Science
11.04.2011

Singularität: Ist die Ära der Menschen zu Ende?

Wenn sich Software selbst intelligenter programmiert, droht dann der technologische Ausnahmezustand? Werden wir tausend Jahre alt, wenn exponentieller Fortschritt erst einmal die Genetik erreicht? Ein Blick hinter die Utopien und Verheißungen technologischer Singularität.

Geht es nach Vernor Vinge, dann tickt die Uhr. Der Mathematiker und Computerwissenschafter argumentierte 1993 im Aufsatz „The Coming Technological Singularity“, dass mit der Erschaffung übermenschlich intelligenter Computer dunkle Zeiten über uns hereinbrechen. Das Ereignis dieser sogenannten Singularität sei ähnlich bedeutend wie die Entstehung menschlichen Lebens. Grund zum Feiern scheint es jedoch keinen zu geben. „Kurz danach“, schreibt Vinge, „ist die Ära der Menschen zu Ende“. Wie lange uns bis dahin noch Zeit bleibt? 19 Jahre - günstigstenfalls.

Cyborgs und TausendjährigeTechnologische Singularität beschreibt eine Reihe an Szenarien. Im Kern geht es darum, dass Technologie exponentiell wächst und Computer, sobald diese intelligent sind, eine sprunghafte Beschleunigung des Fortschritts herbeiführen sollen. Zur Singularität könnte es laut Vinge auch kommen, wenn Menschen über maschinelle Schnittstellen - Stichwort Cyborg - superintelligent werden; oder wenn es Genetiker schaffen, das menschliche Gehirn aufzupeppen.

Geht es nach Vernor Vinge, dann tickt die Uhr. Der Mathematiker und Computerwissenschafter argumentierte 1993 im Aufsatz „The Coming Technological Singularity“, dass mit der Erschaffung übermenschlich intelligenter Computer dunkle Zeiten über uns hereinbrechen. Das Ereignis dieser sogenannten Singularität sei ähnlich bedeutend wie die Entstehung menschlichen Lebens. Grund zum Feiern scheint es jedoch keinen zu geben. „Kurz danach“, schreibt Vinge, „ist die Ära der Menschen zu Ende“. Wie lange uns bis dahin noch Zeit bleibt? 19 Jahre - günstigstenfalls.

(Zwiti) Cyborgs und Tausendjährige

Technologische Singularität beschreibt eine Reihe an Szenarien. Im Kern geht es darum, dass Technologie exponentiell wächst und Computer, sobald diese intelligent sind, eine sprunghafte Beschleunigung des Fortschritts herbeiführen sollen. Zur Singularität könnte es laut Vinge auch kommen, wenn Menschen über maschinelle Schnittstellen - Stichwort Cyborg - superintelligent werden; oder wenn es Genetiker schaffen, das menschliche Gehirn aufzupeppen.

Die Szenarien, die auf diesen Wendepunkt folgen sollen, reichen v

Geht es nach Vernor Vinge, dann tickt die Uhr. Der Mathematiker und Computerwissenschafter argumentierte 1993 im Aufsatz „The Coming Technological Singularity“, dass mit der Erschaffung übermenschlich intelligenter Computer dunkle Zeiten über uns hereinbrechen. Das Ereignis dieser sogenannten Singularität sei ähnlich bedeutend wie die Entstehung menschlichen Lebens. Grund zum Feiern scheint es jedoch keinen zu geben. „Kurz danach“, schreibt Vinge, „ist die Ära der Menschen zu Ende“. Wie lange uns bis dahin noch Zeit bleibt? 19 Jahre - günstigstenfalls.

 

(Zwiti) Cyborgs und Tausendjährige

 

Technologische Singularität beschreibt eine Reihe an Szenarien. Im Kern geht es darum, dass Technologie exponentiell wächst und Computer, sobald diese intelligent sind, eine sprunghafte Beschleunigung des Fortschritts herbeiführen sollen. Zur Singularität könnte es laut Vinge auch kommen, wenn Menschen über maschinelle Schnittstellen - Stichwort Cyborg - superintelligent werden; oder wenn es Genetiker schaffen, das menschliche Gehirn aufzupeppen.

 

Die Szenarien, die auf diesen Wendepunkt folgen sollen, reichen von düster (Terminator) bis hin zu einem Goldenen Zeitalter, in dem Technologie keinen Stein auf dem anderen lässt: Rechner, die sich an die Umprogrammierung ihrer eigenen Software machen und sämtliche Krankheiten heilen; genetischer Code, der leichtfüßig wie Maschinencode umprogrammiert wird, bis dabei Menschen herauskommen, die tausend Jahre alt werden.

 

on düster ( Terminator) bis hin zu einem Goldenen Zeitalter, in dem Technologie keinen Stein auf dem anderen lässt: Rechner, die sich an die Umprogrammierung ihrer eigenen Software machen und sämtliche Krankheiten heilen; genetischer Code, der leichtfüßig wie Maschinencode umprogrammiert wird, bis dabei Menschen herauskommen, die tausend Jahre alt werden.

Die Szenarien, die auf diesen Wendepunkt folgen sollen, reichen von düster (Terminator) bis hin zu einem Goldenen Zeitalter, in dem Technologie keinen Stein auf dem anderen lässt: Rechner, die sich an die Umprogrammierung ihrer eigenen Software machen und sämtliche Krankheiten heilen; genetischer Code, der leichtfüßig wie Maschinencode umprogrammiert wird, bis dabei Menschen herauskommen, die tausend Jahre alt werden.

Singularity UniversityFür Gabriele Rossi, IT-Unternehmer und Mitbegründer des italienischen Unsterblichkeitsforschungszentrums iLabs, steht außer Frage, dass die heute 20- bis 25-Jährigen als erste Generation Singularität erleben werden. Das Ereignis werde „einzigartig in der Menschheitsgeschichte sein“, erklärte Rossi kürzlich am iLabs Singularity Summit in Mailand. Scheu vor grellen Technofantasien gab es bei der Veranstaltung keine: da ist von Menschen und Maschinen als schnurrende Einheit die Rede; Energie, die direkt von Sonne abgezapft wird; der Heilung von Krebs und der Überwindung von Alter und Tod.

Trotz oder gerade wegen seines utopischen Anstrichs ist Singularität ein angesagtes Thema. So wurde am NASA-Campus des Ames Research Center im kalifornischen Mountain View 2008 ein Institut namens Singularity University gegründet. Studienabsolventen unterschiedlichster Disziplinen soll dort ein besonderer technologischer Weitblick beigebracht werden. Dazu wird ihnen ein Medley an Zukunftstechnologien serviert, das von 3D-Druckern, die Organe produzieren bis hin zu Quantencomputern reicht. Zu den Unterstützern der interdisziplinären Einrichtung zählen unter anderem Google, Nokia und Autodesk. Angeboten wird ein zweieinhalb Monate dauerndes Sommerprogramm, das trotz einer Einschreibgebühr von 25.000 Dollar heiß begehrt ist. Nur eine Woche dauert der Singularity-Crashkurs für Wirtschaftsentscheider. Kostenpunkt: 12.000 Dollar. Anders als bei einschlägigen Konferenzen, wo die Stimmung mitunter an UFO-Kongresse erinnert, soll bei der Singularity University eine seriösere Betrachtung von Zukunftstechnologien und die Gründung von Startups angeregt werden.

Hansdampf in allen Gassen: Ray KurzweilGründer und Leiter des Instituts ist Ray Kurzweil. Der Buchautor, Erfinder und Unternehmer wird von seinen Anhängern als eine Art Singularitätsmessias gehandelt. Wenn Kurzweil nicht gerade ein Buch über Transhumanismus, Lebensverlängerung oder Singularität herausbringt, hält er Vorträge oder berät Unternehmen. Das Spektrum seiner Unternehmensgründungen reicht von Software (Text- und Spracherkennung) über Musikinstrumente (Synthesizer) bis hin zu „Ray and Terry“, einem Shop, der Nahrungsergänzungsmittel vertreibt, die möglichst lange jung halten sollen. (Kurzweil selbst soll täglich mehr als 150 Pillen zu schlucken und damit laut eigenen Angaben seiner genetischen Veranlagung zu Gefäßerkrankungen ein Schnippchen geschlagen haben.)

Kurzweils Vorträge folgen meist einem bewährten Muster. Er beginnt mit der Beschreibung des „Law of Accelerating Returns“ (Gesetz des sich beschleunigenden Nutzens), dessen Kern Moore‘s Law ist - die Verdoppelung der Transistorendichte auf Halbleitern alle 18 bis 24 Monate. Darauf folgen eine Erläuterung, warum Leute mit exponentieller Veränderung nicht viel anfangen können - „unsere Intuition ist linear“ - sowie eine Reihe konkreter Vorhersagen: „Wir werden das menschliche Gehirn bis 2019 nachkonstruiert haben“, behauptet Kurzweil etwa in einer seiner Vorlesungen an der Singularity University.

Intelligent Design für GescheiteKritiker monieren nicht nur, dass Kurzweil das Thema technische Singularität für sich vereinnahmt und hemmungslos kommerzialisiert, sondern vor allem, dass sich seine Bücher und Referate auf einer pseudowissenschaftlichen Ebene bewegen, die nichts anderes als eine Mischung aus vereinfachten Fakten und Fantasie ist. Mitch Kapor, Mitbegründer von Lotus Development und der Electronic Frontier Foundation, nannte Kurzweils Weltanschauung „Intelligent Design für Leute mit einem IQ von 140“.

Der zweite Teil der Serie „Mythos Singularität“, der am Mittwoch erscheint, führt zurück zu den Anfängen: den Versuchen, intelligente Software zu entwickeln: vom Turing-Test hin zu Programmen, selbstständig Naturgesetze erkennen.

Mehr zum Thema

Definition:Der Begriff Singularität stammt aus der Mathematik und beschreibt einen Punkt, an dem eine Funktion nicht definiert ist, wie zum Beispiel 1/x an der Stelle 0. Gleichzeitig wächst eine solche Kurve immer schneller gegen unendlich. In der Physik bezeichnet Singularität einen Zustand, wenn naturwissenschaftliche Gesetze ihre Gültigkeit verlieren, wie es etwa von einem schwarzen Loch angenommen wird. Vernor Vinge wählte den Begriff Mitte der 1980er-Jahre, um einerseits ungezügeltes Wachstum, andererseits eine technologische Ausnahmesituation zu beschreiben: ein Wendepunkt, auf den völlige Ungewissheit folgt. (In seiner freien Zeit ist Vinge erfolgreicher Science Fiction-Autor.)

Der Begriff Singularität stammt aus der Mathematik und beschreibt einen Punkt, an dem eine Funktion nicht definiert ist, wie zum Beispiel 1/x an der Stelle 0. Gleichzeitig wächst eine solche Kurve immer schneller gegen unendlich. In der Physik bezeichnet Singularität einen Zustand, wenn naturwissenschaftliche Gesetze ihre Gültigkeit verlieren, wie es etwa von einem schwarzen Loch angenommen wird. Vernor Vinge wählte den Begriff Mitte der 1980er-Jahre, um einerseits ungezügeltes Wachstum, andererseits eine technologische Ausnahmesituation zu beschreiben: ein Wendepunkt, auf den völlige Ungewissheit folgt. (In seiner freien Zeit ist Vinge erfolgreicher Science Fiction-Autor.)