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Energie
05/09/2011

Schallwellen laden künftig Handy-Akkus auf

Ein südkoreanischer Wissenschaftler hat eine Methode entwickelt, die erlaubt, mittels Lärm Strom zu erzeugen. So könnten künftig Handys während Gesprächen oder auch durch Umgebungslärm geladen werden. Auch in Lärmschutzwänden soll die Idee zum Einsatz kommen.

Aus Lärm wird Strom: Auf diese kurze Formel lässt sich die Forschung von Sang-Woo Kim verkürzen. Der südkoreanische Wissenschaftler hat ein System entwickelt, das Geräusche nützt, um Strom zu erzeugen. Dies berichtet die britische Zeitung The Telegraph. Was skurril klingt, jedoch durchaus plausibel ist: Bei diesen auf Piezoelektrizität ausgelegten Nano-Generatoren versetzen die Wellen eine Schallabsorbierende Membran oberhalb zweier Elektroden in Bewegung. Zinkoxid-Drähte, die zwischen den Elektroden platziert sind, werden dadurch alternierend komprimiert bzw. gedehnt, wodurch Strom entsteht.

Der Wissenschaftler, der am Institut für Nanotechologie an der Sungkyunkwan Universität forscht, hat bereits konkrete Anwendungsbeispiele. So könnten seine Erkenntnisse etwa in Mobiltelefonen Verwendung finden: Der Lärm, der durch Gespräche entsteht, könnte postwendend für die Ladung des Akkus verwendet werden. Auch sei es möglich, Umgebungsgeräusche für diesen Zweck zu nutzen. Ein weiteres Einsatz-Szenario seien dem Forscher zufolge Lärmschutzwände auf Autobahnen. Durch die Integration seiner Forschung könnten sie auf diese Art Energie erzeugen. Und: Da sie den Lärm „schlucken“ ergäbe sich ein praktischer Nebeneffekt.

Gewonnene Energie noch zu gering
Bevor die Idee das Labor jedoch verlässt und Einzug in den Alltag hält, muss noch intensiv gearbeitet werden. Nach derzeitigem Forschungsstand könnten aus 100 Dezibel, was in etwa einem Presslufthammer entspricht, lediglich 50 Millivolt erzeugt werden – was zum Laden weit zu gering ist. Für kleine Sensoren würde es jedoch bereits reichen. Laut dem Forscher handle es sich jedenfalls um eine bislang kaum beachtete, erneuerbare Energie. Da es nie wirklich still sein, machten Geräusche als Quelle durchaus Sinn.

Solch Rückgriff auf Alltägliches zur Gewinnung von Strom stellt mittlerweile keinen Einzelfall dar. Sang-Woo Kim hat seine Forschung bereits ein andermal für ein weiteres Anwendungsgebiet vorgestellt. So könnte der Piezoeffekt auch bei Touchscreens genützt werden. In den Niederlanden gibt es wiederum eine Diskothek, in deren Boden ein System verbaut ist, das die Fußbewegungen in Strom umwandelt. In Tokio wird ein ähnliches System in der U-Bahn getestet. Auch im Bereich der Wearables wird geforscht, wie in Kleidung integrierte Technologie menschliche Bewegung in Strom umwandeln kann.