Withings Go

© Gregor Gruber

Wearables-Test
07/30/2016

Withings Go: Schwimmtauglicher Tracker mit E-Ink-Display

Withings Go misst gehen, laufen, schwimmen und schlafen. Statt einem Akku gibt es eine Knopfbatterie, die bis zu acht Monate hält.

von Gregor Gruber

Man könnte meinen, dass mit der weiten Verbreitung der Smartwatches die Tage der Fitness-Tracker gezählt sind. Die Wunderwuzzis fürs Handgelenk können ohnehin alle möglichen Aktivitäten automatisch messen und manche haben auch Pulsmesser eingebaut. Kurze Akkulaufzeiten und der teils hohe Preis lassen aber die vergleichsweise günstigen Fitness-Tracker noch am Wearables-Markt mitmischen.

Withings Go (70 Euro) erinnert optisch und preislich an Misfit Shine. Statt einzelner LEDs setzt Go auf ein rundes E-Ink-Display. Das ist Always-On, beherrscht aber nur zwei Funktionen. Mittels Strichen wird angezeigt, wie weit man noch von dem in der App eingestellten Schrittziel entfernt ist. Ist das Ziel erreicht, wird statt dem Männchen-Icon ein Stern angezeigt.

Drückt man fest auf das Display, wird auf die Uhrenfunktion umgeschaltet. Zwei Striche zeigen Minuten und Stunden, das Ziffernblatt ist durch 5-Minuten-Striche im Armband angedeutet. Besonders scharf ist das Display nicht und nach der Zeitanzeige sieht man die Schatten der Zeiger. Die Farbe des Displays kann von schwarzen Elementen auf weißem Hintergrund zu weißen Elementen auf Schwarz gewechselt werden – andere Anzeigeeinstellungen gibt es nicht.

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Armband und Clip

Ein ästhetischer Nachteil des E-Ink-Displays ist, dass das Schwarz eher Dunkelgrau und das Weiß schmutzig aussieht. Das mitgelieferte Gummiarmband ist mehr auf Kosten- und Gewichtsersparnis, als auf Design getrimmt. Das Armband ist nahezu ident mit dem Misfit Shine und wird in fünf Farben angeboten.

Der Vorteil des Gummi-Armbands ist das geringe Gewicht und der hohe Tragekomfort. Hautirritationen konnte ich keine feststellen. Für mein Handgelenk ist eine Einstellung etwas zu fest und die Nächstgrößere etwas zu locker – die Möglichkeit einer Zwischeneinstellung gibt es nicht. Ein Armband, bei dem man sich das passende Loch für den Verschluss selbst stanzen kann, wird nicht angeboten.

Alternativ kann Go mit dem mitgelieferten Clip getragen werden, etwa angesteckt am Gürtel oder den Schuhen. Für das automatische Aufzeichnen von Schwimmen wird das Tragen am Handgelenk empfohlen.

8 Monate Laufzeit

Durch das nicht-störende Armband und geringe Gewicht ist ein kein Problem, den Tracker den ganzen Tag und nachts zu tragen. Ein Aufladen ist nicht notwendig. Go nutzt eine handelsübliche CR2032-Batterie und hat damit eine Laufzeit von bis zu acht Monaten.

Damit gibt es nur wenig Ausreden den Tracker nicht zu tragen. Das Always-On-Display ist ein guter Motivator, da man immer sofort sieht, wie viele Schritte man vom Tagesziel entfernt ist und so vielleicht mal die Stufen statt die Rolltreppe nimmt oder eine Straßenbahnstation früher aussteigt.

Tracking

Wie bei allen Trackern gilt auch bei Go: Die Messungen sind relative Angaben, errechnet aus den Daten des Bewegungssensoren. Solange man immer Go verwendet, um ein Ziel zu erreichen oder zu übertreffen, ist es egal ob der Tracker um 200 Schritte mehr oder weniger als der Schrittzähler im Smartphone anzeigt.

Das Lauf-Tracking erfolgt automatisch, nach einer Minute entsprechender Bewegung. Läuft man also 30 Minuten, werden nachher in der App nur 29 angezeigt. Die zurückgelegte Distanz wird hochgerechnet. Will man präzisere Angaben haben, sollte man mit einer Laufuhr, Smartwatch mit GPS oder dem Smartphone mit entsprechender App laufen.

Go ist wasserfest und zeichnet schwimmen automatisch auf. Das Tracking erfasst hier allerdings nur die Zeit und verbrannte Kalorien. Die geschwommene Distanz wird nicht ausgewiesen.

Das Schlaf-Tracking teilt die Zeit in „wach im Bett gelegen“, „leichter Schlaf“ und „tiefer Schlaf“ auf. Die Angaben sind ungenau, das „im Bett wälzen weil ich nicht einschlafen kann“ wurde an mehreren Tagen nicht erkannt, ebenso wenig wie ein Aufwachen in der Nacht, ein Blick auf die Uhr, ein Grummeln und ein Umdrehen, um weiterzuschlafen.

App

Die Daten werden in der Withings-App gesammelt und grafisch aufbereitet. In die App können auch manuell sportliche Aktivitäten eingegeben werden. Puls- und Gewichtsmessung werden von unterstützen Geräten übernommen, vorzugsweise von Withings eigenen Smart-Waagen und Blutdruckmesser.

Das Kalorienzählen überlässt die Withings-App MyFitnessPal. Wer seine Lauf- und Bewegungsfortschritte lieber mit anderen Gadgets trackt, kann Daten von Runkeeper und Bodymedia übernehmen.

Die Hauptansicht der App ist die Timeline, die die gesammelten Daten listet. Im Dashboard gibt es noch eine Ansicht für das „Niveau des Wohlbefindens“. Darin sind Tipps zu lesen wie: „Lassen Sie uns versuchen, ein bisschen mehr zu schlafen. Eine Erinnerung könnte Ihnen dabei helfen, daran zu denken, früher schlafen zu gehen.“

Fazit

Das geringe Gewicht, bequeme Gummiband und die lange Batterielaufzeit sorgen dafür, dass Withings Go regelmäßig getragen wird. Und weil man so immer das Always-On-Display im Sichtfeld hat, wird man erinnert mehr zu gehen. Zudem muss man sich bei Go nicht um das Starten irgendwelcher Aufzeichnungen kümmern, da alles automatisch passiert.

Als motivierender Schrittzähler erfüllt Withings Go also seinen Zweck. Als Schlaf-Tracker ist Go etwas zu ungenau. Gelegenheitsläufer oder Anfänger können mit Go ihre Fortschritte ohne großen Aufwand protokollieren – erfahrene Läufer werden mit den rudimentären Informationen, die Go aufzeichnet, nicht glücklich werden. Für das Schwimmen gibt es bessere Tracker zu ähnlichen Preisen, wie etwa Moov Now.

Die Optik von Go ist, wie immer, Geschmackssache. Das Wearable hat zwar einen gewissen Charme, sieht aber eher nach Spielzeug aus, als nach einem 70 Euro teurem Fitness-Tracker.