© AIT Austrian Institute of Technology/APA-Fotoservice/Preiss

Forschung
06/10/2014

AIT: “Es geht uns besser, aber noch nicht gut genug”

Das Austrian Institute of Technology bilanziert erneut mit einem leichten Plus, Aufsichtsratsvorsitzender Androsch übt aber trotz höherem Budget Kritik an der Bundesregierung.

von Michael Leitner

Das AIT (Austrian Institute of Technology), die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung Österreichs, zog am Dienstag Bilanz über das Geschäftsjahr 2013. Bereits zum sechsten Mal in Folge war das Geschäftsergebnis positiv, der Jahresgewinn belief sich auf 2,3 Millionen Euro. Die externen Erlöse, die im Zuge von Auftragsforschung und Kooperationen erzielt werden, legten im Vergleich zum Vorjahr um zwei Millionen Euro zu. Die erwirtschafteten Gelder sollen in die zahlreichen Forschungsprojekte des AIT fließen, auch für die kommenden Jahre wird ein ausgeglichener Haushalt erwartet.

Doch trotz der leicht positiven Prognose bereitet der verschärfte Wettbewerb um Fördergelder Sorgen. Laut AIT-Geschäftsführer Anton Plimon sei die Wahrscheinlichkeit auf einen positiv bewerteten Förderantrag auf EU-Ebene deutlich geringer als zuvor. Dennoch konnte der Auftragsstand weiter gesteigert werden, 2013 wurden rund 141,4 Millionen Euro umgesetzt, rund 7,5 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

In Österreich groß, in Europa klein

Dank eine Rahmenfinanzierungsvereinbarung mit dem BMVIT wurden die staatlichen Mittel für die nächsten vier Jahre auf 203 Millionen Euro aufgestockt. Der Großteil des mehr als 500 Millionen Euro schweren Budgets soll aber über Fremdmitteln finanziert werden. Insgesamt 308 Millionen Euro werden bis 2017 über Auftragsforschung und Kooperationen mit Konzernen eingenommen. Damit ist das AIT die mit Abstand größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung Österreichs, liegt aber im europäischen Vergleich weit zurück. Das Schweizer Paul Scherrer Institut kann beispielsweise ein Jahresbudget von 350 Millionen Schweizer Franken (rund 280 Millionen Euro) vorweisen. Das zusätzliche staatliche Geld - rund 50 statt 40 Millionen Euro jährlich - ermögliche es nun, in eine “angemessene Expansionsphase” überzugehen.

Gelder falsch verteilt

Aufsichtsratsvorsitzender Hannes Androsch zeigte sich erfreut über die zusätzlichen Mittel, dennoch sei die Situation unbefriedigend: “Es geht uns besser, aber nicht gut genug.” Vor allem der Wissenschaftsfonds FWF und die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG seien hoffnungslos unterdotiert. Androsch macht die Budget-Politik der österreichischen Bundesregierung für die Problematik verantwortlich. “Dass die Mittel nicht vorhanden wären, kann niemand behaupten. Wohl aber, dass sie falsch ausgegeben werden”, sagt Androsch. “Wir werfen Milliarden mit der Hacklerregelung, irrsinnigen Pendlerpauschalen und unnötigen Umschulungen beim Fenster hinaus.” Er sieht die derzeitige Situation als Chance für Österreich, da viele Länder in der EU einen drastischen Sparkurs fahren und dabei vor allem das Budget für Forschung kürzen. Dafür seien aber mehr Geld und Bildungsreformen erforderlich.

Internationale Erfolge

Mit den zusätzlichen Mitteln soll nun auch das Personal aufgestockt werden, rund 150 neue Stellen sollen in den nächsten vier Jahren geschaffen werden. Doch das erweist sich als Herausforderung. “Hochwertiges Personal ist nicht beim Schlecker im Regal zu haben”, so Androsch. Dabei sei es nicht nur ein Problem, dass hierzulande wenig gute Mitarbeiter zu finden wären, aber auch, dass sie nicht in Österreich forschen wollen. Daher versuche man, über verschiedene Pilotprojekte und Kooperationen stärker öffentlich in Erscheinung zu vertreten. Ohnedies sieht die Bilanz des AIT nicht nur auf finanzieller Seite rosig aus, auch die Forschungsergebnisse geben Anlass zur Freude.

So gewann beispielsweise vergangenen November der AIT-Forscher Klemens Wassermann den prestigeträchtigen Nachwuchswettbewerb Falling Walls Lab. Wassermann hat eine Methode entwickelt, mit der Infektionen deutlich schneller diagnostiziert werden können. So kann statt einer breiten Behandlung mit Antibiotika eine gezieltere Behandlung erfolgen. Die häufige Behandlung mit Antibiotika wird für die Bildung von “Superkeimen” verantwortlich gemacht, die dagegen resistent sind.

Cash Cow gesucht

AIT ist zudem eine strategische Partnerschaft mit dem Halbleiterhersteller Infineon eingegangen, mit dem gemeinsam geforscht und Produkte zur Marktreife gebracht werden sollen. Dabei sollen “Cash Cows” entwickelt werden, die neue Mittel für die Forschung lukrieren. Auf dem besten Weg dahin sei beispielsweise die Pulswellenanalyse, die nicht nur die Grenzwerte, sondern den Pulsverlauf misst. So sei eine genauere Diagnostik möglich. Führend sei man auch bei der Smart Grid-Forschung (mit dem SmartEST Lab) sowie der IECON, der weltweit größten Konferenz für industrielle Elektronik. Laut Wolfgang Knoll, einem der beiden Geschäftsführer des AIT, wolle man sich auf jene Bereiche konzentrieren, in denen man die Technologieführerschaft übernehmen könnte. “Wir müssen auf Platz eins oder zwei sein, ab Platz drei sollte man bereits über einen Rückzug nachdenken.”