Science
11.03.2011

China: Nur mehr eigene CPUs bei Supercomputern

Statt Intel, AMD oder ARM werden eigene Entwicklungen zum Einsatz kommen. Chef-Wissenschaftler Hu Weiwu betont jedoch, dass der "Loongson"-Chip aktuell noch nicht mit westlichen Produkten mithalten kann.

Ende 2011 werden in Chinas Supercomputern keine ausländischen Prozessoren mehr zum Einsatz kommen. Dies berichtet die staatliche, chinesische Nachrichtenagentur Xinhua und beruft sich dabei auf einen führenden Wissenschaftler. Laut dem Forscher Hu Weiwu wird der kommende Super-Rechner "Dawning 6000", der im Sommer in Betrieb gehen soll, ausschließlich mit dem chinesischen Mikroprozessor „Loongson“ betrieben werden. Weniger als 10.000 Stück davon werden dafür verbaut. „So wie sich ein Land nicht von ausländischem Öl oder Stahl abhängig machen sollte, so braucht China auch einen eigenen Computer-Prozessor“, sagt Hu. Aktuell hält China den ersten Platz auf der Liste der weltweit schnellsten Super-Computer. „Tianhe-1A” von der Universität für Verteidigungstechnologie nutzt allerdings 14.336 CPUs von Intel und 7186 GPUs von Nvidia.

Langsam, aber günstig
Der Loongson-Chip wird an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (Chinese Academy of Sciences - CAS) seit rund zwanzig Jahren entwickelt. Sein Einsatzgebiet war bislang auf Notebooks und Settop-Boxen beschränkt. Der Dawning-Super-Computer selbst wird gemeinsam mit dem dortigen Institut für Computertechnologie sowie der Dawning Information Industry Company entwickelt. Er soll laut Hu Weiwu 1000 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde schaffen und ist somit um mehr als die Hälfte schwächer als Tianhe-1A. Der Forscher kritisiert, dass die Leistung alleine nicht viel bringt. Aktuell mangle es in China vor allem an Software-Entwicklern, die Programme entwerfen, welche das Potenzial der Super-Rechner ausschöpfen.

In 20 Jahren konkurrenzfähig
Hu betont, dass „Loongson“-Chips derzeit mit Produkten westlicher Firmen wie Intel, AMD oder ARM nicht mithalten können. Man habe seit dem Beginn der Prozessor-Forschung 2002 zwar große Fortschritte gemacht, brauche aber noch länger um aufzuschließen. Der Wissenschaftler glaubt, dass spätestens in 20 Jahren China Prozessoren im großen Stil an die USA verkaufen werde.

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