Science
27.03.2013

Linzer Institut liefert Software für E-ELT

Mit mathematischen Methoden zur adaptiven Optik, entwickelt vom Linzer Johann Radon Institute for Computational and Applied Mathematics, wird das geplante größte optische Teleskop der Welt seinen 40-Meter-Spiegel optimal einstellen können. Einflüsse der Atmosphäre auf das Extremely Large Telescope sollen so minimiert werden.

Das Linzer Johann Radon Institute for Computational and Applied Mathematics (RICAM) hat Berechnungen angestellt, die eine optimale Bildqualität beim

bewirken sollen. Das gab der Rektor der Uni Wien, Heinz Engl, am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz in Linz zur Feier des zehnjährigen Bestandes des Institutes bekannt, dessen Gründungsdirektor er ist.

Engl, der am Donnerstag während eines Kolloquiums zum Jubiläum auch seinen 60. Geburtstag feiert, nannte die Berechnungen für das Gemeinschaftsprojekt European Extremely Large Telescope (E-ELT) in Chile als ein Beispiel der praktischen Anwendungen, die aus dem Mathematik-Institut stammen. Der Spiegel mit einem Durchmesser von über 40 Metern muss entsprechend eingestellt werden, um die Einflüsse der Atmosphäre auf die Sicht in das Weltall möglichst auszuschalten. Das RICAM hat dazu "schnelle mathematische Methoden zur adaptiven Optik" entwickelt, die voraussichtlich bei dem Projekt eingesetzt werden.

Mathematische Grundlagenforschung
Es lieferte auch die mathematischen Grundlagen für schnelle Simulationen von verschiedenen Vorgängen in Kraftfahrzeugen. Die bis dahin verwendeten Methoden waren viel zu langsam, dass die Simulationen zeitlich mit der praktischen Erprobung auf Prüfständen mithalten konnten. Um sie zu beschleunigen, waren nicht schnellere Rechner, sondern neue Rechenmethoden notwendig.

Das Institut arbeitet zudem im Bereich der mathematischen Finanz für die Risikoanalyse von Finanzprodukten, ermöglichte für die Stahlerzeugung Simulationen der Vorgänge in Hochöfen sowie beim Strangguss und bekam ein europäisches Patent für eine zusammen mit anderen entwickelte Methode zu Prognosen bei Diabetes-Patienten. Der Namensgeber des Institutes, der Mathematiker Johann Radon, der später auch Rektor der Uni Wien war, hat 1917 eine wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht, die zunächst in Vergessenheit geriet, ohne die aber die mehrere Jahrzehnte später gebauten Computertomografen nicht funktionieren würden.

60 Wissenschaftler aus aller Welt
Das RICAM ist Teil der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Es soll anwendungsoffene mathematische Grundlagenforschung auf höchstem Niveau betreiben. Großer Wert wird dabei auf die Zusammenarbeit und Vernetzung nicht nur mit dem Standort, der Linzer Johannes Kepler Universität, sondern auch mit anderen nationalen und internationalen Forschungspartnern. Gegründet wurde das Institut mit einer Handvoll Mitarbeitern. Inzwischen sind dort 60 Wissenschafter aus der ganzen Welt tätig. Zum Grundbudget, das von der ÖAW zur Verfügung gestellt wird, steuert auch das Land Oberösterreich eine Förderung bei. Ein Drittel des Aufwandes wird durch Drittmittel finanziert.

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