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06.01.2015

Von Baby bis Sportler: Die Vermessung des Menschen

Die vernetzte Snowboard-Bindung, Babyflasche oder das Fitness-Pflaster: Die CES startet mit einer Flut an neuen skurrilen Wearables.

Es wird gemessen, gespeichert, ausgewertet, Sensoren erfassen Daten von Menschen, Tieren, Pflanzen und schicken sie in Echtzeit ins Web. Dieses „Internet der Dinge“ wächst rasant. Erst ein Prozent der Gegenstände, die man miteinander vernetzen kann, sind es auch. Das sind weltweit geschätzte zehn Milliarden Geräte. 50 Milliarden sollen es in fünf Jahren sein. Eine Verfünffachung in fünf Jahren – das geht sich aus, denn wir stecken mitten in einem Wearable-Hype.

Sensoren, die Menschen am (mitunter auch im) Körper tragen, kommen immer mehr in Mode. Geräte wie Fitness-Tracker oder Smartwatches sind erst der Anfang, jetzt hebt der Wearables-Markt wirklich ab – interpretiert man die CES in Las Vegas richtig. Denn dort werden derzeit Lösungen gezeigt, die nur einen Schluss zulassen – alles dreht sich um die Vermessung des Menschen, um die Vermessung der Welt.

Für besorgte Eltern

Das französische Unternehmen Slowcontrol hat Produkte entwickelt, mit denen Kindern „gesunde Essgewohnheiten“ anerzogen werden sollen: Das Babyflascherl Baby Glgl, das aufleuchtet, sobald das Kind zu schnell an der Flasche nuckelt, weil es „Luft trinken“ könnte. Das ist ungesund und könnte eine Kolik auslösen. Baby Glgl ist mit einem Smartphone verbunden, in dem eine App genau Buch führt, was das Kind zu sich genommen hat.

Für Eltern, die das Schlafverhalten ihrer Kinder im Auge behalten wollen, gibt es nun den HugOne von SevenHugs. Dieses kleine Kästchen leuchtet auf, wenn die ideale Schlafenszeit für die Kinder gekommen ist und wann sie am besten morgens geweckt werden sollten. Die dazu notwendigen Daten sammelt der HugOne über einen kleinen Sensor, der unter das Kopfkissen gelegt wird. Optional erhältliche vernetzte LED-Glühbirnen ermöglichen zudem das Aufwecken per simulierten Sonnenaufgang.

Messen per Pflaster

Das US-Unternehmen Blue Spark Technologies hat mit TempTRAQ das „einzige intelligente Thermometer“ auf den Markt gebracht. Es wird wie ein Pflaster aufgeklebt (unter dem Oberarm in der Nähe der Achsel), misst die Körpertemperatur und schickt die Daten an ein Smartphone. „So haben Eltern 24 Stunden die Kontrolle über das Kind, was sehr beruhigend ist“, so ein Entwickler. Befürchtungen, dass heikle Gesundheitsdaten in privaten Händen sind und – wie Vorfälle der jüngsten Vergangenheit gezeigt haben – jederzeit gehackt werden könnten, werden von den Entwicklern nicht geteilt. Alles sicher, lautet ihre Devise.

Galerie: XON-Snow 1

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XON-Snow 1

XON-Snow 1

XON-Snow 1

XON-Snow 1

Auch Fitness-Aktivitäten lassen sich per Wearable in Pflaster-Form überwachen. Der AmpStrip zeichnet Puls, Atmung, Temperatur, Haltung und Aktivität auf. Die Batterie soll mit einer Ladung sieben Tage Betrieb ermöglichen, das Pflaster selbst hält drei Tage am Körper. Ähnlich ungewöhnlich ist die vernetzte Snowboard-Bindung XON Snow-1 des japanischen Herstellers Cerevo. Diese zeichnet die Strecke und Geschwindigkeit per GPS auf, zudem wird die Lastverteilung auf dem Snowboard erfasst.

Kaffee per Schlaf-Tracking

Das britische Unternehmen „Smarter“ wird im Frühjahr eine Espressomaschine auf den Markt bringen, die man per App ein- und ausschalten kann. Die Kaffeemaschine wird aber auch mit Schlafphasen-Trackern kommunizieren und die Stärke des Kaffees nach der Schlafeffektivität richten können. Anhand der Analyse-Daten wird errechnet, ob der Mensch einen stärkeren oder schwächeren Kaffee benötigt.

Mit vernetzten Haushaltsgeräten werden wir in den kommenden Jahren immer öfter konfrontiert werden, Waschmaschinen, die man aus der Ferne per App steuern kann sind da erst der Anfang. Das französische Unternehmen Sen.se hat mit mother eine kleine Kunststoffpuppe entwickelt, die in Kombination mit im Haus und an uns verteilten Sensoren eine ganze Familie und unseren Alltag überwacht.

Dass Daten von Fitness-Trackern und Smartwatches, die die Gesundheit überwachen, für Versicherungen interessant sind und sogar bei Prozessen als Beweismittel herangezogen werden können, ist bekannt. Dennoch oder vor allem deshalb, ist ein regelrechter Fitnesstracker-Boom zu erkennen. Auf der CES werden dutzende solcher Lösungen gezeigt.

Unscheinbare Smartwatch

Dass Smartwatches nicht immer wie Smartphones funktionieren müssen, beweist der französische Hersteller Withings mit der Pop. Diese verfügt über ein klassisch analoges Ziffernblatt. Nach außen wirkt sie wie eine analoge Uhr, doch im Gehäuse verbergen sich zahlreiche Sensoren sowie Bluetooth. Mit diesen kann neben der Aktivität auch der Schlaf protokolliert werden.

Withings Activité Pop in Bildern

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Withings Pop

Withings Pop

Withings Pop

Withings Pop

Withings Pop

Withings Pop

Die Uhr zeigt neben der Zeit lediglich auf einer Skala von 0 bis 100 an, wie nahe man dem selbst gesetzten Schrittziel ist. In der dazugehörigen App kann der Benutzer daraufhin die aufbereiteten Daten ansehen. Im Gegensatz zu Smartwatches, die meist nur ein bis zwei Tage Akkulaufzeit bieten, hält die tauschbare Batterie der wasserdichten Pop bis zu acht Monate. Die Uhr soll ab Ende Januar für 150 Euro bei Saturn und online erhältlich sein.

Stimmung und Kalorien messbar

Wer sich nicht mit Schritten und Kalorien zufrieden geben will, bekommt mit dem InBody Band schon bald eine etwas ausgefeiltere Alternative aus Südkorea. Der Fitnesstracker misst über vier Sensoren Körperfettmasse und -anteil, Puls sowie Muskelmasse und errechnet den Body Mass Index. Mit dem Healbe GoBe soll ab Ende Jänner das Kalorien zählen obsolet werden. Dieser soll über die verbauten Sensoren die Kalorienaufnahme schätzen. Laut Healbe wurde die Methode wissenschaftlich geprüft, dabei kam man auf eine Schwankungsbreite von 15 Prozent - die Werte sind daher mit Vorsicht zu genießen.

Galerie: InBody Band

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InBody Band

InBody Band

InBody Band

InBody Band

InBody Band

Deutlich erfolgsversprechender ist die Methode der Stimmungs-messenden Smartwatch Being von Zensorium. Diese misst Puls sowie Blutdruck und teilt nach diesen Werten den Benutzer in verzweifelt, aufgeregt, normal und ruhig ein. Statt Kalorien zu zählen, bietet sich auch ein Besuch im Fitnesscenter an. Die Gymwatch will es Trainings-Einsteigern leichter machen. Dieses Wearable lässt sich an Arme oder Beine schnallen und überprüft, ob man eine Übung richtig ausführt. Dazu muss lediglich zuvor die passende Trainingsübung in der App ausgewählt werden.

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Disclaimer: Redakteure der futurezone berichten vor Ort von der Consumer Electronics Show in Las Vegas. Die Reisekosten werden von der futurezone GmbH selbst sowie von Samsung und der CEA übernommen.