© Max Tomasinelli

Architektur
08/26/2011

"Stadt ist schon fast ein lebender Computer"

Der MIT-Professor für Architektur Carlo Ratti beschäftigt sich mit der Frage, wie die Technologien die Interaktion zwischen den Menschen als Bürger der Stadt und von Menschen und der Stadt verändert. Bei einem Pressegespräch des Klima- und Energiefonds im Rahmen der Alpbacher Technologiegespräche erzählte er von seinen Zukunftsprojekten.

„Schaut man heute auf eine Stadt, ist sie fast schon ein lebender Computer“ - mit den neuen Technologien und Daten wie etwa aus dem Mobilfunk „können wir heute Dinge verstehen, wie wir sie vorher noch nicht verstehen konnten“, verweist der italienische Architekt Ratti auf neue Möglichkeiten, für Städte sowie alltägliche Gegenstände wie das Fahrrad energie- und ressourcenschonende Lösungen zu entwickeln und gleichzeitig die Lebensqualität der Bürger zu erhöhen.

Elektro-Abfall mit Marker verfolgen
„Smarter“ können Städte dabei auf vielfältigste Weise werden: „Wir wissen, woher unsere Dinge kommen, doch wir wissen nicht, wohin sie gehen, wenn wir sie in ein paar Jahren wegwerfen“ - das ausgediente Elektronikgerät nimmt vielleicht einen legalen Weg der Entsorgung oder Wiederverwertung, könnte aber auch auf illegalem Weg in Entwicklungsländer transportiert werden, sagte Ratti.

Er und sein Team entwickelten unter dem Namen "Trash Track" einen „Tag“, eine Art Etikette, um die Wege der einzelner Objekte, etwa von Computern, Mobiltelefonen, aber auch Cola-Dosen, nachvollziehen zu können. „So kann der Abfall der Stadt verfolgt werden, etwa wie der Marker im Blut des Patienten im Krankenhaus, so der Forscher, der am Freitag auch bei einem Arbeitskreis zum Thema sprach.

Alte PCs an Entwicklungsländer
Im Rahmen seines Projektes, das derzeit auch im Museum of Modern Art in New York zu sehen ist, verfolgten die Forscher 3.000 Objekte - auf dem Computer präsentierte der Forscher eine Simulation ausgehend aus der US-Stadt Seattle über andere US-Staaten und weltweit. “Wenn man beim Transport Energie sparen möchte, so zeigen sich hier viele Möglichkeiten für Verbesserungen", so Ratti.

Etwa auch alte Computer, die im Rahmen von Entwicklungshilfe in andere Länder verschickt werden, wurden bereits von den Forschern entsprechend präpariert, um ihren tatsächlichen Endpunkt nachvollziehen zu können.

E-Bike für Kopenhagen
Für die fahrradbegeisterten Kopenhagener entwickelten Ratti und seine Kollegen vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) anlässlich der dortigen Klimakonferenz im Jahr 2009 das “Copenhagen Wheel", ein E-Bike mit einem Energierückgewinnungssystem für den Antrieb und als ein Beispiel für ein smartes, nachhaltigeres Produkt. Es kann zudem die Lebensqualität - etwa eingesetzt als Personal Trainer mit entsprechender Datenaufzeichnung - erhöhen, man arbeite, so Ratti, derzeit mit der dritten Version an Optimierung.

Kommunikation über Mobilfunk
Doch auch die Analyse von Kommunikation zwischen Menschen, etwa über ihre Mobiltelefonverbindungen, schafft neue Möglichkeiten: So wird gerade Ratti zufolge angedacht, ob diese Daten nicht dabei helfen könnten, die politischen Wahlbezirke in Großbritannien neu zu definieren. Auch beim Aufbau von neuen “Smart Cities„ engagieren sich die MIT-Forscher, etwa beim Aufbau einer “Digital Creative City" in Mexiko - ein neues Zentrum für etwa 20.000 Leute.

An seinen Visionen zur Stadtentwicklung bastelt der MIT-Professor für Architektur in seinem "Senseable City Lab" mit 30 Mitarbeitern in Boston. Ein zweites Labor wurde nun auch in

mit zehn Leuten aufgebaut.

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