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12/14/2016

Uber will mehr über seine Fahrgäste wissen

Der Fahrtdienst will mit einer neuen App intelligenter werden, sammelt dabei aber auch eine bedenkliche Menge an Daten. Zugleich wird man in Wien immer populärer.

Der Fahrtdienst Uber weiß, wo man hinfahren will, noch bevor es einem selbst bewusst ist. Der Taxi-Konkurrent, der unter anderem auch in Wien tätig ist, hat sich in nur sieben Jahren zu einem Daten-getriebenen Start-up entwickelt, das höchstens von Google und Facebook in den Schatten gestellt wird. Mit den sensiblen Kundendaten will das US-Start-up die eigenen Abläufe optimieren, sodass mehr Fahrten durchgeführt werden können und Fahrgäste so kurz wie möglich warten müssen.

Dazu greift man auf eine Vielzahl an Daten zurück, angefangen vom Standort über Anrufliste, SMS-Nachrichten und Akkustand - und künftig noch viel mehr. So wird seit kurzem der Standort nicht nur während der Fahrt,sondern auch wenn die App im Hintergrund geöffnet ist, aufgezeichnet. Und auch das persönliche Adressbuch kann (optional) auf die Server geladen werden, um Freunden auf Wunsch den eigenen Standort freizugeben.

Prominente und Ex-Freundinnen ausgespäht

Diese Datensammelwut stößt bereits seit vielen Jahren auf Kritik. Nun sorgt aber ein konkreter Fall für Aufsehen. Laut einem Bericht des Online-Portals Reveal haben mehrere Uber-Mitarbeiter unerlaubt auf die Daten von Fahrgästen, beispielsweise Prominenten oder Ex-Partnern, zugegriffen. Diese haben die Bewegungen von prominenten Uber-Kunden, beispielsweise Sängerin Beyoncé, über das interne Tool "Gottes Ansicht" ("God's View") nachverfolgt. Über dieses Tool sind neben Zahlungsinformationen auch die persönlichen Daten von Fahrern abrufbar, beispielsweise deren Sozialversicherungsnummer.

Uber betont, dass man strenge Datenschutzbestimmungen einhalte und nur ausgewählten Mitarbeitern in einzelnen Fällen Zugriff erlaube. In Österreich werde das Tool beispielsweise nur bei regionalen Angeboten eingesetzt, beispielsweisedem kürzlich gestarteten Essenslieferdienst UberEats.Zudem müsse bei Abfragen stets eine Begründung abgegeben werden, um Missbrauch zu verhindern. Diese Maßnahme soll aber laut ehemaligen Uber-Mitarbeitern wie Michael Sierchio nicht greifen: „Als ich bei der Firma war, konntest du deine Ex stalken oder Fahrten jedes Kunden unter der fadenscheinigsten Begründung nachsehen. Niemand musste sein Einverständnis dazu geben.“

Ein ähnlicher Fall sorgte bereits 2014 für Aufsehen. Die Online-Plattform Buzzfeed deckte auf, dass ein hochrangiger Uber-Manager eine Journalistin, die sich kritisch über das Start-up äußerte, überwacht haben soll. Uber betont jedoch, dass es sich dabei um Einzelfälle handeln soll, bislang wurden "weniger als zehn" Mitarbeiter entlassen, weil sie das Tool missbraucht haben.

Funktionen sollen Alltag vereinfachen

Das US-Start-up, das mehr als 60 Milliarden US-Dollar wert sein soll, betont die Vorteile der „Überwachung“. So lernt die neue App dazu: Fährt man beispielsweise regelmäßig zu einem bestimmten Zeitpunkt in das Fitnesscenter, schlägt die App dem Kunden die Fahrt vor. Das Aufzeichnen des Standortes vor und nach der Fahrt wird mit Sicherheit begründet. Uber will lernen, wo Fahrgäste abgeholt und abgeliefert werden. Um zu verhindern, dass diese womöglich über die Straße laufen und so zur Gefahr für den Straßenverkehr werden, will die App stattdessen einen optimalen Abholort vorschlagen. Diese Daten sollen künftig auch selbstfahrenden Autos zugute kommen, wie Uber sie bereits in der US-Stadt Pittsburgh testet.

Das Freigeben des Adressbuches und des Kalenders wird ebenfalls mit Komfort begründet: So können Kontakte ihren Standort freigeben, sodass man statt einer Adresse lediglich den Namen des Freundes als Fahrziel eingeben muss. Zudem schlägt Uber im Kalender hinterlegte Adressen als Fahrziel vor, wenn ein Termin bevorsteht. Neben dem Fahrgast sind aber auch die Fahrer künftig stärker unter "Überwachung": Neben der Bewertung auf der "Fünf-Sterne-Skala" kann man künftig auch angeben, was besonders gut oder schlecht gelaufen ist.

Taxi-Fahrer laufen zu Uber über

Der Dienst wird auch in Wien immer besser aufgenommen, sowohl bei Nutzern als auch Fahrern. "Zwei Drittel der Nutzer sind Einheimische, ein Drittel entfällt auf internationale Nutzer", erklärt Uber-Österreich-Chef Andreas Weinberger. Für zahlreiche neue Fahrer sorgte ein kürzlich gefälltes Urteil des Verfassungsgerichtshofes. Dieser entschied, dass ein Fahrzeug sowohl als Taxi als auch als Mietwagen registriert sein darf. Dadurch wurde es möglich, dass viele Taxi-Fahrer nun nebenher auch Uber-Aufträge annehmen. "Das spricht sich mittlerweile herum, viele fahren sogar schon hauptsächlich damit", so Claus Unterkircher, verantwortlich für den Bereich "Operations and Logistics" bei Uber Österreich.

"Wir wollen nicht als Konkurrenz für Taxi-Unternehmen auftreten oder wahrgenommen werden", betont Weinberger. "Man könnte eher sagen, wir sind gegen den privaten PKW." Da Uber ohne Bargeld und in vielen verschiedenen Sprachen genutzt werden kann, verspricht der Fahrtdienst der Stadt Wien auch stärkere Wertschöpfung im Tourismus. "Ein Tourist, der womöglich am Rande der Stadt wohnt, könnte so davon überzeugt werden, doch noch in die Stadt zu fahren und etwas Essen oder Trinken zu gehen." Insbesondere die Tatsache, dass Uber in Google Maps vertreten ist, die Wiener Linien hingegen nicht, könnte viele Touristen zum Fahrtdienst locken.

Der Ridesharing-Dienst UberPop, bei dem auch Privatpersonen Fahrgäste mitnehmen können, wird in der "bekannten Form" nicht nach Österreich kommen. UberPool, bei dem sich mehrere fremde Fahrgäste ein Fahrzeug teilen, soll aber in absehbarer Zeit auch in Wien verfügbar sein.