Produkte
15.08.2016

Withings Body Cardio im Test: Smarte Waage mit Akku

Die akkubetriebene Waage Withings Body Cardio misst Gewicht, Fettanteil, Knochen- und Muskelmasse, Pulswellengeschwindigkeit sowie Raumtemperatur.

Das französische Unternehmen Withings ist bekannt für seine smarte Waagen. Mit Body (130 Euro) und Body Cardio (180 Euro) ist jetzt die nächste Generation dieser Geräte verfügbar. Ich habe in einem Zwei-Personen-Haushalt die Body Cardio getestet. Die Waage selbst ist merklich besser als das Vorgängermodell WS-50, bei der dazugehörigen App sollte Withings nachbessern.

Galerie: Withings Body Cardio

1/12

BodyCardio_KV-DE.jpg

Withings-BodyCardio-f2f.jpg

Unbenannt-1.jpg

w1.jpg

2.jpg

3.jpg

4.jpg

1.jpg

5.jpg

7.jpg

6.jpg

8.jpg

Schwerer und stabiler

Die Body Cardio sieht hochwertiger als die WS-50 aus und fühlt sich auch so an. Sie ist flacher und das Design wirkt so, als hätte sich Withings von Premium-Smartphones inspirieren lassen. Die Streifen auf der Body Cardio dienen nicht der Rutschminderung, haben aber zumindest den Zweck als Indikator. Für die korrekte Messung von Puls und Pulswellengeschwindigkeit sollten die Fersen auf dem zweiten Streifen von unten stehen.

Die Body Cardio ist schwerer als die WS-50 und hat eine neu gestaltete Unterseite. Damit steht sie stabiler auf glatten Böden und Teppichen. Bei der WS-50 musste man sehr genau darauf achten, dass die Waage immer auf derselben Stelle steht, damit die Gewichtsmessung nicht verfälscht wird. Die Body Cardio ist weniger empfindlich. Im Test lieferte sie auf unterschiedlichen Böden konstante Messwerte.

Einrichten

Das Einrichten der Waage per Bluetooth klappt relativ problemlos, auch für mehrere Smartphones und Accounts. Insgesamt können acht User für die Body Cardio angelegt werden. Wird die Waage ins WLAN eingebunden, erfolgt die Synchronisation mit der App auch aus der Ferne – und die Waage kann in der früh eine rudimentäre Wettervorhersage, für Vormittag und Nachmittag, anzeigen. Das beleuchtete Display ist gut ablesbar, auch bei direktem Sonneneinfall.

Die Body Cardio nutzt einen internen Akku statt Batterien. Der Akku wird per MicroUSB-Kabel geladen und hält laut Withings bis zu zwölf Monaten. Der Akkuverbrauch ist leider nicht nachvollziehbar, da die dazugehörige Withings-Go-App sich weigert, den aktuellen Ladestand anzuzeigen. Seit der Inbetriebnahme der Waage steht dieser laut der App auf 69 Prozent – obwohl die Body Cardio laut Displayanzeige danach auf 100 Prozent geladen wurde.

Pulswellengeschwindigkeit

Die Body Cardio ist eine der ersten Waagen, die die Pulswellengeschwindigkeit misst. Diese gibt Aufschluss darüber, wie elastisch die Gefäße sind. Eine hohe Geschwindigkeit sagt aus, dass die Gefäßwände wenig elastisch sind. Studien zufolge haben Menschen mit erhöhter Pulswellengeschwindigkeit eine höhere Mortalität. Zudem kann eine erhöhte Geschwindigkeit ein Indikator für aufkommende Gefäßerkrankungen und Probleme mit der Herz-Kreislauf-Gesundheit sein.

In der App wird die Pulswellengeschwindigkeit in den Bereichen „Optimal“ und „Normal“ angezeigt. Zwar gibt es einen Bereich über Normal, der ist allerdings nicht beschriftet. Meine Pulswellengeschwindigkeit ist von 5,6 m/s am 1. Juli auf 6,2 m/s am 20. Juli gestiegen, was im Normalbereich ist. Sollte ich jemals in den namenlosen oberen Bereich kommen, werde ich wohl eher einen Arzt aufsuchen, als die Ratschläge in der App zu befolgen. Dort werden nämlich solche Weisheiten vermittelt wie „Versuchen Sie Stress zu limitieren, um Ihre Kondition zu verbessern“ oder „Essen Sie mehr Mediterran“.

Die Messung der Pulswellengeschwindigkeit klappte am Anfang nicht. In den ersten zwei Wochen (die fünf ersten Messtage zum Justieren der Funktion nicht mitgezählt), wurde nur etwa jedes vierte Mal die Pulswellengeschwindigkeit gemessen. Mittlerweile klappt es zumindest jeden zweiten Tag. Bei der zweiten Testerin, die etwas kürzere Füße hat, was die korrekte Platzierung auf der Waage vereinfacht, funktioniert die Messung an 4 von 7 Wochentagen.

Muskel- und Fettmasse

Dass das Gewicht von Tag zu Tag schwanken kann, ist normal. Das ist von Wassereinlagerungen abhängig und anderen Faktoren. Allerdings springt bei der Body Cardio der Muskel- und Fettanteil zu stark, weil diese Messung vom Wasseranteil beeinflusst wird.

So hatte ich an einem Tag 13,2 Prozent Fettanteil, am nächsten waren es realistischere 15,8 Prozent. Meine Muskelmasse sprang im Testzeitraum zwischen 70,3 kg und 66 kg hin und her, ohne Tendenz, was bei gleichbleibendem Training und Körpergewicht keine ernstzunehmende Angabe ist. Immerhin die Knochenmasse schwankte lediglich zwischen 3,5 und 3,6kg.

Puls und Raumtemperatur

Die normale Pulsmessung der Waage kann ignoriert werden. Mein Puls wurde im Test oft zu hoch angezeigt, die Gegenerprobe erfolgte per Brustgurt und Wearable mit optischer Pulsmessung.

Temperatur und Luftqualität (CO2-Gehalt) wird in der App im Dashboard im 30-Minuten-Takt angezeigt. Allerdings nicht in Echtzeit. An manchen Tagen ist die Angabe in der App nur eine Stunde hinterher, an anderen über 10 Stunden.

App mit Schwachstellen

Die Withings-App hat mehrere Schwachstellen. So wird zwar für das Gewicht eine Mittelwertkurve angezeigt, den Zahlenwert für diese Kurve kriegt man aber nur einmal wöchentlich per Mail zugeschickt. Eine Durchschnittskurve für den Fettanteil gibt es zwar im Dashboard (nicht in der Timeline), allerdings gibt es hierfür gar keinen Wert. Für den Muskelanteil gibt es nicht mal die Kurve.

Beim Gewicht können Notizen in der Timeline für Werte hinzugefügt werden, diese sind aber nicht in der Ansicht für die Fett- und Muskelmassewerte sichtbar. Die Uhrzeit des Messens sieht man nur in der Gewichtsansicht, nicht aber bei der Muskelmasse oder dem Wasseranteil.

Der Link zu den „Gesunden Ratschlägen“ bei der Pulswellengeschwindigkeit führt ins Leere. Die deutschen Fragen wie „Wie kann ich eine zuverlässige Messung bekommen?“ werden in der App auf Englisch beantwortet.

Bei „Meine Geräte“ kann eingestellt werden, welche Informationen die Body Cardio anzeigen soll. Wird hier die Anzeige der Pulsmessung deaktiviert, wird die Pulswellengeschwindigkeit nicht gemessen – auch wenn „Messung der Fettmasse und Herzfrequenz“ im Einstellungsmenü davor aktiviert ist.

Immerhin funktioniert die Datenübernahme von der Partner-App MyFitnessPal. Google Fit kann die Gewichtsmessung der Withings-App übernehmen. Samsungs S Health wird nicht unterstützt.

Fazit

Das Beste an der Body Cardio ist, dass sie stabiler steht als das Vorgängermodell, damit präzisere Gewichtsmessungen liefert und hochwertiger wirkt. Von der Messung der Muskelmasse bin ich enttäuscht, da der Wert täglich um bis zu 4 kg Muskelmasse schwankt und kein Wochendurchschnitt angezeigt wird. Auch für den Fettanteil gibt es keine Wochenzusammenfassung. Wenn Withings in diesen Punkten und bei anderen Kleinigkeiten bei der App nachbessert, fällt es leichter den Preis von 179 Euro zu rechtfertigen.

Für Self-Tracker ist die Messung der Pulswellengeschwindigkeit interessant, einfach nur weil es ein weiterer Wert ist, mit dem man sich tracken kann. Zudem ist es sehr bequem, da keine Extra-Geräte anlegt werden müssen, sondern man einfach nur auf die Waage steigt. Für den Durchschnitts-User im Alter unter 40 Jahren wird eine tägliche Messung aber kaum von Bedeutung sein.