Zwei Millionen Haushalte in Österreich empfangen Fernsehen per Satellit

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04/09/2014

Österreich ist Spitzenreiter bei HD-Empfang in Europa

54 Prozent aller TV-Haushalte in Österreich empfangen HD-Sender. Währenddessen machen sich Astra und die ORS aber bereits Gedanken über den Nachfolger UHDTV.

Der Trend zum hochauflösenden Fernsehen hat in den vergangenen Jahren der TV-Branche neuen Schwung verliehen. Eine Studie des Satelliten-Betreibers Astra zeigt nun, dass Österreich in der Verbreitung von HD-Fernsehen führend in Europa ist. 1,95 Millionen TV-Haushalte in Österreich sehen mittlerweile Fernsehen in HD, das entspricht 54 Prozent der österreichischen Haushalte mit Fernseher. Besonders stark ausgeprägt ist dieser Trend beim Satelliten-Fernsehen, bei dem 60 Prozent der Haushalte Fernsehen in HD-Qualität empfangen. In Deutschland wird nur in 43 Prozent aller SAT-TV-Haushalte HD-Fernsehen empfangen. Bei Kabel ist das Verhältnis zwischen HD- und SD-TV mit je 50 Prozent der Haushalte ausgewogen.

Zwei Millionen SAT-TV-Haushalte

"Österreich ist der wohl dynamischste Markt Europas und Europameister bei HD- und SAT-TV-Empfang", so Wolfgang Elsäßer, Geschäftsführer von Astra Deutschland. Der Übergang von SD auf HD sei nicht mehr aufzuhalten, in "einigen Jahren" soll HD aus seiner Sicht zum alleinigen Standard werden. Die Zahl der in Österreich empfangbaren HD-Sender liegt derzeit bei 81 Sendern, 2015 sollen mindestens 100 HD-Sender verfügbar sein.

Erstmals wurde auch die Marke von zwei Millionen SAT-TV-Haushalten erreicht, das entspricht einem Plus von 100.000 Haushalten im Vergleich zu 2012. Doch auch wenn Satelliten-Fernsehen in den vergangenen Jahren stark zulegen konnte, beklagt Elsäßer eine Stagnation der Fernseh-Haushalte. "Die letzten Jahre in Österreich waren leider etwas flach. Wenn SAT-TV zulegt, verliert letztendlich Kabel", so Elsäßer. Kabel-TV verlor im Vergleich zu 2012 nahezu 90.000 Haushalte.

Schleppende Kabel-Digitalisierung

Damit baut SAT-TV seine Spitzenrolle auf dem österreichischen TV-Markt aus, 56 Prozent der 3,59 Millionen Fernseh-Haushalte in Österreich empfangen Fernsehen über Satellit. Im Vorjahr waren es noch 52 Prozent. Dahinter folgen Kabel mit 35 Prozent sowie DVB-T und IP-TV (zum Beispiel A1 TV und UPC) mit je fünf Prozent. Die Digitalisierung ist bei Satellit und Antenne mittlerweile vollständig abgeschlossen, lediglich Kabel hinkt noch etwas hinterher. 40 Prozent der Kabel-Haushalte (rund 0,5 Millionen) bezogen 2013 ihr Signal noch analog.

HbbTV stärker als Smart TV-Apps

Norbert Grill, technischer Geschäftsführer der ORS, ist noch nicht ganz zufrieden mit dem Stellenwert von HDTV in Österreich. Ihm zufolge werden oft schlechte Komponenten empfohlen, die zu einer geringeren Bildqualität führen. Hier sei vor allem der Handel gefordert, bessere Beratung zu leisten. Die ORS wird am 1. August mit dem insgesamt fünften SAT-Transponder starten, über den auch die ORF-Spartenkanäle sowie die Bundesländer-Sendungen des ORF in HD ausgestrahlt werden. Der Regelbetrieb startet am 25. Oktober. Im vollen Gange ist auch das Austauschen der verbleibenden ORF-Karten mit Cryptoworks, das Verschlüsselungs-System soll Ende März 2015 abgeschaltet und somit vollständig durch Irdeto ersetzt werden.

Auch HbbTV, der Standard für Hybrid-TV, wird verstärkt genutzt. Laut Grill gibt es bereits jetzt mehr Abrufe auf der ORF TVThek über HbbTV als mit den offiziellen Smart TV-Apps. Das Angebot soll in Kürze auch auf die Spartenkanäle wie ORF Sport+ ausgebaut werden. Dass der Name HbbTV bislang aber noch weitestgehend unbekannt ist, ist laut Elsäßer irrelevant: "Es gibt bestimmte Begriffe, die sich Marketing-technisch nie durchsetzen werden. Ich habe keine Ahnung, wer auf die Idee gekommen ist, diese Technologie HbbTV zu nennen, aber es wird dennoch genutzt."

Planungen für UHDTV

Obwohl sich HDTV gerade erst in Österreich etabliert, machen sich Astra und die ORS bereits Gedanken über Ultra High Definition TV. Seit 2013 gibt es zahlreiche 4K-Fernseher, doch die entsprechenden Inhalte sowie die kompatiblen Receiver fehlen derzeit noch. Erste Receiver, die auch über den für das Decoding erforderliche HEVC-Chip (High Efficiency Video Coding) verfügen, werden für die IFA im September erwartet. Die Geräte dürften somit zum Ende des Jahres auf den Markt kommen. Astra testet bereits intern die Übertragung von UHD-Signalen, jedes Heimspiel des FC Bayern München wird in 4K produziert und auf eigenen Test-Kanälen übertragen. Dabei habe man in den vergangenen sechs Monaten die Bildqualität drastisch verbessern können. "Sie hätten das Bild damals nicht sehen wollen", so Elsäßer.

Mit einem "richtigen Marktstart" rechnen aber sowohl Grill als auch Elsäßer erst für 2016. Ab dann soll es auch einheitliche Standards für den Begriff UHD geben, mit denen die Empfangbarkeit auf allen Geräten gewährleistet werden kann.