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Forschung
12/15/2011

Weihnachten im Weltraum

Anfang Dezember wurde eine astronomische Beobachtungskampagne gestartet. Die Weltraumteleskope MOST, CoRoT, Spitzer und Chandra beobachten über mehrere Wochen den etwa sechs Millionen Jahre jungen Sternhaufen "Christmas Tree". Auch zwei Astronominnen der Universität Wien sind bei der Erforschung dabei.

Dass Astronomen rund um Weihnachten einen Christbaum beobachten, wäre eigentlich keine Meldung Wert. Bei diesem Weihnachtsbaum handelt es sich aber um einen ganz speziellen: einen rund 1.800 Lichtjahre entfernten, mit einem Alter von sechs Millionen Jahren noch jungen Sternhaufen namens „Christmas Tree“.

Ein internationales Wissenschafter-Team, darunter zwei Astronominnen der Universität Wien, beobachten über mehrere Wochen dieses Objekt mit Hilfe von vier Weltraum- und zwei erdgebundenen Teleskopen, teilte die Uni Wien am Donnerstag in einer Aussendung mit.

Mehrere Weltraumteleskope
Der „Christmas Tree“-Cluster mit der astronomischen Bezeichnung NGC 2264 zählt zu den jüngsten Objekten im Weltraum, in dem noch immer Sterne geboren werden. Die Wissenschafter beobachten von Anfang Dezember bis Mitte Jänner die Formation. Zum Einsatz kommen dabei die Weltraumteleskope „MOST“, „CoRoT“, „Spitzer“ und „Chandra“ sowie Teleskope der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile und der USA am Mauna Kea in Hawaii.

Geplant sind Messungen von etwa 5000 Sternen unterschiedlicher Massen und Entwicklungsstadien im infraroten und sichtbaren Licht sowie im Röntgenbereich. „In jedem dieser Wellenlängenbereiche kann man andere Details des Sternhaufens erkennen. Auch unsere Milchstraße sieht in unterschiedlichen Wellenlängen anders aus“, erklärt die an den Untersuchungen beteiligte Astronomin Konstanze Zwintz von der Universität Wien. Ihre Kollegen kommen aus den USA, Kanada und Brasilien.

Sternschwingungen
Paula Stella Teixeira von der Uni Wien untersucht die jüngsten und lichtschwächsten Sterne des „Christmas Tree“-Cluster, die teilweise noch in ihrer Geburtswolke eingebettet sind. Zwintz dagegen beschäftigt sich mit lichtstärkeren, das heißt mit massereicheren und schon besser entwickelten Objekten des Sternhaufens und deren Pulsationen: Die Untersuchung dieser Sternschwingungen erlaubt den Wissenschaftern, ähnlich wie bei der Analyse von Erdbebenwellen, Rückschlüsse auf den inneren Aufbau der Sterne. „Wir erwarten uns von diesem einzigartigen Beobachtungsprojekt neue Erkenntnisse über die Entstehung von Sternen und Planeten“, so Zwintz.

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