Science
11.07.2013

Computer-Tisch hilft bei Schlaganfall-Therapie

Im Projekt fun.tast.tisch der FH Hagenberg wird gemeinsam mit Partnern der Einsatz von Tisch-Computern in der Rehabilitation von Patienten mit Hirnschädigungen in Folge von Unfällen oder Schlaganfällen erforscht. Die großen Touch-Screens der ins Mobiliar integrierten Computer sollen den Patienten helfen, verlorene Fähigkeiten wiederzuerlangen.

Mithilfe des von Microsoft und Samsung entwickelten Computertischs "PixelSense" wollen die Hagenberger Forscher die Therapie von Patienten mit erworbenen Hirnschäden unterstützen. Das betrifft vor allem Schlaganfallpatienten, aber auch Menschen, die an den Folgen von Sauerstoffunterversorgung oder eines Unfalls leiden, sollen von der neuen Technologie profitieren. Dabei kommen keine neuen Therapieformen zum Einsatz. "Es werden bestehende Übungen für den Einsatz am elektronischen Tisch adaptiert. Es geht auch nicht um eine Verbesserung herkömmlicher Therapien, sondern um das Schaffen eines Mehrwerts", sagt Mirjam Augstein, Projektverantwortliche an der FH Oberösterreich in Hagenberg.

Einfachere Therapie
Computergestützte Therapien gibt es schon seit längerem. Der Vorteil von PixelSense ist, dass die Oberfläche auch den Einsatz von Objekten erlaubt, da der Touch-Tisch aufgelegte Gegenstände sowie die Interaktion mit diesen erkennt. Das erlaubt auch Patienten, die sich mit der Bedienung eines herkömmlichen PCs schwer tun, am Computer zu arbeiten. Zudem sind viele Übungen ohnehin auf die Arbeit an einem Tisch ausgelegt. "Auch die Therapeuten profitieren von der Arbeit mit den intelligenten Tischen. Der Wechsel zwischen Übungen, das Ändern des Schwierigkeitsgrades und die statistische Erfassung des Fortschritts von Patienten sind weitaus einfacher, als wenn die Übungen auf herkömmliche Art gemacht werden", so Augstein.

Ein in erster Version bereits fertiggestellter Prototyp ist eine PixelSense-Version von "Tangram-Training". Dabei werden aus einfachen geometrischen Bausteinen komplexe Figuren konstruiert. Die Patienten können das Spiel mit eigens gefertigten Kunststoffobjekten direkt am Tisch durchführen und die Therapeuten können das Programm an die jeweiligen Gegebenheiten anpassen.

Gute Erfahrungen
Fun.tast.tisch läuft seit Oktober vergangenen Jahres. Bisher sind zwei bis drei Module für den Prototypen fertiggestellt und warten auf eine Evaluierung im klinischen Umfeld mit Patienten. Die Forschungsarbeit ist noch bis Ende September 2014 anberaumt. Fun.tast.tisch ist ein Gemeinschaftsprojekt von LIFEtool, der FH Oberösterreich Campus Hagenberg, der FH Gesundheitsberufe OÖ,  Artgroup Advertising, softaware gmbh, Transparent Design und der Therapeutin Irene Schacherl-Hofer. Es wird auch von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft unterstützt. Bei der Konzeption von Anwendungen sind Patienten und Therapeuten von Beginn an eingebunden. Der verwendete Tisch ist ein herkömmliches PixelSense-Modell, das mit Windows 7 läuft. Die Entwicklungsumgebung und einige Programmbibliotheken werden von Microsoft zur Verfügung gestellt. Die Kosten für ein solches Gerät belaufen sich auf rund 7.500 Euro.

"Therapeuten sind meist nicht alleine, sondern in Einrichtungen oder Gemeinschaftspraxen. Dort ist die Anschaffung eines solchen Geräts kein Problem. So weit sind wir aber noch nicht", erklärt Augstein. Die Patienten, die bisher mit PixelSense in Kontakt gekommen sind, haben sehr positiv auf das Gerät reagiert. "Das direkte Feedback durch den Tisch ist sehr motivierend."

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