Die Ouya soll in etwa die Abmessungen eines Rubiks Cube haben.

© Ouya

Kickstarter
08/09/2012

Ouya-Konsole geht in Produktion, Spiele fehlen

Die Finanzierungsphase der Android-Konsole ist abgeschlossen, das Projekt konnte in den letzten dreißig Tagen mehr als 8,5 Millionen US-Dollar einsammeln. Doch die Euphorie ebbt bereits wieder ab, zahlreiche Spieleentwickler äußern ihre Bedenken am 99 Dollar-Gerät. Österreichische Entwickler zeigen sich abwartend.

von Michael Leitner

Der Name Ouya ist derzeit in aller Munde. Das Projekt mit dem klingenden Namen ist womöglich die erste Konsole seit langer Zeit, die den großen Drei auf dem Videospielmarkt - Sony, Nintendo und Microsoft - Paroli bieten könnte. In

konnte Ouya auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter mehr als zwei Millionen US-Dollar sammeln, mittlerweile ist diese Summe bis zum Ende der 30-tägigen Finanzierungsphase auf mehr als 8,5 Millionen US-Dollar angewachsen.

Ouya Spielkonsole

Ouya Spielkonsole

Ouya Spielkonsole

Ouya Spielkonsole

Ouya Spielkonsole

Ouya Spielkonsole

Ouya Spielkonsole

Ouya Spielkonsole

Erfahrenes Team
Das ist die zweithöchste Summe aller Zeiten auf Kickstarter, nur die

konnte mit knapp 10 Millionen US-Dollar noch ein besseres Ergebnis in 30 Tagen erzielen. Das gewaltige Interesse hat selbst das Team rund um Firmengründerin Julie Uhrman verwundert: "Der Überraschungseffekt dürfte geholfen haben. Wir kamen für viele aus dem Nichts und haben uns gleich mit den großen Firmen angelegt. Das hat sich zuvor noch keiner getraut." Doch auch das Team der Ouya besteht aus keinen Unbekannten. Uhrman ist bereits seit mehr als zehn Jahren in der Spieleindustrie als Managerin tätig, das Aussehen der Ouya wurde vom renommierten DesignerYves Beharentworfen und für die Hard- und Software ist Muffi Ghadiali, der unter anderem die Entwicklung des Amazon Kindle leitete, zuständig.

Starke Konkurrenz
Der Erfolg hat aber auch recht rasch zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen. Viele hinterfragen die Massentauglichkeit eines einzigen Geräts auf dem ohnehin stark fragmentierten Android-Markt an. Michael Putz vom österreichischen Spieleentwickler Bongfish zweifelt gegenüber der futurezone an der Wirtschaftlichkeit der Android-Plattform: "Für uns als Entwickler zählt im Endeffekt die erreichbare Zielgruppe und deren Bereitschaft für Spielesoftware zu zahlen. Speziell bei der Monetarisierung glänzt Android als Plattform noch nicht wirklich, jedoch werden wir Ouya sicher im Auge behalten." Derzeit haben sich knapp 52.000 Personen eine Ouya gesichert, im März 2013 soll eine Charge von 80.000 Stück ausgeliefert werden. Verglichen mit der Konkurrenz wie der Wii, die bislang 96 Millionen Stück absetzen konnte, ein eher kleiner Markt.

Doch auch hier darf man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, da Nintendo ein ungleich höheres Marketing-Budget hat und auch auf anderen Vertriebswegen seine Konsole verkauft hat. "Es ist an der Zeit, dass wir uns für neue Ideen öffnen und den klassischen Konsolenmarkt neu definieren", sagte Uhrman in einem Interview mit dem Forbes Magazine. Das könnte ihr mit der Ouya durchaus gelingen, denn im Gegensatz zu den großen Herstellern, die unzählige Millionen in die Entwicklung einer Konsole investieren, baut ihr Konzept auf offenen Standards und frei verfügbaren Hardware-Modulen, die sogar austauschbar sein sollen, auf.

"Jeder ist ein Konkurrent"
Mark Kern, ein ehemaliger Blizzard-Entwickler, hofft, dass mit der Ouya wieder Innovation in die Spielebranche zurückkehrt: "Um derzeit aus der Masse herauszustechen, muss man ebenso viel in das Marketing wie in die Entwicklung investieren. Das ist kein zukunftsfähiges Modell." Auch Martin Pichlmair des österreichischen Indie-Entwicklers Broken Rules schöpft Hoffnung aus der neuen Konsole: "Es zeigt sich mit diesem Gerät erneut dass das Gatekeeper-Prinzip und damit das Monopol der großen Konsolenhersteller im Wohnzimmer nicht zu halten sein wird." Bereits mit dem Boom der mobilen Plattformen hat sich eine ähnliche Entwicklung gezeigt und vor allem Nintendo, das den Handheld-Spielemarkt beherrschte, unter starken Druck gesetzt.

Als hätte sich die oft als "Videospiel-Veteranin" bezeichnete Uhrman nicht bereits mit Sony, Nintendo und Microsoft genug Feinde geschaffen, so holt sie im Interview nochmals zum Rundumschlag aus: "Jeder, der um die Zeit eines Konsumenten wetteifert, ist ein Konkurrent." Für den Start hat Ouya bereits früh zahlreiche Kooperationen angekündigt, unter anderem mit dem Cloudgaming-Dienst Onlive sowie dem Musikvideoanbieter Vevo. Das wichtigste Gut fehlt allerdings noch: Spiele. Harald Riegler von Sproing, dessen Firma für Ouya auf Kickstarter auch gespendet hat und besonders die Offenheit der Konsole schätzt, ist bislang der einzige Entwickler aus Österreich, der Produkte für Ouya ins Auge fasst: "Wir hoffen, mit unseren Spielen in Zukunft auch auf der Ouya-Plattform vertreten zu sein", sagt der Firmen-Chef zur futurezone. Mit Final Fantasy III, Minecraft und Shadowgun hat Ouya schon einige Kaliber an Bord, aber für den Wettbewerb mit Sony, Microsoft und Nintendo wird es mehr benötigen.

Diese Meinung vertritt vor allem Piers Harding-Rolls, Analyst bei Screen Digest: "Ouya mag in seiner Positionierung als Spieleplattform einzigartig sein, aber es wird aufgrund seiner eingeschränkten Fähigkeiten einen harten Kampf mit internetfähigen Fernsehgeräten auszufechten haben." Ihm zufolge werden bis 2016 mehr als 800 Millionen Fernsehgeräte mit dem Internet verbunden sein, unter anderem über Geräte wie die Ouya. Ob diese sich aber gegen die Konkurrenz durchsetzen kann, muss sich noch weisen. Auch Sony arbeitet Gerüchten zufolge an einer günstigen Variante der Playstation 3, die lediglich 150 US-Dollar kosten soll und die Ouya stark unter Druck setzen könnte.

Offen, aber ohne Google Play
Auch das Vertriebsmodell weist Schwächen auf. Die Ouya wird den Google Play Store, der derzeit mehr als 500.000 Apps zählt, nicht unterstützen. Die Spiele und Apps sollen über die eigene Plattform vertrieben werden. Doch hier gibt es recht strenge Einschränkungen von Ouya. So muss das Spiel in irgendeiner Form, sei es nur als Demoversion, kostenlos verfügbar sein und der Entwickler muss 30 Prozent seiner Umsätze an Ouya abführen. Werbung soll es keine geben, Ouya wird sich komplett über die Verkäufe der Konsole sowie den verkauften Apps finanzieren.

Ein anderes Element sorgte aber noch viel mehr für Aufsehen: Die Konsole wird vollkommen frei sein, jeder darf sie rooten oder sogar mit dem entsprechenden Werkzeug öffnen. Viele wollen aus der Ouya eine vollwertige Medienzentrale machen, denn die in der 99 Dollar-Konsole verbaute Hardware kommt sonst nur in Geräten zum Einsatz, die um ein vielfaches mehr kosten. Daher gab Ouya auch bereits sehr früh bekannt, dass man die Mediencenter-Software XBMC und Plex unterstützen werde.

Erfolgreiche Finanzierung
Nun beginnt mit dem Ende der Finanzierung die heiße Phase für das Ouya-Team. Das Rohkonzept der Android-Konsole ist fertig, doch jetzt gilt es das Feedback der Nutzer in den Prototypen einfließen zu lassen, um bis Dezember ein massentaugliches Produkt zu haben. Die zahlreichen privaten Vorbesteller dürfen ihre Ouya frühestens im März 2013 in Händen halten, in den klassischen Handel soll die Konsole früher oder später auch kommen. Gespräche dazu laufen laut Uhrman bereits.

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