Science
18.11.2015

Deutschland hält am Teilchenbeschleuniger FAIR fest

Deutschland will einen eigenen Teilchenbeschleuniger bauen, doch das Projekt sprengt die Kosten bei weitem. Nun will man Schadensbegrenzung betreiben.

Auch nach der Kostensteigerung beim geplanten Teilchenbeschleuniger FAIR hält der Bund an dem ambitionierten Projekt in Darmstadt fest. Die Obergrenze sei jetzt nach einem Plus von 235 Millionen Euro bei fast 1,3 Milliarden Euro gedeckelt, sagte der Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Georg Schütte, am Mittwoch in Darmstadt. FAIR gilt als eines der weltweit größten Vorhaben für die physikalische Grundlagenforschung, etwa über die Vorgänge kurz nach dem Urknall vor etwa 13,8 Milliarden Jahren.

Wie bei CERN

Bei FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research) handelt es sich um eine Anlage zur Forschung mit Antiprotonen und Ionen. Das Projekt zählt zu den größten Forschungsvorhaben weltweit.

Herzstück soll ein 1,1 Kilometer langer Ringbeschleuniger sein. In ihm werden kleinste Teilchen fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Sie prallen in der unterirdischen Anlage auf ein Ziel und zerbersten. Was dann geschieht, soll die Welt von heute erklären helfen und Rückschlüsse auf die komplexen Eigenschaften der Materie und ihre Erscheinungsformen zulassen. Ein ähnliches Projekt ist das Europäische Kernforschungszentrum CERN bei Genf.

Vier Jahre Verspätung

Der Start von FAIR ist jetzt für 2022 und 2025 in zwei Stufen geplant. Ursprünglich war hierfür das Jahr 2018 vorgesehen. Der Finanzplan werde 2019 noch einmal überprüft, sagte Schütte. Ein Kippen des Projekts sei aber „Spekulation“. Die Kosten werden seinen Angaben zufolge zu 70 Prozent von Deutschland und zu 30 Prozent von internationalen Partnern übernommen. Insgesamt hat FAIR Gesellschafter aus neun Ländern.

Die zusätzlichen 235 Millionen Euro seien wegen „erhöhter Brand- und Strahlenschutzanforderungen“ zu den ursprünglich angepeilten 1,027 Milliarden Euro hinzugekommen, sagte Schütte. Davon übernehme Deutschland 173 Millionen Euro. Diese Zahlen hatte die „Wirtschaftswoche“ bereits genannt. Die von Schütte genannten Summen beziehen sich auf das Preisniveau von 2005. Pro Jahr müsse eine Teuerung von durchschnittlich 1,3 Prozent eingerechnet werden.