Science
20.06.2014

Urknall-Echo-Entdecker räumen Zweifel ein

Physiker der Harvard University bestätigen die Möglichkeit, dass entdeckte Gravitationswellen mit strahlendem Staub verwechselt worden sein könnten.

Als im März die Entdeckung von Gravitationswellen als "Echo des Urknalls" zum historischen Forschungserfolg erklärt wurde, war der Jubel womöglich verfrüht. Die aufgefangenen Signale könnten statt von den ersten Erschütterungen des Big Bang auch von strahlendem kosmischem Staub herrühren, räumten die Wissenschafter um John Kovac aus Harvard nun ein.

Weltweites Aufsehen

Diese Möglichkeit sei "nicht auszuschließen", schrieb das Forscherteam in der Fachzeitschrift "Physical Review Letters" vom Donnerstag. Die Veröffentlichung ihrer vermeintlichen Entdeckung hatte am 17. März für weltweites Aufsehen gesorgt: Die Kovac-Gruppe vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics berichtete, sie habe einen "ersten direkten Beweis für die kosmische Inflation" gefunden, also für das rasante Ausbreiten des Universums direkt nach dem Urknall vor rund 14 Milliarden Jahren. Das wäre eine Bestätigung von Theoriebausteinen Albert Einsteins.

Nach der Veröffentlichung zogen konkurrierende Wissenschafter den Durchbruch in Zweifel. Sie verwiesen auf die limitierten Messungen des Havard-Teams mit dem Bicep-Teleskop am Südpol. Nach wochenlangem Schweigen gingen die Forscher nun darauf ein und räumten ein, dass ihre Modelle Grenzen hätten und ein Irrtum nicht ausgeschlossen sei.

Überprüfung durch die ESA

Auch kosmischer Staub sende leuchtende polarisierte Strahlen aus, sagte Princeton-Physiker David Spiegel. Dieselben Charaktereigenschaften, die Kovac gefunden habe, seien sowohl in den Strahlen des Weltraumstaubs als auch in den Gravitationswellen zu finden.

Endgültige Klarheit könnte es im Herbst geben. Dann veröffentlichen die Konkurrenzforscher, die mit dem Planck-Teleskop der Europäischen Weltraumagentur (ESA) dem Urknall nachspürten, ihre Ergebnisse. Das Team habe auf sechs verschiedenen Frequenzen nach Gravitationswellen gesucht, die Harvard-Forscher hingegen nur auf einer, sagte Spiegel.