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Tablet-Test

Samsung Ativ SmartPC Pro: Business statt Party

Optisch sagt das Samsung Ativ Smart PC Pro: Business statt Party. Die schwarze Front wird nur durch einen chromfarbenen Samsung-Schriftzug und den Windows-Button gebrochen – sogar die Lautsprecher-Gitter wurden Schwarz eingefärbt.

Das Gehäuse an den Seiten und der Rückseite besteht aus Plastik und ist farblich in Anthrazit gehalten. Die Tasten an den Seiten (Lautstärke, Standby, Rotationssperre) sind chromfarben. Bis auf die Lautsprecher-Buchse und den Kontakt für das Tastatur-Dock an der Unterseite sind alle Anschlüsse mit Abdeckungen versehen. In Verbindung mit dem zu den Rändern hin dünner werdenden Gehäuse ergibt sich so ein elegantes Gesamtbild.

Auch am Tastatur-Dock sind die USB-Anschlüsse mit Abdeckungen geschützt. Durch die abgestimmten Linien und den Farbton sieht das Tablet im Tastatur-Dock ebenfalls sehr elegant aus. Da das Andock-Scharnier nahezu über die gesamte Länge geht, fällt beim schnellen Hinsehen auf das Ativ Smart PC Pro im geschlossenen Zustand kaum auf, dass es sich nicht um ein Ultrabook, sondern um ein Tablet mit Dock handelt.

Verarbeitung
An der Front ist der Rand rund um das Display-Glas an einigen Stellen leicht erhaben aber nicht scharfkantig genug, um negativ aufzufallen. Optisch ist der Rand deutlich sichtbar. Die Spaltmaße sind aber eng genug, um das Ablagern von Staub zu verhindern.

Durch das gewölbte Gehäuse entsteht ein kleiner Hohlraum an der Rückseite unter dem Samsung-Logo. Hier gibt das Plastik-Gehäuse etwas nach. Ansonsten macht das Tablet einen sehr robusten Eindruck, was auch am Gewicht von 884 Gramm liegt.

Handling
Grund für das hohe Gewicht ist unter anderem auch die Display-Größe von 11,6 Zoll. Microsofts Surface Pro hat eine um einen Zoll kleinere Display-Diagonale, wiegt aber 12 Gramm mehr. Das relativiert zumindest auf dem Papier das hohe Gewicht – in der Praxis ist es aber natürlich ein deutlicher Unterschied zum iPad oder aktuellen Android-Tablets von Asus und Samsung.

Die verjüngten Ränder und die rutschhemmende Beschichtung des Gehäuses sorgen trotz des hohem Gewichts für einen guten Halt – solange man das Tablet mit beiden Händen hält. Für ein längeres, einhändiges Halten ist es zu schwer. Aufgrund der Länge von 30,4 cm werden es auch die meisten User schwer haben, dass Tablet im Querformat mit dem Daumen zu bedienen, wenn es in den Händen gehalten wird.

Tastatur-Dock
Mit gut 700 Gramm ist das Tastatur-Dock ebenfalls kein Leichtgewicht. Ist das Tablet angedockt ergibt das ein Gesamtgewicht von 1,6 Kilogramm – mehr als aktuelle Ultrabooks mit Touchscreen. Das Tastatur-Dock hat keinen Akku eingebaut, bietet aber einen Anschluss für das Netzteil. Der Stromanschluss des eigentlichen Tablets ist im Dock-Betrieb nicht zugänglich.

An der linken und rechten Seite hat das Tastatur-Dock jeweils einen USB-2.0-Anschluss. Da der USB-3.0-Anschluss, die Kopfhörer-Buchse, der SIM-Kartenslot und der MicroSD-Slot an der Oberseite des Tablets sind, sind diese auch im Dock-Betrieb uneingeschränkt nutzbar.

Schreiben
Beim Tippen gibt die Tastatur zwar leicht nach, das Schreibgefühl ist aber dennoch gut. Der Druckpunkt der Tasten ist nicht zu lasch, die Tasten sind ausreichend groß und haben auch genügend Abstand zu einander, um Vertippern vorzubeugen.

Das Touchpad ist klein ausgefallen. Die Oberfläche ist ein guter Kompromiss aus Gleitfreudigkeit und Griffigkeit. Die Multitouch-Geste für das Scrollen ist problemlos möglich. Beim Hineinzoomen muss man möglicherweise zwei Mal mit den Fingern ansetzen, da man beim Auseinanderziehen der Finger schnell an die Ränder des Touchpad stößt.

Wackelig
Das Tablet rastet zwar hörbar im Tastatur-Dock ein, hat aber noch deutliches Spiel. Im Test blieb jedoch die Verbindung zwischen Tablet und Dock aufrecht, auch wenn man am Tablet gezerrt hat. Ein Herausreissen aus der Verankerung, ohne Betätigen des entsprechenden Knopfs, ist jedoch nicht möglich.

Trotz des hohen Gesamtgewichtes von 1,6 Kilogramm, ist der Smart PC Pro im Dock eine wackelige Angelegenheit. Das Scharnier, dass gleichzeitig die Aufnahme für das Tablet ist, erhöht den Winkel des Tastatur-Docks. Dadurch ergibt sich zwar ein angenehmerer Winkel für das Tippen, reduziert aber die Berührungspunkte zwischen Oberfläche und Tastaturdock.

Tippt man etwas fester auf den Touchscreen, hebt sich das Tastatur-Dock vom Schreibtisch. Im besten Fall hört man ein leises Klappern, wenn sie wieder auf die Oberfläche trifft. Im schlimmsten Fall kippt das Gerät nach hinten über. Wer sein Note- oder Ultrabook gerne mal auf die Oberschenkel stellt zum Tippen, muss hier besonders vorsichtig sein, um das Smart PC Pro nicht Richtung Boden zu befördern.

Diese Kopflastigkeit dürfte wohl auch der Grund sein, dass der Winkel des Displays nicht ausreichend weit eingestellt werden kann. Würde man das Display noch weiter nach hinten klappen, würde das Gerät wahrscheinlich von alleine umfallen. Der zu kleine Winkel des Displays ist aber unangenehm. Hat man den Smart PC Pro am Schreibtisch stehen, muss man sich schon sehr weit im Sessel zurücklehnen, um das Display nicht von schräg oben sondern frontal zu sehen.

Display
Erschwerend kommt hinzu, dass es kein IPS-Display ist. Blickt man nicht frontal auf das Display, erscheint die Darstellung dünkler. Noch dazu ist es stark spiegelnd. Die maximale Helligkeit von 400 Nit kommt dagegen nur an, wenn man frontal auf das Display blickt – was im Dock-Modus aufgrund des geringen Winkels kaum möglich ist.

Frontal betrachtet ist die Farbdarstellung gut – nicht zu blass und nicht übersättigt. Auch die Schärfe des FullHD-Displays kann überzeugen. In den Samsung-Schnelleinstellungen kann eines von fünf Farbprofilen gewählt werden. Die Standard-Einstellung liefert gute Ergebnisse. „Film (Hell)" kann man in Videos mit vielen dunklen Szenen verwenden. Dadurch sind die Reflexionen am Display etwas weniger schlimm, aber immer noch störend.

Stylus
Der Ativ Smart PC Pro ist mit Samsungs S Pen ausgestattet. Der Stylus ist im Gehäuse untergebracht. Er ist zwar etwas kurz geraten, dafür aber breit genug, um ihn noch angenehm halten zu können. Die Spitze ist druckempfindlich, was vor allem in Mal- und Skizzenprogrammen zu Gute kommt. An der Seite ist ein Knopf. Lässt man diesen gedrückt, wird der Tipper auf das Display als Rechtsklick interpretiert.

Bei einer Entfernung des Stylus zum Display von einem Zentimeter oder weniger, zeigt ein kleines Fadenkreuz die Position der Spitze des S Pens an. Drückt man jetzt die Stifttaste, wird zusätzlich noch ein weißer Kreis rundherum eingeblendet, um die Stiftposition noch sichtbarer zu machen. So lassen sich mit dem S Pen präzise Auswahlen treffen. Auch in Malprogrammen ist es so einfacher, den Strich da zu machen, wo er tatsächlich hin soll.

Software
Als Betriebssystem nutzt der Smart PC Pro Windows 8 Pro. Zu der vorinstallierten Bloatware gehören die üblichen Verdächtigen: Absolute Reminder, Cyberlink PowerDVD, Intel AppUp Center, Norton Internet Security, Norton Online Backup, Kindle, Evernote und die Testversion von Plants vs Zombies. Ein wenig nützlicher sind da die Samsung Apps S Note, Photo Editor und der Samsung QR Code-Leser. Auf die Apps ChatOn, Family Story, S Player und S Camera kann man verzichten.

Weniger erfreulich ist, dass Samsung ein wenig unachtsam bei der Software war. So erzeugt der Wacom-Treiber für den S Pen eine CPU-Auslastung von bis zu 30 Prozent und müllt 3 GB RAM zu, bis man den Treiber selbstständig neu installiert. Beim Neustarten stürzt auch prinzipiell der „Support Center Agent" ab. Die Samsung-eigenen Schnelleinstellungen, die mit Fn+F1 aufgerufen werden, sind zwar brauchbar, lassen sich aber mit dem Shortcut nur in der Desktop-Ansicht und nicht der Metro-Oberfläche öffnen.

Leistung
Mit 4GB RAM, 128 GB SSD und i5 Prozessor ist der Ativ Smart PC Pro auf dem Niveau des Microsoft Surface Pro und günstigeren Ultrabooks. FullHD-Videos werden problemlos abgespielt, Call of Duty: Modern Warfare 2 ist mit 1920 x 1080 Pixel einigermaßen spielbar, wenn man Antialiasing und die Raucheffekte deaktiviert. Die Benchmarks liefern folgende Werte:

Cinebench OpenGL: 12,16 BpS
Cinebench CPU: 2,41 Punkte
PC Mark 07: 4048
3D Mark 06: 3678
3D Mark 11: P558
Windows-Leistungsindex: 4,5

Die realistische Akkulaufzeit mit aktiviertem WLAN und 2/3 der maximalen Display-Helligkeit liegt bei vier bis fünf Stunden. Aktiviert man den Energiesparmodus und reduziert die Helligkeit noch weiter, wird man zwar kaum noch was am Display erkennen, kann aber an die sechs Stunden Laufzeit herausholen.

Lautstärke
Der aktive Lüfter leitet bei Volllast die Abwärme hauptsächlich nach oben hin ab. Der Lüfter ist akustisch wahrnehmbar, aber nicht unangenehm laut. Da er an der Oberseite leicht nach rechts versetzt ist, kann man das Tablet auch noch im Hochformat halten, ohne die warme Abluft abzukriegen.

Die eingebauten Lautsprecher des Tablets haben eine brauchbare Klangqualität. Dadurch, dass sie links und rechts am Tablet sind, erzeugen sie aber einen besseren Stereo-Klang als viele Ultrabooks. Die maximale Lautstärke ist ausreichend, wenn man in ruhiger Umgebung Filme sieht oder Spiele spielt. Will man damit eine Party beschallen, sollte man die Party klein halten.

Fazit
Die Auswahl an vollwertigen Windows-8-Tablets mit FullHD-Display und Stylus ist nicht besonders groß – und da Microsofts Surface Pro in Österreich noch auf sich warten lässt, landet man bei Samsungs Ativ Smart PC Pro.

Obwohl es sowohl als Ultrabook mit Touchscreen als auch als leistungsfähiges Tablet mit Stylus-Funktion genutzt werden kann, ist die Produktivität doch eingeschränkt. Der geringe Winkel des Displays im Tastatur-Dock ist störend, speziell wenn man vor hat, auf dem Smart PC Pro viel zu schreiben. Deshalb sollte man das Gerät auf jeden Fall sitzend testen, bevor man sich zum Kauf entschließt.

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Modell
Samsung SmartPC Pro XE700T1C
Display

11,6 Zoll, 1.920 x 1.080 Pixel
CPU
Intel Core i5 3317U (1,7 GHz)
Arbeitsspeicher
4 GB DDR3 RAM 
Grafik
Intel HD 4000  Betriebssystem  Windows 8 Pro
Optisches Laufwerk
keines
Festplatte
128 GB SSD
Schnittstellen
S Pen, 1x USB 3.0, Kopfhörerausgang / Mikro-Kombination, Micro-HDMI, MicroSD, 2x USB 2.0 im Tastatur-Dock
Kabellose Schnittstellen  Bluetooth 4.0, NFC, 3G/HSPA+, WLAN 802.11 a/b/g/n
Kamera
5 Megapixel Haupt, 2 Megapixel Front
Akku
4 Zellen, 49 Wh
Gewicht
884 Gramm (Tablet), 1,6 Kilogramm mit Tastatur-Dock
Abmessungen
304 x 189,4 x 11,89 mm (Tablet)
304 x 189,4 x 22,34 mm (mit Tastatur-Dock)
Preis
1299 Euro (UVP)

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, vom Kopfhörer über Smartphones und Kameras bis zum 8K-TV.

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