Science
13.06.2017

Heißluftballons und Drohnen jagen Energieverschwender

Eine neue Methode ermöglicht die thermische Analyse ganzer Stadtteile. Dabei werden auch Probleme erkannt, die nicht durch die eigenen vier Wände verursacht werden.

Viele Hausbesitzer haben ihre eigenen vier Wände schon mal auf thermische Schwachstellen überprüfen lassen. Doch nicht immer ist das eigene Zuhause die Ursache der Probleme, oftmals verstecken sich die Antworten in der Umgebung. Diese soll nun eine neue Analysemethode ausfindig machen, die von Siemens-Forschern gemeinsam mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) und dem Institut für Nachhaltige Technologien (AEE INTEC) entwickelt wurde.

Suche nach Hotspots

Dabei werden mit Heißluftballons und Drohnen Fotos aus der Luft gemacht, die von einer Software in 3D-Modelle umgewandelt werden. Über diese werden Energieverluste und mögliche Zusammenhänge sichtbar gemacht. Die Vorgehensweise dabei ist in zwei Schritte aufgeteilt. Zunächst werden Aufnahmen von ganzen Stadtteilen mit Heißluftballons gemacht, um die sogenannten „Hotspots“ zu identifizieren. Dabei handelt es sich um Bereiche, die ein besonders hohes Einsparungspotential besitzen.

„Diese thermische Grobanalyse zeigt bereits deutlich, wo die energetisch kritischen Areale einer Stadt liegen“, so Projektleiterin Claudia Windisch von der Forschungsgruppe Active Vision Technologies bei Siemens Corporate Technology. Anschließend werden diese Daten mit Detailaufnahmen, die mit Drohnen aus geringerer Distanz gemacht werden, verfeinert. Zudem werden die Eigentümer befragt, die betroffenen Gebäude besichtigt sowie Daten aus bestehenden Energieausweisen eingetragen.

Maßnahmen werden simuliert

Der Vorteil der Methode: Statt ein Gebäude isoliert von seiner Umwelt zu betrachten, werden auch äußere Einflüsse berücksichtigt. Laut Karl Höfler von der AEE INTEC könne man so beispielsweise erkennen, in welchen Gebieten durch starkes Heizen verstärkt Feinstaub auftritt. „Stadtverantwortliche erhalten dadurch eine Entscheidungshilfe für die Raum- und Energieplanung. Sie können ableiten, in welchen Gebieten beispielsweise künftig Fernwärmeanschlüsse gelegt werden sollen. Solche Maßnahmen werten die betroffenen Stadtteile auf, weil die Luftqualität sich verbessert und Immobilienwerte steigen.“

Die Methode wird bereits seit 2015 in der steirischen Stadtgemeinde Gleisdorf erprobt, die Erkenntnisse wurden mittlerweile an die betroffenen Gebäudeeigentümer sowie die Stadtwerke übergeben. Dabei hat man konkrete Vorschläge abgegeben, wie die Effizienz durch Sanierung oder Umstellung der Heizmethoden verbessert werden kann. Die Auswirkungen wurden von einer Entscheidungs-Software simuliert, um neben den damit verbundenen Kosten auch den Nutzen abschätzen zu können. Auf Basis dieser Ergebnisse will nun die Stadt Gleisdorf auch in eine Sanierungsoffensive investieren.

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen Siemens und der futurezone entstanden.