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Slider

Sony Vaio Duo 11 im Test: Doppelter Kompromiss

Zum Start von Windows 8 und Windows RT hat Sony, im Gegensatz zu den anderen Herstellern, die klassischen Tablets ignoriert. Stattdessen brachte der japanische Elektronik-Konzern mit dem Tap 20 ein All-in-One-PC-Riesen-Tablet und mit dem Duo 11 einen Slider – beide mit „echtem" Windows 8. Windows RT ist für Sony noch kein Thema. Die futurezone hat das Duo 11 getestet.

Design
Frontal betrachtet sieht das Duo 11 wie ein übliches Windows-8-Tablet aus: 11,6 Zoll Display, schwarze Plastik-Optik und der überdimensionale Windows-Button am unteren Rand. Schiebt man das Display nach oben, kommt der Unterteil mit der Tastatur zum Vorschein. Das dunkelgraue Aluminium-Gehäuse sieht edel aus, auch die Tasten sind farblich darauf abgestimmt. Nur der optische Trackball bricht wie eine schwarzer, chrom-umrandeter Pickel den sonst stimmigen Look.

Ist das Display eingeklappt und das Duo 11 damit im Tablet-Modus, steht der Rand des Tastatur-Unterteils links und rechts etwa einen halben Zentimeter hervor. Durch die Abschrägung der Ränder fällt dies nicht störend auf.

Verarbeitung
Rund um das Display war Sony wieder großzügig mit den Spaltmaßen. Oben, links und rund um die Windows-Taste sind die Spalten am deutlichsten zu erkennen und ziehen wie üblich reichlich Schmutz an. An der linken Seite kann man die Kante eines einmal gefalteten A4-Papiers einen halben Zentimeter tief in die Spalte stecken – also fast bis man unten ansteht, da die Display-Einheit gut 6mm dick ist.

Die Display-Einheit gibt beim Tippen auf dem Touchscreen nach, sowohl im Tablet- als auch im Ultrabook-Modus, wenn die Tastatur verwendet wird. Auch das Aluminium-Gehäuse des Tastatur-Teils gibt ein wenig nach, allerdings nur, wenn man direkt darauf drückt. Beim Tippen muss man schon mir sehr viel Elan in die Tasten hauen, damit das passiert.

Klapp-Mechanismus
Um das Duo 11 vom Tablet zum Ultrabook zu machen, hebt man das Display an der Oberseite bei der dafür vorgesehenen Einkerbung im Gehäuse an, bis der Federmechanismus das Display in seine endgültige Position springen lässt.

Der Klappmechanismus besteht aus je zwei Stützen links und rechts. Die großen Stützen sind noch mit einer Plastik-Platte verbunden, die zusätzlich die Stabilität erhöhen soll, aber hauptsächlich dazu dient, die dahinter liegenden Kabelverbindungen zu verdecken.

Die Kabelverbindung, die die Display-Einheit mit der Tastatur-Einheit verbindet, ist mittig genug angebracht, um nicht durch eine unachtsame Bewegung berührt zu werden. Die zweite Kabelverbindung, die mehr am linken Rand und dadurch auch etwas exponierter ist, hat eine dickere Plastikumrandung und ist damit auch besser geschützt.

Obwohl der Klappmechanismus ausreichend stabil wirkt, zerstört eine Kleinigkeit den guten Eindruck: die Häkchen, die das Display im Ultrabook-Modus fixieren sollten. Aufgeklappt ist das Display locker und wackelt, wenn man darauf tippt. Dadurch wirkt das Duo 11 instabiler, als es eigentlich ist.

Handhabung
Mit 1,3 Kilogramm und einer Gesamthöhe von fast 20 mm ist das Duo 11 ein ordentlicher Brocken, wenn es als Tablet verwendet wird. Ohne die Ellbogen oder Handgelenke aufzustützen wird das Duo 11 schon nach gut einer Minute zu schwer um es weiter zu halten.

Abgesehen davon liegt es relativ gut in den Händen – solange man es nur hält und nicht den Touchscreen benutzen will. Die Daumen kann man nämlich bequem am links und rechts überstehenden Rand ablegen. Lässt man aber eine Seite los, um mit den Fingern den Touchscreen zu bedienen, ist es ein ordentlicher Kraftakt, dass Tablet mit einer Hand zwischen Daumen an der Oberseite und vier Finger an der Rückseite einzuklemmen.

An der Unterseite befinden sich vier Tablet-Tasten für die Lautstärke, Sperre der Display-Rotation und um Sonys Software Vaio Care aufzurufen – die immer noch in der Desktop-Ansicht aufgerufen wird und keine für W8 optimierte Oberfläche hat. Alle vier Tasten sind fast vollständig im Gehäuse versenkt und durch ihre Lage schon mehr auf der Rück- als Unterseite, weshalb das Ertasten und das Bedienen fast schon ein Glücksspiel ist. Auch die Standby-Taste ist versenkt im Gehäuse, aber durch die Platzierung rechts oben einfacher zu erreichen.

Für Vielflieger
Ausgeklappt spielt das Duo 11 seinen größten Slider-Vorteil aus. Im Gegensatz zu einem 11-Zoll-Ultrabook ist es kompakter, da das Display nicht am oberen Ende mit dem Tastatur-Unterteil verbunden ist, sondern mittiger. Das spart Platz, was vor allem Vielfliegern, Bus- und Bahnfahrern zu Gute kommt.

Auch am Schoß macht das Duo 11 so noch eine gute Figur. Durch den Sitz des Displays ist auch der Schwerpunkt mehr mittig als bei einem Ultrabook, wodurch das Tippen auf dem Touchscreen nicht zu einem Kippen des Geräts nach hinten führt.

FullHD-Display
Das IPS-Display hat 1920 x 1080 Pixel (189,9 PPI) - bei 11,6-Zöllern ist die FullHD-Auflösung derzeit noch eher selten vertreten. In der Kachel-Oberfläche bringt das Pixelplus nicht viel, da einige Icons nicht für die Größe geeignet sind und pixelig aussehen. In den Apps, wie der News- und Sport-App, kommt die hohe Auflösung bei den 11,6 Zoll gut zur Geltung.

In der klassischen Desktop-Ansicht ist alles durch die höhere Auflösung entsprechend klein, weshalb es eine gute Idee ist, die Größe der Elemente in den Anzeigeeinstellungen auf „Größer" zu ändern.

Um auch bei normal großen Elementen noch präzise am Touchscreen arbeiten zu können, ist beim Duo 11 ein Touchpen mitgeliefert. Dieser hat eine drucksensible Spitze, zwei Bedientasten (zB. für rechten Mausklick) und eine große Rückseite. Die große Rückseite ersetzt bei der Kachel-Oberfäche den Finger, während die dünne Spitze wie ein Mauscursor eingesetzt wird. Der Touchpen hätte ruhig etwas länger sein können, damit er auch von Usern mit großen Händen bequem gehalten werden kann. Auf Kompaktheit hätte Sony hier keine Rücksicht nehmen müssen, denn im Gehäuse des Duo 11 ist ohnehin kein Platz für den Touchpen vorgesehen. Der Touchpen kann lediglich in der Schützhülle des Duo 11, die im Lieferumfang enthalten ist, untergebracht werden.

Winkel
Die Farbdarstellung und maximale Helligkeit des Displays sind gut, ebenso die Betrachtungswinkel. Das ist auch nötig, da im Gegensatz zu einem Ultrabook der Winkel des Displays starr ist. Zwar kann man zwei Mini-Standfüßchen an der Unterseite des Duo 11 ausklappen, diese sind aber gerade mal 6mm hoch und spitzen den Winkel des Geräts und damit des Displays kaum zu.

Wenn man die Tastatur nicht benötigt, kann man sich mit einem Trick helfen, um einen flacheren Winkel des Displays zu erzielen, etwa zum Filmeschauen im Flugzeug. Man fährt das Display aus und stellt das gesamte Duo 11 auf den Kopf. Der Tastatur-Unterteil wird so zur Stütze und die automatische Display-Drehung dreht das Bild in die benötigte Richtung.

Das Feature ist aber auch gleichzeitig Bug. Wechselt man vom Tablet- in den Ultrabook-Modus, indem man das Display aufklappt, wird die Bildorientierung nicht automatisch korrigiert und das Bild kann so Kopf oder seitlich stehen. Es reicht aber, das Duo 11 kurz anzuheben und zu sich zu kippen, damit der Lagesensor reagiert und das Bild wieder richtig herum dreht.

Spiegeln
Wie bei fast allen Tablets ist auch das Display des Duo 11 stark spiegelnd. Dazu kommt noch, dass man selbst bei der maximalen Helligkeit und bei Kunstlicht den Raster des Touchscreens sieht.

Auch Fingerschmierer bleiben sehr leicht am Glas haften und sind deutlich erkennbar. Bei Filmen mit dunklen Szenen ergibt sich aus der Mischung aus Fingertapsern, Spiegelungen und Touchscreen-Raster eine ungewollte Ablenkung. Viele Spiele mit etwas düsterer Grafik wie Diablo III, XCOM und CoD: MW3 werden durch diese Bildstörungen als zu dunkel empfunden.

Tastatur
Ein Nachteil der Slider-Bauweise ist der reduzierte Platz für die Tastatur. Das Duo 11 macht dies überdeutlich. Die Tasten sind kleiner als bei einer normalen Tastatur. Ruht der linke Zeigefinger auf der F-Taste und der rechte auf der J-Taste, befinden sich bei einem normal großen Keyboard die kleinen Finger auf A bzw. Ö. Beim Duo 11 sind diese aber durch die kleineren Tasten auf der Capslock und Ä-Taste, wenn man nicht gerade besonders zierliche Hände hat.

Positiv ist, dass trotz des geringen Platzes ein angemessener Abstand zwischen den Tasten eingehalten wurde, der Anschlag der einzelnen Tasten gut ist und die F-Tastenreihe nicht mit der Zahlenreihe fusioniert wurde, wie es bei einigen Geräten anderer Hersteller üblich ist. Dennoch muss man sich an das Tippen mit den kleineren Tasten erst gewöhnen.

Als kleines Trostpflaster hat Sony dem Duo 11 noch eine Hintergrundbeleuchtung für die Tastatur spendiert. Einen Tasten-Shortcut zum Aktivieren gibt es aber nicht. Die Beleuchtung schaltet sich automatisch ein und aus, je nachdem was der Lichtsensor des Duo 11 als dunkel oder hell empfindet. Wirklich nachvollziehbar ist das aber nicht. Alternativ kann in der Software Vaio Control Center (keine W8 optimierte Oberfläche) die Tastaturbeleuchtung auf immer an, wahlweise mit Timeout oder immer aus geschaltet werden.

Trackball
Während man mit der Zwangsschrumpfung der Tasten noch leben kann, ist der Wegfall des bei Ultrabooks üblichen Trackpads hart an der Schmerzgrenze. Überschritten wird sie durch den Trackpad-Ersatz: ein optischer Trackball mitten in der Tastatur. Dieser macht die G, H und B-Tasten noch kleiner.

Dadurch, dass der Trackball optisch ist, reicht ein nicht gut gezielter Tastenanschlag, um den Cursor zu bewegen und/oder zu klicken. Da man mit dem Finger absetzen und wieder ansetzen muss, um längere Strecken mit dem Cursor zurückzulegen, etwa vom linken zum rechten Bildrand, besteht auch immer die Gefahr, dazwischen unabsichtlich zu klicken. Unter der Leertaste befinden sich noch drei längliche Tasten, die als linke, mittlere und rechte Maustaste fungieren.

Um die Nerven zu schonen, sollte man deshalb die Klick-Funktion des Trackballs in den Einstellungen deaktivieren oder per Tasten-Shortcut gleich den ganzen Trackball. Mit Touchscreen, Stift oder am besten einer richtigen Maus, hat man ohnehin genügend Alternativen.

Leistung
Trotz Slider-Formfaktor bietet das Duo 11 alle Anschlüsse eines guten Ultrabooks: 2x USB 3.0, HDMI, VGA, Ethernet und einen SD-Kartenleser. An der Front- und Rückseite befindet sich eine Kamera, an der Unterseite ist ein Erweiterungsstecker für einen Zusatzakku. Der Hauptakku ist fix verbaut. Extra-Öffnungen, um etwa zum RAM oder SSD zu gelangen, gibt es nicht.

Mit dem i5 mit 1,7 GHz, der 128 GB SSD und den 4GB RAM entspricht das Duo 11 den Spezifikationen eins durchschnittlich gut ausgestatteten Ultrabooks – was besser als bei einigen, reinen W8-Tablets der Konkurrenz ist. Call of Duty: Modern Warfare 3 kann in 1920 x 1080 Pixel mit hoher Bildqualität und 2x Anti Aliasing flüssig gespielt werden (Schatten, Tiefenschärfe und Spectacular Mapping aus), Dead Island ist mit niedrigen Details und 1280 x 720 Pixel annehmbar.

Unter Volllast ist der Lüfter zwar hörbar, aber weniger laut als bei Ultrabooks mit vergleichbarer Ausstattung. Die Hitzeentwicklung hält sich ebenfalls in Grenzen. Wirklich heiß wird das Notebook auch bei längerem Betrieb unter Volllast nicht.

Beim Profil Höchstleistung und maximaler Helligkeit (zB. beim Spielen) ist der Akku nach 100 bis 120 Minuten leer. Im Web surfen mit reduzierter Helligkeit oder beim Schreiben von Texten sind bis zu fünf Stunden möglich. Mehr Laufzeit gibt es nur unter arbeitsunfreundlichen Bedingungen, wie deaktiviertem WLAN, stark reduzierter Helligkeit und Energiesparmodus.

Die zwei kleinen Lautsprecher an der Vorderseite sind nach unten gerichtet. Die Tonqualität ist der Größe des Duo 11 angemessen. Sind die Standfüßchen ausgeklappt, klingt der Ton etwas kräftiger, wenn der Slider auf einer harten Oberfläche (Tisch) abgestellt ist, da der Schall dann besser reflektiert wird.

Fazit
Das Duo 11 ist ein sehr guter Slider: Die Leistung stimmt, mit der Spiegelung des Displays kann man leben, die kompakte Bauweise erleichtert die Nutzung der Tastatur in beengten Verhältnissen und auch bei der Ausstattung gibt es nicht viel zu bekritteln.

Allerdings ist es der Formfaktor Slider, der aus dem Duo 11 zwei halbe Sachen, anstatt einer All-in-One-Lösung macht. Für ein Tablet, das hauptsächlich für die Unterhaltung gedacht ist, ist es zu schwer und groß. Für ein Ultrabook, mit dem man Arbeiten möchte, ist die Tastatur zu klein und der nahezu fixe Display-Winkel störend. Mögliche Alternativen sind Ultrabooks mit Touchscreen, wie das Asus Zenbook Touch, oder Tablets mit abnehmbarem Tastatur-Dock, wie das HP Envy x2.

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Modell
Sony Vaio Duo 11 SVD1121X9EB
Display
11,6 Zoll IPS Touchscreen (1920 x 1080 Pixel)
CPU
Intel® Core i5 Prozessor 3317U (1,7 GHz, 3 MB L3-Cache)
Arbeitsspeicher
4 GB DDR3 RAM
Grafik
Intel HD Grafikkarte 4000
Betriebssystem
Windows 8 64-Bit (OEM)
Festplatte 
128 GB Solid State Disk
Schnittstellen
2x USB 3.0, VGA, HDMI, SD-Card Reader, Ethernet, Mikrofon, Kopfhörer
Kabellose Schnittstellen
Bluetooth 4.0, WLAN 802.11 a/b/g/n, NFC, Webcam, GPS
Akku
4.050 mAh, 6 Zellen
Gewicht
1,3 Kilogramm
Abmessungen
320 x 199 x 17,8 mm
Preis
1.399 Euro (UVP)
1.199 Euro (Modell mit i3 CPU)

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, vom Kopfhörer über Smartphones und Kameras bis zum 8K-TV.

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