© LifeTool

Science
06/03/2013

Apps ermöglichen barrierefreie Tablet-Nutzung

Forscher des Assistive Technology Laboratory (ATLab) in Oberösterreich arbeiten daran, Menschen mit Behinderungen den Zugang zu mobilen Geräten zu ermöglichen. Sie bauen eine Entwicklungsumgebung und Schnittstellen als Basis für die Erstellung barrierefreier Apps.

Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen sind aufgrund motorischer Defizite oft von der Benutzung moderner Kommunikationstechnologie ausgeschlossen. Die Touchscreens von Mobiltelefonen oder Tablets sind etwa für Patienten mit Tremor kaum zu bedienen. "Wir wollen, dass betroffene Personen mit handelsüblichen Geräten interagieren können und nicht mehrere tausend Euro für spezielle Hardware ausgeben müssen. Deshalb arbeiten wir mit iPads und Android-Tablets", sagt Werner Kurschl von der FH OÖ. Das System der Forscher ermöglicht sowohl die Einbindung externer Geräte - etwa Microsofts Gesten-Sensor Kinect, Mundsteuerung oder große Buzzer - als auch ein vereinfachtes Touch-Bedienkonzept um Apps zu steuern.

Vielfältig einsetzbar
Die Zielgruppen sind unter anderem lernschwache Kinder und Menschen mit körperlichen Einschränkungen wie etwa spastische Lähmungen. Auch Senioren oder Reha-Patienten kommen in Frage. Das erste Produkt, das auf Basis des Frameworks entwickelt wurde, ist bereits im App Store verfügbar. Der Switch-Trainer ist als Vollversion für 14,99 Euro erhältlich und kostenlos als Demo. Die App bringt Nutzern spielerisch das spezielle Steuerkonzept der Forscher näher: Der Touchscreen wird in zwei Hälften geteilt, die jeweils mit der flachen Hand angetippt werden können. So können wichtige Aktionen - wie etwa die Navigation durch Menüs oder das Auswählen von Items - ausgeführt werden. Alternativ kann die Eingabe auch über Kinect oder zwei extern angeschlossene physische Buzzer-Knöpfe erfolgen.

Dieses Projekt wird von den Forschungspartnern LIFEtool, FH Oberösterreich in Hagenberg und Johannes Kepler Universität Linz durchgeführt und mit Fördermitteln von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft unterstützt.

"Das Ziel des Projekts ist es, viele solcher Apps zu haben. Dafür entwickeln wir unser Framework", erklärt Kurschl. Die fertige App kommt bei Testpersonen sehr gut an. In Zukunft soll die einfache Steuerung auch für PCs und Windows-Tablets adaptiert werden, die Bildschirme von Smartphones sind für diese Technologie zu klein. Längerfristig sollen die Apps auch Geld in die Kassen der jeweiligen Entwickler spielen. "Der Markt ist natürlich kleiner als für viele andere Apps. Die Nachfrage ist aber groß. Mit 14,99 Euro bewegt sich der Preis der ersten verfügbaren App im normalen Bereich in diesem Segment", sagt Kurschl.

Weitere Pläne
In den kommenden Wochen kommt auch die Android-Version des Switch-Trainers auf den Markt. Bis Herbst soll es bereits einige zusätzliche Apps geben. Durch die Nutzung herkömmlicher Tablets sind die Nutzer mobil und nicht mehr an ihre Desktop-Computer gebunden. Hinzu kommt auch ein gewisser Coolness-Faktor. "Das kommt vor allem bei Kindern gut an", erklärt Kurschl. Die Steuerung wird zu Beginn durch einen Berater individuell auf die Fähigkeiten des Nutzers eingestellt. Als Steuerung für das Betriebssystem selbst oder herkömmliche Apps ist das System nicht geeignet.

Mehr zum Thema

  • Mit NFC gegen Diabetes und Herzschwäche
  • Intelligente Gesundheitslösungen für Zuhause
  • Hautimplantat kommuniziert mit Smartphone