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24.07.2016

Qbo im Test: Randalierender Kapselkaffee mit App-Barista

Mit Qbo ist ein neues Kapselkaffeesystem von Eduscho verfügbar. Die dazu passende Kaffeemaschine You-Rista ist WLAN-tauglich. Per Smartphone werden eigene Kaffees kreiert.

Tchibo hat mit Cafissimo bereits eine Kapselkaffee-Schiene. Mit Qbo kommt eine neue hinzu. Die Aufmachung der Qbo-Produkte legt nahe, dass damit designbewusste Käufer angesprochen werden sollen. Oder anders ausgedrückt: Die Highbrow-Kapselgesellschaft soll die Kundschaft werden, die bisher alle Kapseln, auf denen nicht das Nespresso-N prangte (nicht zu verwechseln mit dem N des NFC-Logos) für minderwertige Kopien erachtet haben.

Trotz WLAN-Anschluss in der Maschine, Kaffeekreationen per App und rechteckiger statt runder Form, ist das Grundprinzip des Kapselkaffees das Gleiche. Damit gibt es auch die üblichen Nachteile: Der Kaffee ist teuer. 1kg Kaffee kostet in Qbo-Form 50 Euro.

Die Kapseln bestehen aus Plastik. Der ökologische Fußabdruck soll geringer als bei Aluminiumkapseln sein. Die leeren Kapseln können in einem Recycling-Beutel gesammelt, um im Qbo Store (derzeit nur einer in Wien) abgegeben werden. Dort werden sie laut Qbo-Website an einen Entsorgungsdienstleister weitergegeben – die Kapseln sollen zu 100 Prozent wiederverwertbar sein.

Galerie: Qbo You-Rista

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10 Sorten

Bisher gibt es nur eine Kaffeemaschine für Qbo. Die You-Rista kostet 299 Euro, mit dem Milchaufschäumer Milk-Master 349 Euro. Es gibt zehn Kaffeesorten. Eine entkoffeinierte Sorte ist nicht dabei. 8 Kapseln kosten 2,95 Euro, 27 Stück 9,95 Euro. Eine Kapsel enthält 7,5 Gramm Kaffee.

Die Intensität der Kapseln ist auf einer zehnstufigen Skala angegeben. Auf der Verpackung ist noch eine Beschreibung angegeben über die Geschmacksnoten, sowie für welche Art von Kaffee (Espresso, Milchkaffee, etc.) die Sorte geeignet ist.

Die Beschreibungen sind zu beherzigen. Wenn auf der Packung „feine Zitrusnoten“ steht, ist der Kaffee tatsächlich auf der säuerlichen Seite, was nicht alle mögen. Mir persönlich haben etwa die schokoladigen und karamelligen Sorten mehr zugesagt. Eine Kollegin, die kaum Kaffee trinkt weil er ihr eigentlich nicht schmeckt, hat sich in „Jebena Yirga“ verliebt, der „fruchtige Anklänge von Jasmin“ haben soll. Für mich schmeckte er grauslich blumig, aber Geschmäcker sind nun mal verschieden.

Auf jeden Fall unterscheiden sich die Sorten deutlich voneinander. In Kombination mit den verschiedenen Zubereitungsarten, von Espresso über Iced-Varianten bis zu Milchgemischen, ist es sinnvoll sich durchzuprobieren, um ein oder mehrere Lieblingssorten zu finden.

Gelegenheitstrinker

Die You-Rista-Maschine hat einen Wassertank mit 900ml. Bei normalen Kaffees reicht dies für etwa sechs Tassen. Der Behälter für die verbrauchten Kapseln fasst ebenfalls sechs Stück. Damit ist die Maschine eher für Gelegenheitstrinker gedacht.

Wird eine Kapsel eingelegt, wird am Display die Sortenbeschreibung angezeigt. Das ist praktisch, falls man die Kartonschachtel mit der Beschreibung schon entsorgt oder aus Dekogründen einfach alle Kapseln in eine große Glasschüssel geschmissen hat, die neben der Maschine steht. Die Anzeige der Sorteninfo kann ausgeschaltet werden.

Im Gegensatz zu einigen anderen Kapselmaschinen kann die Kapsel wieder entfernt werden, wenn sie eingelegt und der Verschluss geschlossen wurde. Die Kapsel wird mit dem Start des Brühvorgangs angestochen. Qbo wirbt mit dem „PressBrew“-Verfahren. Dabei wird die Kapsel während des Brühvorgangs zusammengepresst, was dem Kaffeepulver das volle Aroma entlocken soll.

Die Maschine erreicht laut dem Hersteller einen Pumpendruck von bis zu 19 bar. Mit einer Wärmebildkamera gemessen liegt die Temperatur eines Espressos beim Auslauf bei maximal 78 Grad Celcius.

Laut und vibrierend

Die Maschine ist durchschnittlich laut, vibriert aber bei der Kaffeezubereitung stark. Besonders wenn der Milk Master aktiv ist. Im Test kam es ein paar Mal vor, dass sich der Wasserbehälter durch die Vibrationen ein paar Millimeter lockerte und die Maschine deshalb den Brühvorgang pausierte.

Ist der Milk Master aktiv, steigen nicht nur die Vibrationen, sondern auch die Lautstärke – und zwar gewaltig. Ein Telefonieren im Umkreis von fünf Metern ist im Großraumbüro nicht möglich, wenn ein Cafe Latte zubereitet wird.

Milchspeiendes Monster

Der Milk Master entpuppte sich im Test als echter Randalierer. Er war nicht nur laut, sondern gelegentlich auch richtig aggressiv. Die Maschine fabrizierte statt Milchschaum nur Rauch und spritzte kleine Milchtröpfchen durch die Gegend. Das Resultat war eine eingesaute Maschine und alles, was unmittelbar daneben stand.

Zu Beginn des Tests reichte das Durchspülen an der Maschine (wird nach der Verwendung des Milk Master auch automatisch gemacht), um wieder Milchschaum zu produzieren. Nach etwa 50 Kaffeekapseln half aber auch die täglich empfohlene manuelle Reinigung – das Zerlegen des Milk Masters und putzen der Komponenten – nicht mehr.

Das könnte damit zusammenhängen, dass ein paar Kapseln später die Maschine nach einer Reinigung verlangte. Da im Lieferumfang nicht einmal eine der dafür benötigten Reinigungskapseln enthalten war, konnte ich leider nicht feststellen, ob sich das Problem damit beheben lässt. Vier Reinigungskapseln kosten 4,95 Euro, zwei Entkalkungstabletten 6,95 Euro.

Geschmackssache

In der Zeit, in der der Milk Master funktionierte, hat er immerhin akzeptable Resultate geliefert. Mit korrekt gekühlter Milch – der Milk Master hat dafür eine Farbanzeige am Milchbehälter – entsteht ausreichend Milchschaum. Er ist etwas grobporig, die Wärme ist in Ordnung.

Milchlose Kaffees werden mit viel Crema erzeugt. Auffällig war, dass die Ergebnisse nicht immer konstant waren. Bei zwei hintereinander zubereiteten Espressos, mit denselben Kapseln, war einer etwas verwässert, der andere in Ordnung. Bei einer Sorte schmeckten die beschriebenen „Röstaromen“ verbrannt, bei anderen Sorten war dies nicht der Fall.

In der Tasse landen fast immer paar Kaffeepulverreste, was den letzten Schluck meist zu einer etwas bitteren Erfahrung macht. Es ist aber nicht so viel Pulver, dass der Rest des Kaffees nicht schmecken würde.

Steuerung und WLAN einrichten

Die Maschine wird über ein gut lesbares Displays an der Oberseite und einen Drehknopf bedient. Die Hauptmenüs Zubereitung, Pflege und Einstellungen werden durch Extra-Tasten angesteuert.

Um die Maschine per Smartphone zu steuern, muss sie ins WLAN eingebunden werden. Das Smartphone muss im selben WLAN sein, eine direkte Bluetooth-Verbindung gibt es nicht. Die Einrichtung erfolgt per Smartphone.

In der App wurde das WLAN für die Testgeräte der futurezone nicht angezeigt. Das Redakteurs- und Gast-WLAN wurde nicht akzeptiert, da keine nachträglichen Anmelde-Informationen eingegeben werden können. Und ist mal ein WLAN eingestellt, muss die Maschine komplett in Werkszustand zurückgesetzt werden – inklusive Neueinrichtung, mit erneut Spülen der Maschine und des Milk Masters. Das ist nervig und nicht gerade smart.

Netterweise hat A1 für den Testzeitraum einen Net Cube zur Verfügung gestellt. Erst damit klappte es, dass nicht Kaffeemaschinen-taugliche Großraumbüro-WLAN zu umgehen und die Maschine endlich mit der Smartphone-App zu verknüpfen.

App-Barista

In der App ist es möglich eigene Kaffeekreationen zu erstellen. Dazu wird eines von 12 Basis-Getränken gewählt. Dies bestimmte die maximale Flüssigkeitsmenge von 80ml, 200ml oder 280ml.

Es kann Milchmenge, Kaffeemenge (Wassermenge) und Menge des Milchschaums per Drag-and-Drop eingestellt werden. Die Milch kann wahlweise warm oder kalt zubereitet werden. Bei den voreingestellten Rezepten für Iced-Getränke ist praktischerweise bereits weniger Kaffee- bzw. Milchmenge voreingestellt, damit die Flüssigkeit aufgrund der im Glas platzierten Eiswürfel nicht übergeht.

Das Getränk wird noch benannt, gespeichert und kann dann zur Maschine geschickt werden. Ein Teilen mit Freunden oder das Herunterladen von neuen Rezepten ist nicht möglich. Auch ist es nicht möglich Getränke mit der doppelten Kaffeemenge zu kreieren – also kein Latte Macchiato mit einem Extra Shot Espresso.

Wenig Funktionen

Abgesehen davon bietet die App kaum Mehrwehrt. Wenn die Maschine gereinigt werden will, kann sie eine Push-Benachrichtigung aufs Handy schicken. Allerdings blinkt auch auf der Maschine die Pflege-Taste rot wenn es soweit ist, was kaum zu übersehen ist.

Die Einstellungen der Kaffeemaschine können nicht in der App geändert werden. Es wird lediglich angezeigt, wie man die Einstellungen direkt an der Maschine ändert. Eine Zeitschalt-Funktion, etwa damit um 05:30 automatisch ein Kaffee zubereitet wird, gibt es nicht. Mir geht außerdem eine Statistik ab: Wie viele Kapseln wurden verwendet, wie viele Espressos, Cafe Latte, etc. wurden getrunken, usw.

Auch fehlen Anzeigen oder Benachrichtigungen für zu wenig Wasser oder ein voller Kapselbehälter. Auf der Maschine kommen diese Benachrichtigungen nämlich immer erst, wenn eine Zubereitung gestartet wird. In einem Fall habe ich gerade den Milk Master angeschlossen und das Latte-Glas unter dem Auslauf gestellt und Latte Macchiato gewählt. Jetzt verlangt die Kaffeemaschine danach den Wassertank zu füllen. Also Milk Master wieder abstecken, damit man zum Wassertank kommt, Wassertank füllen und wieder anstecken.

Jetzt will die Maschine den Milk Master spülen, also wieder die Schmutzwasser-Tasse unter dem Auslauf stellen. Danach kann der Brühvorgang fortgesetzt werden – theoretisch. Jetzt soll nämlich der Kapselbehälter geleert werden. Also wieder Glas weg, um zum Behälter zu kommen. Danach beginnt endlich Milch zu spritzen und Kaffee zu fließen.

Fazit

Das Qbo-System bietet mit seinen 10 Geschmacksrichtungen genug Möglichkeiten, um ein oder mehrere Kaffees zu finden, die einem schmecken. Wenn der Milk Master mal funktioniert, sind die Macchiatos auch gut – mit der Betonung auf wenn. Kapselsysteme sollen bequem sein, dafür zahlen die Kunden ja auch den hohen Kaffeekilopreis, verglichen mit gemahlenen Kaffee oder ganzen Bohnen. Für ein Kapselsystem ist der Pflege-Aufwand der You-Rista mit Milk-Master aber eher hoch und die teilweise mehreren Unterbrechungen vor der Zubereitung eines einzigen Espressos sind nervig.

Trotz WLAN ist die Kaffeemaschine derzeit noch nicht smart. Immerhin lässt sich der Hersteller offen, die App und Kaffeemaschine um neue Funktionen zu erweitern. Denn ist die You-Rista einmal mit einem WLAN verbunden, das sie erkennt und unterstützt, sind Firmware-Updates möglich. Hoffentlich nutzt Tchibo diese Option auch.