Science
06.08.2015

IS-Terror: Irak digitalisiert jahrtausendealte Schriften

Bagdads Nationalbibliothek beherbergt tausende von antiken Büchern und Manuskripten. Dieser Kulturschatz soll nun digitalisiert werden, um es vor der Zerstörung des Islamischen Staates zu schützen.

Neben der Veröffentlichung von Hinrichtungsvideos im Internet ist die Zerstörung von nationalen Kulturgütern ein fixer Bestandteil der Propagandastrategie der IS-Dschihadisten. Im Zuge der Eroberung der irakischen Stadt Mosul durch den Islamischen Staat wurden beispielsweise die Bibliothek und das Museum gestürmt. Damals zerschmetterten die IS-Terroristen mit Presslufthämmern 3000 Jahre alte Skulpturen aus der Zeit des Assyrischen Reiches.

Um der ideologisch motivierten Zerstörungswut entgegenzuwirken und jahrtausendealte Büchersammlungen bzw. Manuskripte für die Nachwelt zu bewahren, startet die irakische Nationalbibliothek nun ein umfassendes Digitalisierungsprojekt.

Archivierung mit Mikrofilm

Im Zuge der digitalen Archivierung greifen die Experten der irakischen Nationalbibliothek jedoch auch verstärkt auf Mikrofilm zurück. Obwohl Mikrofilm als Massenspeicher gegenüber digitalen Medien aus der Mode gekommen ist, schätzen die Archivare insbesondere die Langzeitbeständigkeit dieses Speichermediums. Bei einer sachgerechten Lagerung hat Mikrofilm eine Haltbarkeit von zirka 500 Jahren. Durch das analoge Aufzeichnungsverfahren sind die gespeicherten Informationen jederzeit mit dem menschlichen Auge und den einfachsten optischen Hilfsmittel lesbar

Digitale Vergänglichkeit

Auch das Nationalarchiv der Vereinigten Staaten greift auf derartige Methoden zur Datensicherung zurück. Damit digitale Daten für die Nachwelt erhalten bleiben, müssen diese immer wieder in neuen Formaten abgespeichert werden. In Zeiten des rasanten technologischen Fortschritts im Bereich der Speichermedien bedarf es daher einer Kombination aus digitalen und analogen Speicherverfahren, um die Lesbarkeit für spätere Generationen zu gewährleisten, so das Nationalarchiv. Zuletzt kritisierten zahlreiche Historiker und Informatiker immer wieder die Vergänglichkeit von digitalen Daten im Rahmen von Langzeitarchivierungen.