Science
12.03.2012

Erster Smart Meter-Pilotversuch in Wien

In Wien werden heuer im Rahmen eines Pilotversuchs die ersten Haushalte mit „intelligenten Stromzählern“ (Smart Meter) ausgestattet. Laut dem Geschäftsführer der Wien Energie Stromnetz GmbH, Reinhard, Brehmer, ist der Zeitplan des Wirtschaftsministeriums für die Einführung nicht realisierbar.

Der Startschuss der flächendeckenden Einführung könnte 2016 erfolgen, sagte Brehmer. Die Einführung müsse gut vorbereitet sein, es dauere noch rund ein Jahr bis die Rahmenbedingungen, wie etwa EU-Standards für Zähler, abgeklärt seien. Eine Abdeckung zu 95 Prozent sei bis 2020 machbar.

Der vom Wirtschaftsministerium vorgesehene Zeitplan - österreichweit 95 Prozent Abdeckung bis 2018 und 15 Prozent bis 2014 - sei zu kurz für viele Energieversorger. „15 Prozent bis 2014 geht sich nicht aus.“ Die EU schreibt lediglich vor, dass die Ausstattung mit Smart Meter zu 80 Prozent bis zum Jahr 2020 erfolgen muss. Die Verordnung des Wirtschaftsministeriums kritisierten zuletzt bereits auch die Arbeiterkammer, die Mietervereinigung sowie die Ärztekammer.

Rund 150.000 Zähler ausgetauschtIn Österreich gebe es mehr als fünfeinhalb Millionen Stromzähler, allein in Wien seien es 1,5 Millionen. In Österreich gibt es bereits jetzt einige Energieversorger, wie etwa die Linz AG oder die Energie AG Oberösterreich, die Smart Meter über Pilotversuche hinaus einführen. Letzten Schätzungen der Regulierungsbehörde E-Control zufolge dürften bundesweit rund 150.000 Smart Meter installiert sein.

In Österreich seien derzeit zwei Modelle zugelassen, diese seien aber nicht interoperabel, so Brehmer. Wichtig seien - auch in Hinblick auf die Kosten - Wahlmöglichkeiten zwischen mehreren Anbietern. Die Wien Energie plane eine EU-weite Ausschreibung, dafür seien neben den Standards für die Zähler auch standardisierte Kommunikationsschnittstellen nötig.

EU-Standardisierungen noch in diesem JahrDie entsprechenden EU-Standardisierungen erwartet Brehmer noch für heuer. Man wolle nicht Zähler einführen, die nach drei Jahren wieder getauscht werden müssen. Die Ausschreibung könnte 2013 erfolgen, der Start 2014. Der große Roll-Out könnte dann etwa ab 2015/16 starten und dauere rund vier Jahre. Die Investitionskosten für die Wien Energie Stromnetz GmbH dürften bei deutlich mehr als 300 Millionen Euro liegen. Derzeit investiert die Wien Energie Stromnetz rund 160 Millionen Euro pro Jahr.

Datenschutz und -sicherheitBei der vorgesehenen viertelstündlichen Datenübermittlung entstünden 180 Millionen Datensätze pro Tag, derzeit seien es 1,5 Millionen Datensätze pro Jahr, illustriert Brehmer die Dimension der Umstellung. Es handle sich bei der Smart-Meter-Einführung um das größte Gesamtprojekt, „das wir je hatten“.

Zum Thema Datenschutz wies Bremer darauf hin, dass die Daten beim Netzbetreiber sehr rasch anonymisiert werden. Missbrauch mit sensiblen Daten sei zudem wohl leichter über Handys oder W-LAN-Verbindungen möglich. Auch hier seien Standardisierungen wichtig. Bezüglich Datensicherheit werde sehr viel getan, denn: „Wer glaubt, er ist sicher, der ist schon verloren.“

Mehrkosten für KundenFür die Kunden könnte es bei den Netztarifen zunächst zu Mehrkosten kommen, mittelfristig bis längerfristig seien auf der Netz-Seite Einsparungen von 15 bis 20 Prozent möglich, die dann über Netztarifsenkungen wieder beim Kunden landeten. Die Umstellung auf die „intelligenten Stromzähler“ müsse auch im Zusammenhang mit Energieeffizienz gesehen werden. Aber: „Ein Smart Meter alleine hat noch nichts gespart, man muss damit etwas tun.“

Der Ausbau der erneuerbaren Energien und dezentrale Erzeugung stelle auch die Stromnetze vor enorme Herausforderungen, für „intelligente Netze“ seien Messungen über Smart Meter nötig. „Wenn ich ja zu Windkraft und Photovoltaik sage, muss ich auch ja zu Smart Meter sagen.“ Smart Grids bedürften hoher Investitionen, vor allem auf Verteilnetz-Ebene. Brehmer erwartet durch die Umstellung auf Erneuerbare und dezentrale Erzeugung einen völligen Umbruch bei den Stromnetzen. Eine sehr volatile Einspeisung sei für die Netzbetreiber viel schwieriger zu handhaben als dies beim bisherigen Kraftwerkspark der Fall sei.

Zum Thema Datenschutz wies Bremer darauf hin, dass die Daten beim Netzbetreiber sehr rasch anonymisiert werden. Missbrauch mit sensiblen Daten sei zudem wohl leichter über Handys oder W-LAN-Verbindungen möglich. Auch hier seien Standardisierungen wichtig. Bezüglich Datensicherheit werde sehr viel getan, denn: „Wer glaubt, er ist sicher, der ist schon verloren.“

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