Produkte
08.08.2016

Warum Apple Macs aus dem Jahr 2012 verkauft

Während Apple in seinen anderen Produkt-Sparten laufend Neuerungen präsentiert, verkommen die Macs zum Stiefkind.

Obwohl Apple sein Smartphone-Portfolio regelmäßig im Jahrestakt aktualisiert, wurde eine Produktkategorie in den vergangenen Jahren etwas vernachlässigt: Jene der Macs. Alle derzeit verfügbaren Macs sind mehr als ein Jahr alt, lediglich vom neuen MacBook kam im April 2016 eine neue Version heraus.

Besonders deutlich wird dieses Problem am Beispiel der MacBook-Pro-Reihe. Das 13-Zoll-Modell ohne Retina-Display ist bereits seit über vier Jahren mit gleicher Hardware-Ausstattung am Markt. Ein Update ist unwahrscheinlich. Darauf deutet bereits die Tatsache hin, dass Apple auf seiner Produktseite nur mehr das MacBook Pro Retina aktiv bewirbt. Weil die Retina-Technologie immer günstiger und besser wird, dürfte Apple wohl in Zukunft nur mehr die MacBook-Pro-Schiene mit dem hochauflösenden Bildschirm anbieten. Doch warum verkauft Apple nach wie vor einen vier Jahre alten Laptop?

Der langsame Produktzyklus bei Apple spiegle die Entwicklungen in der Computerindustrie wider, meint Joel Hruska von Extremetech. So fallen die Fortschritte bei der Weiterentwicklung von Hardware nur mehr gering aus, weswegen Hersteller wie Apple immer seltener neue Modelle mit aktueller Hardware anbieten.

Entwicklung stagniert bei Prozessoren

Das zeigt sich insbesondere am Beispiel des Mac Pro (zum futurezone-Test), der zuletzt im Dezember 2013 neue Hardware erhielt. Er wird derzeit in mehreren Konfigurationen angeboten: Das günstigste Modell ist mit einem Intel Xeon Quad-Core-Prozessor der bereits vier Jahre alten Ivy-Bridge-Generation, der mit 3,7 GHz getaktet ist, ausgestattet, das Top-Modell verfügt über eine 12-Kern-CPU mit 2,7 GHz. Im Vergleich mit aktuellen Modellen mit gleich vielen Kernen, zeigt sich, dass nicht viel Unterschied besteht.

Die neuen Broadwell-Prozessoren mit der gleichen Anzahl an Kernen sind zwar etwas anders getaktet - mal höher, mal niedriger - weisen aber durchgehend eine etwas höhere Verlustleistung auf. Die Performance-Sprünge der darauffolgenden Generation (Haswell) fielen mit knapp acht Prozent bereits gering aus, im Falle von Broadwell sind keine genauen Zahlen bekannt. Dieses Plus an Performance könne aber auch nur in einigen wenigen Fällen ausgenutzt werden, beispielsweise bei Programmen, die von den neuen x86-Befehlssätzen AVX2 Gebrauch machen.

Einfach ausgedrückt: Apple hat derzeit wenig Grund, die CPU im Mac Pro durch ein neues Modell zu ersetzen, das durch eine höhere Verlustleistung womöglich sogar ein Redesign des Geräts erfordern würde. Weniger nachvollziehbar ist Apples zurückhaltendes Vorgehen allerdings bei der Grafikkarte: Im Mac Pro ist eine AMD D700-Grafikkarte verbaut. Mittlerweile gibt es aber einige Modelle, unter anderem AMDs RX480, die bei weniger Verlustleistung mehr Performance bieten würden.

Apple kümmert sich nicht um Grafik

Doch Apple dürfte die Grafikleistung kaum kümmern. Jene, die auf GPU-lastige Anwendungen angewiesen sind, greifen meist zu anderen Geräten oder "Hackintosh"-Modellen - das sind selbstgebaute PCs mit PC-Komponenten. Zudem ist macOS trotz der neuen Grafik-API Metal weiterhin rebellisch und verzichtet bewusst auf den OpenGL-Nachfolger Vulkan. Stattdessen setzt man auf eine mittlerweile sechs Jahre alte Version von OpenGL.

Hruska mutmaßt, dass Apple hier auf die kommenden CPU- und GPU-Generationen warten könnte, die nicht nur durch die jahrelange Wartezeit, sondern auch durch neue Fertigungsverfahren größere Performance-Sprünge versprechen.