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Astronomie
04/02/2012

Superrechner für Riesenteleskop in Entwicklung

Die Radioteleskop-Anlage Square Kilometre Array soll ab 2024 täglich doppelt so viele Daten produzieren, wie heute täglich im Internet anfallen. IBM und ASTRON wollen in den nächsten fünf Jahren einen Computer entwickeln, der diese Daten verarbeiten kann.

Im Jahr 2024 soll das

, das größte Radioteleskop der Welt, in Betrieb gehen. Die Ansammlung von über 3.000 Antennen, die sich über mehrere Länder erstrecken soll, wird dann eine derart große Menge Daten produzieren, dass es erst einer neuartigen Rechner-Infrastruktur bedarf, um damit zurechtzukommen. IBM und das Niederländische Institut für Radio-Astronomie (ASTRON)gaben nun bekannt, gemeinsam einen Supercomputer kreieren zu wollen, der etwa ein Exabyte an Rohdaten pro Tag verarbeiten soll.

Extrem-Datenanalyse im Exabyte-Bereich
Ein Exabyte ist das Kürzel für eine Trilliarde Bytes (10 hoch 18), was ungefähr der doppelten Menge des Datenverkehrs im gesamten Internet pro Tag entspricht. Ein dafür ausgelegter Rechner muss laut den Projekt-Partnern mit einer eigenen Computer-Architektur und Datentransfer-Verbindungen ausgestattet sein, die heutiger Technologie noch weit überlegen ist. Das Projekt trägt den Namen DOME und soll in einem eigenen Labor im niederländischen Drenthe entwickelt werden.

Zum Umfang des Vorhabens meint Ton Engbersen, IBM-Forscher in Zürich: "Das ist große Daten-Analyse in seiner Extremform. Mit DOME werden wir eines der datenintensivsten Wissenschafts-Projekte aller Zeiten beginnen, das eventuell viel breitere Anwendungsformen als die Radio-Astronomie-Forschung haben wird."

Kreativität gefragt
Die notwendige Technologie für den Square-Kilometre-Array-Rechner muss allerdings erst gefunden werden. "Wir müssen sehr kreativ sein", meint IBM-Forscher Ronald Luijten gegenüber Mashable. "Wenn wir heutige Standard-Server benutzen würden, bräuchten wir Millionen davon. Sie würden so viel Platz und Energie verschwenden, dass wir den Bau dieser Maschinen nicht leisten könnten, ganz zu schweigen vom laufenden Betrieb."

IBM will deshalb unter anderem neue Wege der Schichtung von Computerchips finden. Statt flacher Chips sollen räumliche Chip-Formen entstehen. Für Verbindungen soll vermehrt optische Technologie zum Einsatz kommen. Für den Einsatz des neuen Leitermaterials Graphene ist es laut Luijten noch zu früh: "Graphen wird nicht rechtzeitig erhältlich sein, wenn wir 2017 beginnen, etwas zu bauen."

Das gute, alte Magnetband
Stattdessen soll unter anderem eine der ältesten Speicher-Technologien für DOME verwendet werden: Magnetband. Laut Luijten kommt kein neues Medium in puncto Kosten-, Raum- und Energie-Effizienz an Magnetband heran. IBM und ASTRON planen für die Superrechner-Entwicklung eine Projektzeit von fünf Jahren ein. Die vorläufigen Kosten belaufen sich auf 32,9 Millionen Euro.