Science
27.12.2014

Neue Transfermethode soll Mars-Flüge billiger machen

Beim "ballistischen Einfangen" erspart sich ein Raumschiff das Abbremsen vor seinem Ziel und damit enorme Mengen Treibstoff.

Zwei Mathematiker aus Italien haben einen Weg gefunden, um Mars-Flüge günstiger zu gestalten. Edward Belbruno und Francesco Topputo von der Polytechnischen Universität von Mailand haben ihre Erkenntnisse zum "ballistischen Einfangen" (ballistic capture) nun in einem Fachmagazin veröffentlicht, wie Scientific American berichtet.

Einholen lassen

Bei ihrer Transfermethode wird ein Raumschiff in die Umlaufbahn des Mars geschossen, wo es dem Planeten vorauseilt. Der Planet holt das Raumschiff langsam ein, durch die Anziehungskraft schwenkt das Raumschiff in eine Orbitallage ein, ohne dafür zusätzlichen Treibstoff aufwenden zu müssen. Bei der bisherigen Transfermethode fliegt das Raumschiff wesentlich schneller als der Planet und muss mit enormem Treibstoffaufwand abbremsen, um nicht über das Ziel hinaus zu schießen.

Längere Reise

Das "ballistische Einfangen" bietet neben der Treibstoffersparnis weitere Vorteile. So können Raumschiffe mit der Methode jederzeit zu ihrem Ziel losgeschickt werden, enge Startfenster werden obsolet. Durch die Einsparungen von bis zu 25 Prozent bei Treibstoff kann zudem mehr Fracht mitgeführt werden. Allerdings gibt es auch einen großen Nachteil: Während ein direkter Transfer mit derzeitiger Technologie sechs Monate dauert, kämen beim "ballistischen Einfangen" noch einige Monate dazu.

Ideal für unbemannte Missionen

Die NASA zeigt sich dennoch begeistert über die Methode. Brauchbar erscheint sie vor allem für Versorgungsmissionen oder das Entsenden unbemannter Raumschiffe oder Rover zum Mars. Das "ballistische Einfangen" wurde in der Vergangenheit bereits erfolgreich bei einzelnen Raumsonden-Missionen zum Mond erprobt. Die beiden italienischen Mathematiker liefern nun erstmals die theoretischen Voraussetzungen zur Anwendung auf den Mars oder andere Planeten des Sonnensystems.