-204.800 erweitert
Fokus:
39 Fokuspunkte, davon 9 Kreuzsensoren
Serienbilder:
5,5 Bilder pro Sekunde
Video:
keine Videoaufnahme
Speicher:
SD-Kartenslot (UHS-1)
LCD:
3,2 Zoll, 921.000 Pixel
Optischer Sucher:
100 Prozent Bildfeldabdeckung
Maße:
110 x 143,5 x 66,5 mm
Gewicht:
765 Gramm (Body mit Akku und Speicherkarte)
Preis (UVP, Body):
2.999 Euro

Link:
Alle technischen Daten auf der Webseite des Herstellers