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Fernseher
09/20/2015

Sony X9005C: Der dünnste Android TV der Welt im Test

Der X9005C ist dünner als die meisten Smartphones und will dank Android TV zur Medienzentrale im Wohnzimmer werden. Die futurezone hat das High-End-Modell von Sony getestet.

von Michael Leitner

Viele Journalisten versuchten auf der diesjährigen CES, das Profil der neuen X90C-Fernseher von Sony zu fotografieren, den wenigsten gelang es. Der Grund dafür: Der 4K-Fernseher misst an seiner dünnsten Stelle lediglich 4,9 Millimeter, schmaler als moderne Smartphones.

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Weniger ist mehr scheint die neue Devise bei Sony zu sein, das das Design des 4K-Smart-TVs an allen Ecken und Enden radikal verschlankt hat. Zudem hält mit Android TV ein neues Betriebssystem Einzug. Die futurezone hat das neue Sony-Gerät getestet.

Bilderrahmen statt Keil

Mit dem X9005C verabschiedet sich Sony von der etwas ungewöhnlichen Keilform des Vorgängers. Stattdessen herrscht nun Einfachheit vor, die man in dieser Form auch von anderen Herstellern kennt. Die wuchtigen Lautsprecher an der Seite sind ebenso verschwunden wie die stark abgerundeten Kanten und der große ungenutzte Rahmen. So wirkt der Fernseher deutlich weniger wuchtig und dezenter. Der Rahmen ist mit knapp einem Zentimeter relativ schmal und ist gerade noch sichtbar.

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony verzichtet auf das imposante Design mit Klavierlack und setzt auf schlichte Formen. Die Front wird ausschließlich vom Panel eingenommen, das formlos in ein dünnes, schwarzes Gehäuse verpackt wurde. Die Elektronik inklusive Netzteil wurde vollständig in ein buckelförmiges Gehäuse verfrachtet, das die untere Hälfte des Smart TVs einnimmt. Dieses wirkt wie ein Fremdkörper, verachtfacht er doch die Tiefe des Fernsehers. Mit der Elektronik misst der X9005C immer noch schmale 3,9 Zentimeter. So lässt sich der Fernseher enganliegend wie ein Bilderrahmen auf der Wand montieren.

Aufhängen erwünscht

Das wird offenbar auch von Sony befürwortet, denn eine entsprechende Halterung findet sich im Lieferumfang. Die Anschlüsse wurden so platziert, dass diese auch erreichbar sind, wenn der Fernseher direkt an der Wand anliegt. Lediglich die analogen Anschlüsse (SCART und Komponenten) sowie der LAN- und optische Audio-Anschluss wären in diesem Fall verdeckt. Die Kühlschlitze wurden nach oben ausgeführt, sodass auch der Kühlkreislauf gewährleistet ist. Wer den Fernseher nicht an der Wand montieren möchte, findet auch zwei Standfüße in Silber im Lieferumfang. Diese können an zwei verschiedenen Positionen montiert werden: Ganz außen rechts und links oder mittig.

Bunter Fortschritt

Auch unter der Haube wurden einige Anpassungen vorgenommen. So setzt man nun auf ein IPS- statt VA-LCD-Panel. Während der Vorgänger so vor allem mit einem eindrucksvollen Kontrast punkten wollte, soll das neue Panel vor allem durch seine knalligen Farben und gute Blickwinkelabhängigkeit auffallen. Das ist Sony durchaus gelungen, hin und wieder wirken die Farben sogar zu kräftig und leicht überzeichnet. Das lässt sich jedoch nach eigenem Wunsch recht einfach in den Einstellungen korrigieren.

Den Kontrastverlust will Sony mit der überarbeiteten „4K X-Reality Pro“-Technologie ausgleichen. Im Test ließ sich tatsächlich kaum Unterschied zum Vorgänger-Modell ausmachen, das Schwarz war ebenso satt wie zuvor. Ohnedies leistet der neue X1-Bildprozessor sehr gute Arbeit, vor allem beim Hochskalieren von HD- und 720p-Videos. Diese zeigen kaum Qualitätsverlust, im Vergleich zum Vorgänger wirkt das Bild deutlich schärfer. Bei SD-Inhalten kann der Bildprozessor zwar auch keine Wunder vollbringen, das Bild ist jedoch auch auf dem großen Bildschirm immer noch hübsch anzusehen.

Die 800-Hz-Technologie sorgt weiterhin für flüssige Darstellung, auch bei raschen Bewegungen. Das fällt insbesondere bei Actionfilmen und Sportübertragungen positiv auf, aber auch Videospiele profitieren stark davon. Doch im Vergleich zum Vorgänger hat man den „Weichspüler“-Effekt deutlich reduziert, die Bewegungen wirken realistisch.

Leiser, aber gut ausgestattet

Einen leichten Schritt zurück hat man bei der Audioqualität gemacht. Verständlich, denn während die Lautsprecher des Vorgängers einen großen Teil der Front eingenommen haben, werden sie beim X9005C im Gehäuse dahinter versteckt. Eine Design-Entscheidung, die die Audioqualität etwas dämpft. Sony verspricht Raumklang dank vier 7,5-Watt-Lautsprechern, doch der Effekt fällt etwas mau aus. Der Fernseher kann zwar mit einer hohen Lautstärke überzeugen, der Bass sowie der fehlende Raumklang enttäuschen aber. Wer hier Wert auf Kinoklang legt, sollte sich eine vernünftige Heimkinoanlage anschaffen.

Bei den Anschlüssen bleibt alles beim Alten: vier HDMI-Anschlüsse (zwei davon mit MHL-Unterstützung), drei USB 2.0--Anschlüsse (einer davon mit 800 mA Ladestrom für das Aufnehmen auf einer externen Festplatte) sowie ein CI-Schacht, ein Twin-Triple-Tuner (DVB-T2/S2/C) sowie ein 3,5mm-Klinkenstecker. Zudem setzt man weiterhin auf passives 3D, dieses Mal auch bei dem „Einsteiger“-Modell mit 55 Zoll. Dabei kommen die günstigeren Polfilterbrillen zum Einsatz, die einen etwas leichteren, aber dennoch guten Tiefeneffekt erzeugen. Im Lieferumfang sind jedoch keine enthalten, Sony bietet diese im Handel für zehn Euro pro Stück an.

Übersichtlicher

Der Wechsel zu Android TV hat sich ausgezahlt, die Oberfläche wirkt deutlich aufgeräumter als zuvor. Das Layout ist Android-TV-typisch in Reihen aufgeteilt. Der Benutzer navigiert so durch seine Apps, Spiele, angeschlossenen Geräte, Einstellungen sowie Fernsehsender. Mehr zu Android TV lesen Sie

im futurezone-Test
. Insgesamt stehen 8,2 Gigabyte an lokalem Speicher für Apps und Spiele bereit. Externer Speicher kann nur für Aufnahmen oder heruntergeladene Musik, Bilder und Videos verwendet werden, nicht aber für Apps und Spiele.
Sony hat nur einige wenige Apps vorinstalliert, beispielsweise jene für die Streaming-Dienste Maxdome, Netflix und Amazon Instant Video. Als Browser kommt Opera zum Einsatz – kurioserweise der einzige der großen Browser-Hersteller, der derzeit auf Android TV vertreten ist. Aber auch eines von Sonys wichtigsten Features fehlt noch: PlayStation Now. Der Spiele-Streaming-Dienst ist derzeit in Europa noch in der Beta-Phase, dürfte aber wohl noch dieses Jahr hierzulande an den Start gehen. Bis dahin dürfte Sony auch die App nachreichen, die in Großbritannien bereits für Android-TVs verfügbar ist.

Kampf um Fernbedienung

Mit Googles Cast-Engine hat Sony auch seine proprietären Lösungen weitestgehend aufgegeben und überlässt das Übertragen von Videos, Musik und Bildern der neuen Streaming-Technologie. Diese ist bislang vor allem vom Chromecast bekannt und funktioniert hier ebenso gleich: Der Benutzer tippt das Cast-Symbol in der App an und wählt das Ziel, beispielsweise den X9005C, aus. Der Inhalt wird dann dort wiedergegeben. Eigentlich bietet Google bereits eine ziemlich gute, simple Fernbedienungs-App an, allerdings stellt Sony eine eigene Lösung bereit.

Die App „TV SideView“ ist eine Mischung aus digitalem Programmführer (über den auch Aufnahmen geplant werden können) und Fernbedienung. Die Funktionen sind hier deutlich umfangreicher, dem Benutzer stehen das komplette Layout der Sony-Fernbedienung, ein digitales Touchpad, Tastatur sowie eine vollständige App-Liste zur Verfügung. Lediglich die Suche ist im Vergleich zur Google-App verbesserungswürdig, da hier nur einzelne Apps durchsucht und dann manuell per Cast auf den Smart TV übertragen werden können.

Stotternder Start

Sony macht leider keinerlei Angaben dazu, welcher Prozessor Android TV antreibt. In den technischen Daten ist lediglich die Rede vom Sony X1, der als Bildprozessor fungiert. Welcher Chip auch immer verantwortlich ist, im Test ging ihm rasch die Puste aus. Die Oberfläche begann des Öfteren heftig zu ruckeln und ließ sich kurzzeitig nicht bedienen. Spiele wie „Daytona Rush“ neigten zum Ruckeln und waren so nur eingeschränkt spielbar.

Im Grafik-Benchmark 3DMark (Ice Storm Extreme) erreicht der Chip magere 3154 Punkte, weniger als ein Sechstel der Leistung aktueller Top-Smartphones. Das reicht gerade so für simple Spiele, bei aufwändigen 3D-Spielen ist daher mit keiner stabilen Bildrate zu rechnen. Zudem stürzten einige Apps, wie beispielsweise „Shadow Fight 2“ oder Amazon Instant Video immer wieder ab. Das mag die Schuld der App-Hersteller sein, doch Sony sollte bei der Auswahl der vorinstallierten Apps (wie jener von Amazon) zumindest auf die Stabilität achten.

Kostspielige Schönheit

Die Modelle der X9-Reihe bleiben weiterhin Designerstücke, auch wenn Sony dieses Jahr einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat. Weg mit dem unnötigen Schnickschnack wie Webcam, „Social TV“ und protzigen Lautsprechern. Stattdessen werden Android-TV und eine verführerisch dünne Bauweise forciert, die ein noch besseres Panel sowie ein solides Audiosystem beinhalten.

Doch das ansprechende Design hat seinen Preis: 2.499 Euro werden für das 55-Zoll-Modell, den KD-55X9005C, fällig. Das Top-Modell, KD-65X9005C, kostet gar 3.499 Euro. Dafür bekommt man zweifelsohne einen der besten 4K-Smart-TVs. Wer auf den Hingucker-Effekt verzichten kann, sollte sich die Philips PUK7100-Modelle ansehen, die für rund 500 Euro weniger mit ähnlichen Spezifikationen aufwarten können.