© Deleted - 2045724

Computer
10/12/2010

Regieren mit dem iPad und Tablet-PC

Tablet-PCs dürfen seit kurzem im deutschen Bundestag verwendet werden. Notebooks und Handys erhalten jedoch weiterhin keinen Eintritt in den Plenarsaal des Reichstagsgebäudes in Berlin. Im Österreichischen Parlament sind die Vorschiften hingegen lockerer.

In Österreich ist die Situation bis zum heutigen Tag klar. Das Telefonieren ist im Parlament nicht gestattet. Notebooks und andere Geräte dürfen verwendet werden. Auch eine SMS via Handy ist laut Hausordnung möglich. Nur das Telefonieren ist ausdrücklich nicht gestattet. Die österreichischen Mitarbeiter des Parlaments reagierten zuerst irritiert über das Verhalten ihrer deutschen Kollegen. Eine direkte Auseinandersetzung mit diesem Problem, so die Servicestelle des Parlaments, hat es in diesem Sinne so noch nicht gegeben. Somit ist, laut dem Leiter der parlamentarischen Öffentlichkeits- und Informationsarbeit, Gottfried Marckhgott, allein das Telefonieren untersagt. Ein iPad kann jedoch genau so wie jedes andere mobile Gerät verwendet werden.

In Deutschland gestaltet sich die Sache etwas komplizierter. Zwar ist in der Hausordnung ein Verbot zur Verwendung von Laptops und Mobiltelefonen für Abgeordnete nicht eingetragen, aber der Ältestenrat gab 2000 schon bekannt, dass keine Telefonate während den Plenarsitzungen geführt werden dürfen. 2003 gab das Präsidium dann an, dass auch das Arbeiten mit Laptops nicht gestattet ist. Die Begründung: Die Lärmbelästigung beim Tippen oder die geistige Abwesenheit der Kollegen, störe die Kollegen beim Zuhören oder bei der Vorbereitung einer Rede. Das Umblättern von Zeitungen und das Lösen eines Rätsels in den hinteren Bänken gilt aber weiterhin nicht als Störung.

Zu viel Lärm durch Tippen und Klappen

!

Nun hat aber der Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung erlaubt, dass Tablet-PCs sehr wohl verwendet werden können. Auslöser des Streits waren Jimmy Schulz und der deutsche Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Beide verwendeten in einer Plenarsitzung ein iPad. Schulz hielt eine Rede vom Touchscreen des Tablet-PCs und Wolfgang Thierse, Präsident des Bundestages, ließ ihn gewähren. Erst im Nachhinein kam es zu Klärungsbedarf. Vier Monate nach Schulz" Rede ist es nun offiziell. Tablet-PCs sind erlaubt; Notebooks und Handys dürfen jedoch weiterhin nicht verwendet werden. Der Grund: Sie machen zu viel Lärm. Tastentippgeräusche, Kühler und das Auf- und Zuklappen von Laptops sowie die das Tippen von SMS auf Handys stört die anwesenden Bundestagsabgeordneten. Somit, so Schulz, können nur Geräte verwendet werden, die keine Tastengeräusche verursachen.
Schulz argumentiert weiters, dass Zeitungen erlaubt seien, weshalb im Umkehrschluss auch E-Zeitungen erlaubt sein sollten. Zudem erleichtere eine mobile Arbeitsplattform die Informationsbeschaffung und das Arbeiten. Was allerdings einer unlängst erschienenen Studie zum Nutzungsverhalten von iPads widerspricht. Diese besagt, dass nur ein Bruchteil der iPad-Benutzer ihre Tablet-PCs bei der Arbeit verwendet. Hauptaugenmerk sei die Unterhaltung.

iPhones für dänische Abgeordnete
Kürzlich noch verboten, aktuell sogar geschenkt: Als die dänische Abgeordnete Sophie Haestorp Andersen währende einer Parlamentssitzung ihren Facebook-Status nicht weniger als 59 Mal upgedatet hat, hatte sich das hohe Haus dazu entschieden Apples Smartphone aus den Sälen zu verbannen.

Nichtsdestotrotz wurde kürzlich bekannt, dass alle 179 Abgeordnete und eine unbekannte Anzahl anderweitiger Mitarbeiter im Parlament kostenlos jeweils ein 16GB iPhone3GS zur Verfügung gestellt bekommen. Nach eingehender Prüfung wurde festgestellt, dass das iPhone die geeignetste Lösung hierfür darstellt.

Wie viel diese Ausstattung dem dänischen Steuerzahler kostet ist nicht bekannt.

(Nardo Vogt, Thomas Prenner)