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Science
02/20/2013

UNO fordert Meteoritenwarnungs-Netzwerk

Den Niedergang des Meteoriten von Tscheljabinsk hätte man nicht aufhalten können. Vorab registriert wurde der Meteorit, eine Warnung blieb aber aus. Das soll sich in Zukunft ändern. Die UNO schlägt die Gründung eines Warnungsnetzwerks vor, sowie ein internationales Gremium zur Desasterplanung.

Nach dem spektakuläre Meteoriteneinschlag am Ural am vergangenen Freitag forderten am Mittwoch Experten im Vienna International Center eine verstärkte internationale Kooperation, um Gefahren aus dem All zu erkennen. Im aktuellen Fall hätte diese Prävention allerdings nur wenig geholfen: "Ein Objekt wie dieses, selbst wenn es größer gewesen wäre, hätte mit einem optischen Teleskop nicht registriert werden können", so Lindley Johnson von der US-Weltraumbehörde NASA am Mittwoch in Wien.

Warnung hätte Panik verhindert
Die hypothetische Frage, wie man reagiert hätte, wäre man über das Objekt, das in der Nähe der russischen Stadt Tscheljabinsk auf Kollisionskurs mit der Erde ging, schon vorab informiert gewesen wäre, beantwortete Sergio Camacho bei der von dem in Wien ansässigen UN-Büro für Weltraumfragen (UNOOSA) veranstalteten Pressekonferenz. "Man hätte zumindest die betroffene Bevölkerung informieren können", so der Vorsitzende des Action Teams der UNO. Somit hätten Verletzungen, aber auch Panik verhindert werden können. Rund 1.500 Menschen wurden am 15. Februar vor allem durch herumfliegende Glassplitter verletzt.

Wissen um erdnahe Objekte steigt
Registriert wurde der Meteorit laut den Experten aber sehr wohl, und zwar mit Hilfe der rund um den Globus installierten Infraschallstationen. 17 dieser "IMS Infrasound Test Stations" konnten den Himmelskörper mittels der niederfrequenten, unter der menschlichen Hörschwelle liegenden Schallwellen erfassen. Die Daten laufen bei der für die Überwachung und Lokalisierung von Nuklearexplosionen zuständigen, in Wien ansässigen Organisation zum Atomteststoppvertrag (CTBTO) zusammen.

Der Wissenstand darüber, was sich alles im All tummelt und sich der Erde annähert, sei in den vergangenen 15 Jahren jedenfalls stetig gewachsen, gab der NASA-Experte Johnson zu bedenken. Diesen Wissensstand gelte es zu erweitern, indem etwa die Zahl der Bodenteleskope erhöht wird und die internationalen Aktivitäten im Bereich der Impact-Forschung besser koordiniert werden. Zu diesem Zwecke ist bei der UNO ein Action Team für erdnahe Objekte seit 2001 tätig.

Warnen und Planen
Empfehlungen sollen demnächst von der UNOOSA der UN-Vollversammlung in New York vorgelegt werden. Diese umfassen unter anderem die Gründung zweier Beratungsgremien, eines Warn-Netzwerkes namens IAWN (International Asteroid Warning Network) und eines weiteren namens IDPAG (Impact Disaster Planning Advisory Group). Während die IAWN nicht nur für die Beobachtung für erdnahe Objekte zuständig ist, sondern auch für die öffentliche Kommunikation, soll die IDPAG dann im Ernstfall für Evakuierungspläne und dergleichen zuständig sein.

Detlef Koschny, seit 2008 bei der europäischen Weltraumagentur ESA im Bereich der erdnahen Objekte tätig, sagte, dass in Zukunft für den Fall des Falles sogenannte Mission Studies bereitstehen sollten, um auf Bedrohungen aus dem All reagieren zu können. Dazu gehöre es auch, vermehrt "kleinere" Objekte frühzeitig auszumachen. Den russischen Meteoriten schätzte die NASA übrigens auf einen Durchmesser von 15 Metern.

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