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08.10.2010

RIM einigt sich mit Emiraten über BlackBerry-Verschlüsselung

Nach Differenzen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und BlackBerry-Hersteller Research in Motion (RIM) haben sich der Konzern und die Regierungsbeamten nun über das Verschlüsselungsystem geeinigt.

Die nationale Telekombehörde in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat bekannt gegeben, dass alle Ungereimtheiten mit dem BlackBerry-Hersteller Research in Motion (RIM) ausgeräumt sind und das Smartphone auch in den Emiraten weiter uneingeschränkt nutzbar bleibt.

Die Regierung hatte kürzlich gedroht, sämtliche BlackBerry-Dienste am 11. Oktober abzuschalten, nachdem die genutzte Verschlüsselung keine staatliche Einsicht zuließ und eine direkte Übertragung der Daten auf ausländische Server erfolgte, wo die entsprechenden Daten erst entschlüsselt wurden. Im Vorfeld hat die Regierung teilweise sogar versucht, die Bürger zu einem inoffiziellen "Software-Update" zu bewegen, das eben jene Überwachung ermöglichte, der Versuch scheiterte jedoch.

Begründet wurden die Bedenken immer durch eine mögliche "Gefährdung der nationalen Sicherheit." Hätte keine Einigung stattgefunden, wären bei den BlackBerry-Geräten nur simple Telefonfunktionen ohne E-Mail, Browser oder Messenger nutzbar gewesen.

Nun wurde zwischen der Regierung und RIM ein Konsens erreicht und die Emirate lobten den kanadischen Hersteller für die gute Zusammenarbeit. Wie genau die Einigung aussieht, ist nicht bekannt, aber es wird vermutet, dass Regierungsbehörden der geforderte Einblick zugesprochen wurde.

RIM hat schon Erfahrung in ähnlichen Belangen. So wurden in Saudi Arabien oder Indien schon Forderungen der Regierungen angemeldet. Die Einigung mit den Emiraten könnte diesen und zukünftigen Regierungsforderungen zusätzliches Gewicht geben und so noch viele weitere Fragen in Sachen Datenschutz bei RIM und seinen BlackBerry-Geräten aufwerfen. Diese Belange scheinen für RIM besonders bitter zu sein, da das Sicherheitsargument bei BlackBerry immer groß geschrieben, und auch als Vorteil gegenüber Mitbewerbern genannt wird.

Einblicke für Indien, USA und Großbritannien?

In Deutschland hat das "Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik" bereits Ende 2009 von der Nutzung von BlackBerrys (und auch iPhones) für Regierungsbeamte aus Datenschutzgründen abgeraten. Auch die EU-Kommission, sowie weitere europäische Regierungen haben sich gegen die Nutzung von BlackBerry-Geräten für ihre Beamten ausgesprochen. Grund war ebenfalls die verschlüsselte Übertragung des E-Mail-Verkehrs auf RIM-Servern in Kanada und Großbritannien. Es wurde vermutet, dass diesen Regierungen Einsicht in Kommunikationsdaten der Kunden gewährt wird.

RIM hat sich immer gegen derartige Vorwürfe gewehrt und ließ noch im August 2010 verlautbaren: "Wir dementieren die Meldung, dass wir der indischen oder anderen Regierungen Einblicke in die Kommunikation unserer Kunden geben." Im Vorfeld dieser Aussage wurde auch von einer indischen Zeitung berichtet, RIM habe der Regierung Einsicht in sämtliche E-Mail- und Chat-Konversationen seiner Kunden angeboten.

Darüber, wie die Einigung mit den Vereinigten Arabischen Emiraten zustande gekommen sein soll, ohne Einblicke in entsprechende Daten zu gewähren, darf spekuliert werden.

( Thomas Prenner)