© Johannes Zinner

Science
11/30/2015

100 Millionen Euro für den Weltraum

Österreich investiert so viel wie noch nie zuvor in die Raumfahrt und will heimische Unternehmen animieren, sich stärker an Raketenprojekten zu beteiligen.

Österreich eine Weltraum-Nation? Die erste Reaktion auf eine Aussage wie diese löst ein Schmunzeln aus, doch Österreich ist, was die Einwohneranzahl anlagt, tatsächlich ein Land, das relativ viel Geld in die Raumfahrt investiert. „100 Millionen Euro sind es dieses Jahr“, sagt Minister Alois Stöger. „Mit Österreich vergleichbare Länder wie Dänemark oder Finnland geben weit weniger aus.“ Österreichische Unternehmen, die in der Raumfahrt tätig sind, liefern Hightech. Das Wiener Unternehmen TTTech etwa ist ein Partner der NASA und hat zuletzt das Kommunikationssystem an Bord der Raumkapsel Orion mitentwickelt. RUAG Space ist mit Geopositionierungssystemen und Satellitensteuerungen bei vielen Missionen vertreten, Siemens – deren Kompetenzzentrum für Weltraumtechnik sich in Wien befindet – ist ein gefragter Kunde, wenn es um Satellitenkommunikation geht. Im Raketenbau – derzeit werden gerade Projekte bei der Ariane-6-Trägerrakete verhandelt - ist Magna mit Treibstoffleitungen mit an Bord, Ventile liefert Test-Fuchs.

Von den 100 Millionen gehen etwa 50 Prozent an die Europäische Weltraumbehörde ESA - Österreich ist seit 1987 ein Vollmitglied. Acht Millionen an das nationale Weltraumprogramm, 7,5 Millionen an EUMETSAT (seit 1994 Mitglied), der Rest in nationale Projekte. „Da die satellitengestützte Wettervorhersage und Klimabeobachtung in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen wird, werden wir auch in Zukunft sowohl die Pflicht- als auch die Wahlprogramme weiterfinanzieren“, sagt der für „Innovation und Telekommunikation“ zuständige Sektionschef im BMVIT, Ingolf Schädler. So unterstützt man u.a. auch das Programm JASONS-CS (auch unter SENTINEL-6 bekannt), das wiederum im EU-Programm Copernicus eingebettet ist. Hier wird ein globales Meerbeobachtungssystem aufgebaut, da Meere einen großen Einfluss auf das Klima und das Wetter haben. Um heimische Unternehmen stärker am Raketenprojekt Ariane 6 der ESA zu beteiligen, erhöht Österreich seinen Beitrag von 1,5 auf 26,2 Millionen Euro.

Stöger in den USA

Bei seiner USA-Reise vor drei Wochen war Bundesminister Stöger auch im Jet Propulsion Lab (JPL) der NASA in Pasadena. Im JPL wird nicht nur die derzeit laufende Curosity-Mission überwacht, sondern von dort werden auch die Erdbeobachtungs-Satelliten koordiniert. Deren Ergebnisse werden für Konsumenten beeindruckend in einer App aufbereitet – NASA’s Eyes – „aber Europa liegt bei der Erdbeobachtung weit vor den USA“, sagt Schädler. „Wir Europäer verstehen es leider nicht, unser Know-How so gut wie die Amerikaner zu verkaufen.“

JPL

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Das Copernicus-Projekt hält Schädler für eines der innovativsten Erdbeobachtungs-Systeme der Gegenwart, weil nicht nur Land und Atmosphäre, sondern auch die Meeresumwelt, der Klimawandel überwacht bzw. analysiert werden können, zudem wurde eine Infrastruktur für Katastrophen- und Krisenmanagement sowie Sicherheit geschaffen.

Die Bevölkerung sei durchaus stolz auf das, was die ESA und europäische Unternehmen im Weltraum leisten, bei der Rosetta-Mission sei diese Euphorie deutlich spürbar gewesen. Schädler: „Die europäische Weltraumbehörde baut derzeit ein eigenes Programm auf, im Rahmen dessen sie Unternehmensgründungen von Technologiefirmen unterstützt.“

Über 100 Firmen

114 heimische Forschungseinrichtungen und Firmen beschäftigen sich mittlerweile mit der Raumfahrt, vom Grazer Institut für Weltraumforschung über Joanneum Research bis hin zu Salzburg Research und Universität Innsbruck. Neben den bereits erwähnten Firmen gibt es auch neue, die in die Raumfahrt einsteigen wollen, wie etwa FACC, die bereits Flugzeug-Zulierer sind.

Europa muss sich überlegen, was es im Weltraum macht“, sagt Schädler. Mit der Internationalen Raumstation ISS sei es Ende 2025 vorbei, zu diesem Zeitpunkt sind Galileo und Copernicus bereits im All. „Aber wie sehen die europäischen Ziele aus?“, fragt Schädler. „Die USA wollen bis 2030 den ersten Menschen auf den Mars schicken, aber Europa hat kein klares Ziel.“ Die nächsten Ministerkonferenzen würden wichtig sein dafür, wo Europa in der Weltraumfrage hin will, denn Tatsache ist, dass die USA die Ausgaben für die Raumfahrt drastisch zurückgefahren haben. Zwar beträgt das Budget der NASA noch immer etwa 17,5 Milliarden Euro, was das Fünffache des ESA-Budgets ist. „Aber technisch können wir mit den USA mithalten“, so Schädler, „das hat auch die Rosetta-Mission gezeigt, das war nämlich ein technologisches Meisterwerk, die Raumsonde Philae auf dem Kometen Tschuri zu landen. Das ist schwieriger, als auf dem Mars zu landen. Das einzige, was uns fehlt, ist Erfahrung.“